Hardcore-Post-Rock in Schlamm und Regen

Helmet 2025 (Photo: Cristoph Voy)
Seit unserer Ankunft regnet es. Ich habe trotzdem schon diverse Bands fotografiert – live und backstage.Und bin irgendwie trocken geblieben. Jetzt stehe ich aber so richtig im Regen, die Kameratasche unter dem Regenponcho, der langsam aufgibt. Eine präzise Gitarre und ein trockener Bass zerschneiden die Nässe, darüber eine monotone Stimme, halb Gesang, halb Schrei. Ich bin zufrieden: Ich stehe im sprichwörtlichen Sinne in Wacken – und sehe zum ersten Mal Helmet live.
Helmet waren für mich immer eine dieser „Grundlagen-Bands“ der Musik, die ich liebe. Eine dieser Bands, die ich nie wirklich studiert habe. Wie bei den Melvins war ihr Status klar, und ich wollte sie mögen. Aber über mehrfaches Probehören im Laden, um mir ein „Ja“ abzuringen, ist es nie hinausgegangen. Ich besitze keine einzige Helmet-Platte. Hier im Wacken-Schlamm bereue ich das zutiefst.
Angefangen hat es wie früher: Helmet in Wacken. Klingt gut. Zwei Wochen vor dem Festival habe ich den Manager angeschrieben, um einen Porträttermin zu verabreden. Bei den meisten US-Bands versandet so etwas im Zuständigkeitsdschungel. Entsprechend war ich enttäuscht, aber nicht überrascht, dass zunächst keine Antwort kam. Wir standen schon zwei Tage im Regen, als am Abend vor dem Auftritt eine Mail eintraf: „Yes, we can do it. Please connect with Patrik, the tour manager.“

Am Freitag um 15:45 Uhr war ich in der Media Area, um von Patrik zur Band geführt zu werden. Ob man Axl Rose dafür verantwortlich machen kann, dass ohne Extra-Bändchen niemand backstage kommt, weiß ich nicht. Ich weiß nur: Ich kam nicht rein. Nach vielen Worten, etwas Glück und einem Abstecher ins Produktionsbüro fanden wir eine Fotolocation – halb drinnen, halb draußen. Die Band erschien entspannt und höflich, jedem ein Gruß. Wahrscheinlich habe ich irgendeinen blöden Witz gemacht oder eine seltsame Frage gestellt; später erinnere ich mich an so etwas nie. Ich bin dann nur noch darauf fokussiert, wo die Band am besten steht.
Vier, fünf Fotos – knapp, präzise. Perfekt wie ihre Musik. Nur ein kleiner Metal-Ausbruch von Gitarrist Peter Mengede, der sich – wie später auf der Bühne – der jeweiligen Umgebung verpflichtet fühlt. Ein kurzes Danke an alle, das war’s.
Helmet in Wacken sind: Page Hamilton (Gesang/Gitarre), Peter Mengede (Gitarre), Henry Bogdan (Bass) und John Stanier (Schlagzeug). Page Hamilton ist der einzige Ur-Helmet – Sänger (auch wenn er seine Stimme eher in der Rhythmussektion verortet) und Mastermind der Gruppe.
In den vergangenen Tagen haben wir viele Bands gesehen, die vor allem lauter und härter sein wollen als alle anderen. Als hätte sich die Liebe der Wacken-Gemeinde zu Lemmy und Motörhead in der pauschalen Übernahme seines Signature-Spruchs materialisiert. Diesen Druck, diese Dringlichkeit, diese unmittelbare Energieübertragung wie jetzt bei Helmet habe ich sonst nirgends gespürt. Die Körper im Publikum kochen vom Sound; der kalte Regen verdampft auf ihrer Haut und verhindert, dass der Kessel explodiert. Wer da nicht mitfühlt, muss – wie der junge Security vor mir – nervös von einem Bein aufs andere springen. Was nagt stärker an ihm? Die Dringlichkeit der Musik oder das miese Wacken-Wetter?

Auf der W.E.T. Stage fühlen sich Helmet sichtbar wohl. Sie haben Spaß und freuen sich. Viele von uns stehen im Regen und teilen diese Freude – mit der Band und miteinander. Wir lauschen der härtesten Band dieses Wacken, 2025.
Nachtrag: Dass nicht nur die Band hart fährt, sondern auch ihre Fans nicht ohne sind, erleben wir nach dem Konzert. Wir suchen unter der Bühne Schutz vor dem Regen, als zwei Feuerwehrmänner und zwei Sanitäter mit einer Trage vorbeisprinten. Als sie zurückkommen, liegt darauf ein Mann, der Hut im Manchester-Stil tief über die Augen gezogen, die Arme wie bei einer Beerdigung auf der Brust verschränkt – in den Händen, wie aufgebahrt, die Drumsticks von John Stanier.










