Roman

„Land in Sicht“ Ilona Hartmann

Ilona Hartmann
„Land in Sicht“
Blumenbar Verlag

Unter wechselndem Alias (aktuell „Stabilo Boss“) unterhält die Wahl-Berlinerin Ilona Hartmann schon seit einiger Zeit die coolen Humor-Kader auf Twitter und Instagram.
Ihre dortige Followerzahl-Kurve besitzt dabei 2020 etwas vom Phänomen des exponentiellen Wachstums – bekannt aus den classic Corona-Graphiken vom März (und natürlich von El Hotzo).
Parallel zum steilen Fame erscheint nun Ilona Hartmanns Debütroman. Eher Zufall, aber sicherlich kein schlechtes Omen für das kleine Büchlein, dessen Geschichte mit 160 Seiten auskommt.

Doch die Story von „Land in Sicht“ hat es trotzdem in sich. Auf einer Fluss-Kreuzfahrt hat sich die Ich-Erzählerin Jana Bühler eingebucht. Sie ist dort mit Abstand der jüngste Gast, sonst lassen sich ausschließlich rüstige Rentner flussabwärts Richtung Italien schippern. Doch Jana ist keineswegs dem Senioren-Lifestyle auf der Spur, der Grund für diese Reise ist wirklich essentiell. Denn bei dem Kapitän des Ausflugsdampfers handelt es sich um ihren Vater. Der Vater, den sie in 25 Lebensjahren nie kennengelernt hatte.
Sie macht sich also gleichermaßen bereit für eine große Entdeckung wie möglicherweise für eine noch größere Enttäuschung. Und da sie sich erstmal nicht zu erkennen gibt, lädt sie der Vater zu einem Date ein…

Iloner Hartman immer Fuß am Gas – hier auf Partys in Paris!

Die Brisanz der Geschichte, die sich vor der nur vermeintlich drögen Touri-Kulisse entspinnt, liegt auf der Hand.
Allerdings lebt die komische Flussfahrt von „Land in Sicht“ erstmal von einem großen Erzähltalent.
Der Zeichenzuwachs, den Ilona Hartmann von den 280, die Twitter pro Tweet zulässt, hin zu einem Roman erlebte, muss sich heftig angefühlt haben. Doch sie reitet ihn wie ein hochelegantes Pferd. Wo andere schreiben, wie ein Hund frisst, kann Ilona Hartmann sehr präzise beobachten und bildreich erzählen. Die Sprache hält alles immer fest zusammen. So bleibt auch in vermeintlich ausufernden Szenen die Erzählung destilliert und pointiert.
Die Spannung zwischen neurotischer Innensicht und schräger Außenwelt sind unzweifelhaft Triebfedern der Story, doch es ist eben gerade auch der Stil, der das ohnehin kurzweilige Erlebnisbuch noch fesselnder macht.
„Land in Sicht“ mag ein kleiner Pop-Roman sein, er dürfte aber auch den Ausgangspunkt einer literarischen Karriere darstellen. Selten so viel Unterhaltung und Talent auf so engem Raum erlebt.
Linus Volkmann

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