Auf 1 Buch und 1 Kaffee mit Loobie Lofi – Feat. Laura Lippman, Maxie Wander, H. D. Thoreau
Geliebte Kaffeegesichter, wunderschöne Book-Lover, die Zeit ist wieder soweit. Am ersten Tag des Monats schwebt Loobie zu uns herab. Sein Umzugswagen ächzt vor Büchern, Platten, Kassetten, Comics und variantenreichen Kopfbedeckungen. Getrieben von einem unstillbaren Kaffeedurst präsentiert er uns auch heute wieder drei Bücher und unzählige Querverweise. Lasst euch inspirieren. Beschaut eure eigenen Schätze oder entdeckt ganz neue.

Laura Lippman „Die Witwe des Millionärs“ (1997 / Teil 2 der Tess-Monaghan-Reihe)
Wann kennengelernt: Letztes Jahr durch Zufall aus dem Büchertauschschrank gefischt, dann ob absoluter Überzeugung die drei ins Deutsche übersetzte Tess-Monaghan-Fälle auch gekauft.
Worum geht’s: Die frühere Journalistin und Privatermittlerin Tess Monaghan ermittelt unnachahmlich in Baltimore. Eine wilde Mischung aus Basketball, Tavernen, Glücksspiel, Windhunden, Journalismus und verstrickten Beziehungen tut sich auf.
Assoziationen zur Autorin: „The Wire“, David Simon; Baltimore Blues Journalistin; wundervoll gestaltete Neuauflage im Kampa Verlag
Kaffee: Espresso vom Goldstadt Kaffee Pforzheim zuhause … gut und schnörkellos wie immer
Zitat: „1 normaler Mann + 1 normales Leben = 0
1 normaler Mann +1 ungewöhnliches Abenteuer = Story
1 normaler Mann + 1 normale Ehefrau = 0
1 Ehemann + 3 Frauen = Story
1 Bankkassierer + 1 Frau + 7 Kinder = 0
1 Bankkassierer – 10000 Dollar = Story
1 Chormädchen + 1 Bankpräsident – 100000 Dollar = Story
1 Mann + 1 Auto + 1 Waffe + 1 Flasche Whiskey = Story
1 normaler Mann + 1 normales Leben von 79 Jahren = 0
1 normaler Mann + 1 normales Leben von 100 Jahren = Story
(Diese Zeilen von George C. Bastiana „Editing The Day`s News“ aus 1922 finden sich dem Buch vorangestellt)
Songs that come to my mind: Nina Simone „Baltimore“; Tom Waits „Down In A Hole“; Deer Tick „Baltimore Blues No 1“
Interessant: Vielfach ausgezeichnet gewann sie meines Erachtens auch vollkommen zurecht den weltweit renommiertesten Preis für Kriminalliteratur, den „Edgar Alan Poe Award“.

Maxie Wander „Guten Morgen, du Schöne“ (1977)
Wann kennengelernt: Anfang 2000er.
Warum wiederentdeckt: Der Dokumentarfilm „Stolz & Eigensinn“, den ich in der dokka im Mai 2026 Karlsruhe sah, erinnerte mich ob des Themas an dieses Buch.
Worum geht’s: 19 Frauen erzählen von sich und ihren Gefühlen, ihrer Familie, ihrer Arbeit, ihren Männern, sie äußern sich über Liebe und Sexualität, über Politik, über ihre Ansicht von der „richtigen “ Art zu leben. Hier wird ein Stück DDR-Geschichte gehoben.
Assoziationen zur Autorin: Siedelte 1958 aus Österreich mit Mann Fred in die DDR um, Christa Wolf, zuhörend, leider kurz nach Erscheinen dieses Buches 1977 verstorben.
Kaffee: Guter Espresso im Untergeschoss meiner Lieblingsbuchhandlung in Karlsruhe, der Stephanus Buchhandlung, wo vor kurzem ein wunderschöner Ort zum Verweilen, Lesen, Stöbern mit Manga Ecke u.ä geschaffen wurde. Ein Besucher*innen-Kommentar: „Mehr kommunistische Bücher!“
Opening Zitate: „Wie können wir Frauen befreit sein, wenn nicht alle Menschen es sind?“ sowie „Der Geist , der in diesem Buch herrscht – nein: am Werke ist-, ist der Geist der real existierenden Utopie, ohne den jede Wirklichkeit für Menschen unlebbar wird.“ (Christa Wolf)
Songs that come to my mind: Cat Power „Free“; Kurt Vile „Wakin‘ On A Pretty Day“
Interessant: 1985 erschien bei Litera eine Doppelvinylschallplatte mit sechs Tondokumenten von den hier interviewten Frauen.

Henry David Thoreau: „Walden oder das Leben in den Wäldern“ (1854)
Wann kennengelernt: Weihnachten 1999 und seither ein steter Begleiter im Mäanderleben.
Worum geht’s: Thoreau geht hinaus in die Wälder, um das Mark des Lebens in sich aufzusaugen. Er plädiert für einfaches, bewusstes, nicht entfremdetes Leben.
Assoziationen zum Autor: Walt Whitman; Ralph Waldo Emerson; Transzendentalist; Homer; Mahatma Gandhi; Walden Pond; Aussteiger; Zerrissenheit; Tuberkulose.
Kaffee: Wundervoller eritreischer Kaffee auf der Terrasse des Restaurant Kilimanjaro, wo ich einfach ich sein kann, wo ich mit Freunden Doppelkopf spielen, ein Amerbier nach getaner Arbeit zischen und auch jegliches Essen empfehlen kann … ein weiterer, herzlicher Karlsruher Lieblingsort.
Zitate: „Ich habe drei Stühle in meinem Haus, einen für die Einsamkeit, zwei für die Freundschaft und drei für die Gesellschaft“; „Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“
Songs that come to my mind: Ton Steine Scherben „Macht kaputt, was euch kaputt macht „; Bon Iver: „Skinny Love“; Bill Callahan „Ride My Arrow“
Interessant: Thoreau beeinflusste mit seiner Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ Mahatma Gandhi in dessen gewaltlosem Widerstand maßgeblich.




