Auf 1 Buch und 1 Kaffee mit Loobie Lofi – Feat. Haratischwili, Stanisic, Gardi
Welche Anzahl von Bücher, wieviel Koffein geht eigentlich rein in unseren beliebten Kolumnisten Loobie Lofi? Auch diesen Monat hat er zumindest wieder drei Buchempfehlungen für uns ausgesucht. Sein Leben zwischen Kaffeehaus, Hochkultur und Popliteratur – einfach nur beneidenswert!

Nino Haratischwili: „Das achte Leben (Für Brilka)“ / 2013
Wann kennengelernt: Ende der 2010er.
Warum wiederentdeckt: Einer der beeindruckendsten Romane, die ich in den letzten 10 Jahren las und welchen ich, falls das Leben es zulässt, gerne nochmal lesen würde.
Worum geht’s: Epische Erzählung über 8 Frauen einer georgischen Familie, deren Leben im 20. Jahrhundert und ihr Versuch, sich von der Elterngeneration zu emanzipieren. Natürlich werden auch die politischen Umstände und der wohl bekannteste Georgier Stalin berührt.
Assoziationen zur Autorin: Heiße Schokolade; Georgien; starke Frauenfiguren; Frankfurter Verlagsgesellschaft; die Katze und der General; mangelndes Licht; Theater
Kaffee: Stabiler Dallmayr Prodomo Milchkaffee im Studio Eins Records, meinem Lieblingsplattenladen in Karlsruhe
Satz: „Wir entscheiden uns dafür, an was wir uns erinnern wollen und an was nicht. Die Zeit hat damit nichts zu tun. Der Zeit ist das egal.“
Songs that come to my mind: Modest Mouse „Lives“; Hot Chocolate „Everyones’s A Winner“; Doris Day „Let’s Keep Smiling“.
Interessant: „Das achte Leben“ wird derzeit als englischsprachige Serie adaptiert.

Sasa Stanisic: „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ (2024)
Wann kennengelernt: Im Erscheinungsjahr 2024.
Worum geht’s: Verschiedene, märchenhafte Kurzgeschichten unter anderem mit Miroslav Klose, der Schönheit und Faszination des Doppelkopfspiels, Heidelberg Emmertsgrund oder Memory spielen mit dem eigenen Kind.
Assoziationen zum Autor: IGH Heidelberg; Visegrad; unglaublich humorvoll; Lesung von Herkunft im Kohi Karlsruhe; die Haldern Pop Mottos „die Zukunft ist klein“ und „Es schließt sich der Kreis, wenn die Richtung stimmt“.
Kaffee: Liebevoll zubereiteter Cappuchino mit Hafermilch in Leipzig von meinem Cousin; leider ist die extrem leckere, vegane Donauwelle nicht zu sehen.
Zitat: „Doppelkopf ist eine Dimension, in der niemand fragt: „Was hast du noch vor?“ Beim Doppelkopf hast du noch vor, eine Runde Doppelkopf zu spielen. Jede Runde ist anders, und so bist du jede Runde jemand anderes. Du verwandelst dich. Bist aggressiv, dann zurückhaltend. Hast einen Partner, dann wieder keinen. Schauspiel des Lebens.“
Songs that come to my mind: Damien Jurado „Best Dress“; Fred Raymond „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“; Screaming Trees „Witness“; Advanced Chemistry „Fremd im eigenen Land“
Interessant: Sasa Stanisic ging in der IGH, der größten Schule Heidelbergs, zur Schule, in deren Halle ich unter anderem während des Studiums Tischtennis trainierte. Weitere bekannte AbsolventInnen sind die Malaika Mihambo, die im Weitsprung 2019 und 2022 Weltmeisterin, 2020 Olympiasigerin sowie 2018 und 2024 Europameisterin wurde. Und natürlich Torch und Toni L von Advanced Chemistry.

Tomer Gardi : Liefern (2026)
Wann kennengelernt: Juli 2026 durch die Empfehlung von Robert Stadlober (ich darf erwähnen, dass er durchaus auch gerne liest)
Worum geht’s: Vielfältige Lebenshintergründe und Arbeitsbedingungen von Lieferdienstfahrer*innen rund um den Globus; Ob in Israel, der Türkei, Indien oder Deutschland; Wie sich innerhalb von ausbeuterischen Systemen Solidarität, Herzlichkeit und Menschlichkeit leben und sich Gemeinschaft bilden kann.
Assoziationen zum Autor: Kibbuz; Tel Aviv; Longlist Deutscher Buchpreis 2026
Kaffee: Guter Flat White in der taz-Kantine.
Zitat: „Wisst ihr, was Resul bedeutet? Auch bei uns wissen es die meisten Leute nicht, aber ich habe ja türkische Literatur und Sprache studiert. Resul ist der Bote. Im Koran der Bote Gottes, Resul-Allah, ein Prophet und ein König. Mein ganzes Leben lang dachte ich, meine Sendung sei es zu unterrichten. Ein Bote für die Menschen, um jungen Menschen die Literatur und die Poesie zu bringen. Und damit war es auf einen Schlag vorbei. Es war, als hätte ich mein Leben lang meinen Namen falsch gedeutet. Der Bote, für den ich mich hielt, war nicht der Bote, der ich wirklich war. Als sei ich vom ersten Tag dazu bestimmt, mein Leben lang auf dem Motorrad zu sitzen und den Leuten essen zu bringen. Wisst ihr eigentlich, warum die Leute Kuriere hassen? Weil wir menschlich sind, sagte Resul. Weil diese Dienstleistung, die alle am liebsten so bekämen, als würde sie von einer Maschine verrichtet, von einem Menschen gemacht wird, einem Menschen, der eine Würde hat, einem Menschen, der Fehler macht. Das Menschliche ist das überflüssige Element, das man an den Kurieren hasst.“
Songs that comes to my mind: Die Sterne „Universal Tellerwäscher“; Donna Summer „She Works Hard For The Money“; Schneider TM & Kpt.Michigan „The Light 3000“
Interessant: Für „Liefern“ hat Tomer Gardi drei Jahre in sechs Städten recherchiert.




