Reinventing Locas in Love

Ausgestopfter Dachs – Stefanie Schrank im Gespräch

„Unter der Haut eine überhitzte Fabrik“ so fühlt man sich doch trotz Winter selbst oft. Stefanie Schrank hat ihr Solo-Debüt so betitelt. Die Bassistin der langlebigen Indie-Band Locas in Love brach den Rhythmus von Platte, Tour, Platte, Tour auf, tat sich mit neuen Kräften zusammen (vornehmlich Lucas Croon von Stabil Elite) und jetzt ist es soweit. Ihr erstes Solokonzert zur Platte hielt sie bei den Düsseldorf Düsterboys ab. In einer Revue mit Anja Rützel steht sie am 15.12. noch mal auf der Bühne. Mit Linus Volkmann sprach sie über die Geschehnisse abseits ihrer Hauptband.

Solo-Debüt… nach all den Jahren. Wenn man es hört, fragt man sich unweigerlich: What took you so long?
STEFANIE SCHRANK Ich hatte eigentlich nie das Bedürfnis, musikalisch mehr alleine zu machen – ich bin gerne Teil eines Band-Kollektivs; eigene Geschwindigkeit und Versenkung all alone habe ich ja in meinem Atelier (davon brauche ich nämlich auch viel, die Band macht mich auf jeden Fall sozialer) – aber schon länger den Plan, an Songs zu arbeiten, die weniger Band-mäßig entstehen, die man sich nicht mit 4 Personen an ihren Instrumenten in einem Raum erspielt sondern mehr indem man im Studio vor sich hin werkelt, aufschichtet, sucht, konstruiert, verwirft, bis man eben zufrieden ist. Am Anfang dachte ich übrigens, dass es ein Konzeptalbum über den menschlichen Körper und seine Organe werden würde.
2016 war dann ein Jahr, in dem wir als Locas in Love angefangen haben, Sachen anders und andere Sachen zu machen, wir waren zB als Trio auf Tour, und hatten alle Lust, uns neuen Zusammenschlüssen, Ausdrucksformen, Arbeitsweisen zu widmen statt unsere erprobten und bekannten Runden weiter zu drehen und einfach direkt das nächste Indierockalbum aufzunehmen, sonst fängt man irgendwann auch an sich selbst zu langweilen. Den ersten Song, das Titelstück der Platte, habe ich für einen staatsakt-Sampler aufgenommen, Beats und Mix kamen von Lucas (von Stabil Elite) den ich einige Zeit zuvor kennengelernt hatte und die Zusammenarbeit war so gut und unkompliziert, dass das eigentlich der Startpunkt war für die Albumproduktion.

Du hast ja schon immer wieder Aufnahmen mit allen möglichen Leuten, an unterschiedlichsten Orten gemacht. Was war bei dieser Platte das besondere für dich?
Verschiedene Aspekte, zum Beispiel das Fehlen von irgendwelchen Deadlines – es sollte so lange dauern wie es eben dauert. Wenn niemand sehnsüchtig darauf wartet, dass endlich ein Album kommt, drängt auch nie jemand, außer irgendwann die eigene Ungeduld. Entsprechend war die Art und Weise, wie wir aufgenommen haben, von einer großen Leichtigkeit geprägt,  Lucas kam über einen Zeitraum von über 2 Jahren immer wieder für ein paar Tage nach Köln, und wir haben nächtelang durchgearbeitet bis wir zur aufgehenden Sonne das Studio verließen, Lucas ist so eine Eule und wurde und wurde nicht müde, so dass wir in den einzelnen Sessions wahnsinnig weit kamen. Das ist eigentlich überhaupt nicht mein üblicher Rhythmus, aber war inspirierend und beglückend.
Dann war besonders oder anders: die vielen Entscheidungen, die ich treffen musste, die ich auf niemanden abwälzen konnte, und in diesem Kontext auch das Finden eines Vokabulars, also dass man einigermaßen klar sagen und sich vergegenwärtigen kann, was und wie man es eigentlich möchte. Mit LIL haben wir nach all den Jahren ein Verständnis voneinander und eine Insidersprache entwickelt, die eine solche Ausformuliertheit gar nicht erfordert. Am meisten vielleicht ist das, was diese Platte für mich speziell macht, sie überhaupt gemacht zu haben, gab ja keinen Grund diese Songs zu schreiben außer dass ich es gerne machen wollte

Gibt es Songs auf der Platte der Marke „Ha! Das wollte die Band immer (so) nicht haben, jetzt mache ich es aber hallo!“ Oder ist es alles Teil eures Locas-Kontinuums zu lesen?
Eher Kontinuum. Finde, „Ich bin eine Insel“ oder „Oh!“ von der letzten LIL-Platte „Kalender“ weisen schon ein bisschen in die Richtung, die ich dann auf meinem Album weiter verfolgt habe. Meine eigenen Songs sind minimaler, fragmentarischer, losgelöster vom Diktat des Refrains oder von linearen Songstrukturen, ohne deshalb mit dem Mothership und dessen Arbeitsweisen gänzlich zu brechen. Auch wenn LIL im Prinzip eine Indierockband sind, ist bzw. wurde diese Band genremäßig immer weniger dogmatisch auf Gitarrenpop festgelegt. Es gibt natürlich offensichtliche und große Unterschiede zwischen beiden Projekten, die vermutlich auch stärker wahrgenommen werden, alleine weil es eben eine Elektroplatte ist, aber ebenso ist da eine wie auch immer geartete Verwandtschaft.

Was verbindet dich mit Anja Rützel, die ja bei eurer Gala mit dabei sein wird?
Anja ist eine alte Freundin, ich habe sie vor ca. 15 Jahren kennengelernt weil sie Karpatenhund interviewt hat und wir über unser Buffy-Fantum direkt geklickt haben. Dann blieben wir in Kontakt, how could you not love that woman, sie war spontane Ersatz-Tourbegleiterin als Benni mal ausfiel, bedrohte Veranstalter mit „Schellen“, weil schimmelige Töpfe im Backstageraum lagerten, schenkte uns einen ausgestopften Dachs als Bühnendeko (der seitdem übrigens im Gebäude 9 wohnt); Björn und ich haben ihren Hund gesittet, wenn sie in Köln arbeiten war; wir teilen die Faszination von Barbie-Hörspielen, die wir uns gegenseitig aufsagen. Als sie mit ihrem Tierbuch auf Lesereise bei dir zu Gast im King Georg war, haben wir gemeinsam Tiersongs gesungen. Und für meine Presseinfo hat sie einen Kindheitsfiebertraum aufgeschrieben, der von ihrer eigenen überhitzen Fabrik unter der Haut handelt und der durch mein Album flashbackartig zu ihr zurückkam.

Wie stellst du dir eigentlich die Katze von Jesus vor? Eher Streuner, eher Rassekatze, eher haarlos
So eine klassische Hauskatze mit herzförmigem Gesicht, graugetigert denke ich.  Er hatte sie schon als Kind. Die ist nicht bei allen Abenteuern dabei, sondern macht ihr eigenes Ding wenn er unterwegs ist und hält sich in Nazareth auf oder wo er eben seine Homebase hat.

Stefanie Schrank live:

“Anja Rützel – Introducing: RAF – Rützel Animal Friends & Stefanie Schrank”
Sonntag 15.12. / 20 Uhr / Altes Pfandhaus, Köln

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