Freitag, 19.10.2018
Record of the Week

Alanis Obomsawin „Bush Lady“

AlanisobomasawinAlanis Obomsawin
„Bush Lady“
(Constellation Records / Cargo)

KünstlerInnen suchen sich ihre Kunstformen nicht immer aus. Oft kommen diese zu ihnen. Und so ist es primär der Absenz von Möglichkeitsräumen zur Artikulation der Anliegen von Native Canadians/Indians geschuldet, dass Alanis Obomsawin, die im Odanak Reservoir nördlich von Montréal aufgewachsen ist, in ihrem Leben primär als Filmemacherin in Erscheinung getreten ist – und das obwohl sie zu Beginn der 1960er Jahre zunächst als Singer-Songwriterin präsent war.
Mit Dokumentationen wie „Incident at Restigouche“, „Our Nationhood“ oder „Our People Will Be Healed“ gibt Alanis Obomsawin in mittlerweile mehr als 50 Filmen ihren Leuten ein Gefühl des Stolzes für die eigenen Werte zurück, hilft ihnen eine eigene Identität zu entwickeln.


Wobei ihr 1985 im Eigenverlag erschienenes und bis heute einziges Album „Bush Lady“, nun wiederveröffentlicht vom Montréaler Constellation Label, nahtlos und mindestens ebenwürdig an diese aufklärerische Mission anschließt. Hierfür kombiniert Obomsawin traditionelle Songs der Abenakis mit eigenen Kompositionen. Die sieben Songs des Albums leben von ihrer klanglichen Offenheit. So atmet der Opener „Odana“ die geographische Nähe zum französischen Chanson, doch wo sich dieser oft selbstgefällig seinem Pathos hingibt, schwebt der Song erhaben über seinem melancholischen Grundmotiv, ganz so, wie man es auch von japanischen Klageliedern kennt. Die titelstiftenden „Bush Lady Pt I“ und „Bush Lady Pt II“ vereinen im Anschluss den Klang von Buschtrommeln und Kompositionens-Referenzen an den damals in der Blüte stehenden Minimalismus zu einem brutalen Tanz der Zivilisationen.
Nicht zufällig in der Mitte des Albums finden wir das Interlude „Of The Earth And Of The Sea“ . Wundervoll zärtlich bechreibt Obomsawin ihr Volk als eines, das kein er und sie in seinen Sprachen kennt, sondern nur die gegenseitige Liebe füreinander und das omnipräsente Bewusstsein, dass sie alle Kinder der Erde und des Wassers sind.

Ob klangmalerisch oder klar artiuklierend, Alanis Obomsawin gelingt es stets ihre Stimme mit zwei Zungen sprechen zu lassen. Einer, die von den erlittenden Verletzungen erzählt, und einer, die sich mit diesen nicht abzufinden bereit ist, sondern für eine Welt der Gleichheit und eine Zivilisation der Menschlichkeit einsteht.

Die Besprechung ist in leicht modifizierter Form zuerst in der Printausgabe der Kölner Stadtrevue erschienen. 

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