Auf 1 Buch und 1 Kaffee mit Loobie Lofi – feat. Feuchtwanger, Tokarczuk, Gundar Goshen
Indie-Nerds der Welt, macht hoch die Tür! Mit Loobie Lofi ist der ultimative Collector hinabgestiegen – vielleicht nicht aus dem Himmel, aber auf jeden Fall aus seinem bis zum letzten Winkel mit Bücher, Platten, Kassetten, Comics etc. gefüllten Penthouse. Mit dabei hat er auch diesen Monat drei Bücher für uns, Kaffee und ein paar Assoziationen und Querverweise. Lasst euch inspirieren. Hebt eigene versunkene Schätze oder entdeckt ganz neue.

Lion Feuchtwanger „Die Geschwister Oppermann – Teil 2 der Wartesaal Trilogie“ (Erschienen 1933)
Wann kennen gelernt: Mitte der 90er Jahre durch die Eltern eines guten Freundes.
Warum wiederentdeckt: Leider habe ich Feuchtwangers literarische Mahnungen gegen jegliche Herrschaft der Gewalt und des Widersinns noch in keiner Phase meines Lebens als so aktuell empfunden wie gerade.
Worum geht’s: Die jüdische Familie Oppermann, die im Jahre 1932/33 in Berlin eine Möbelfirma führt – und um den wachsenden Antisemitismus.
Assoziationen zum Autor: Enger Freund Bertolt Brechts, der historische Romanschriftsteller überhaupt für mich (ob „Die Jüdin von Toledo“, „Jud Süß“, „Goya“, „Die Füchse im Weinberg“, „Die Brüder Lautensack“, „Die häßliche Herzogin“, „Die Josephus Trilogie“). Dann natürlich seine Flucht aus Nazideutschland, ich nehme ihn als zumeist sehr hellsichtig wahr, seine Einschätzungen zu Stalin explizit ausgenommen.
Kaffee/Getränke: Ganz wundervoller Flat White im Electric Eel am Karlsruher Werderplatz ,a beautiful place to drink, sit, read, write, be and hear music.
Buchzitat: „Es ist uns aufgetragen am Werke zu arbeiten, aber es ist uns nicht gegeben es zu vollenden.“
Oder ein Goethe Zitat: „Das Menschenpack fürchtet sich vor nichts mehr als vor dem Verstande; vor der Dummheit sollten sie sich fürchten, wenn sie begriffen, was fürchterlich ist.“
Songs that come to my mind: Die Mimmies „Gebt dem Faschismus keine neue Chance“, „Bella Ciao“
Interessant: Feuchtwanger baute in seinem Leben drei Bibliotheken auf, mit jeweils mehr als 10.000 Büchern: In Berlin, sowie im französischen als auch amerikanischen Exil.
Olga Tokarczuk „Gesang der Fledermäuse“ (Erschienen 2009)
Wann kennen gelernt: Ende der 2010er.
Wie darauf gestoßen: Verleihung des Literaturnobelpreises 2019 (rückwirkend für 2018)
Worum geht’s: Um die Weltsicht einer zurückgezogen lebenden, etwas schrulligen Dorfschullehrerin, welche Blake liebt und um eine radikale Tierschützerin und Morde an unangehnenem, sich am Tierleid erfreuenden, patriarchalen Männern im Grenzgebiet Polen/Tschechien.
Assoziationen zur Autorin: Tierschützerin, feministisch, Dreadlocks mit Perlen, Polen, Astrologie, Philosophie nah.
Kaffee: Leckerer Espresso zuhause, mit Bohnen namens „der teuflische Süditaliener“ (fragwürdiger Name, aber tolle Bohnen vom Goldstadtkaffee Pforzheim) verabreicht in meiner Lieblings-Espressotasse.
Buchzitat: „Die Gesundheit ist ein ungewisser Zustand, der nichts Gutes verheißt. Es ist besser in aller Ruhe etwas krank zu sein, dann weiß man wenigstens, woran man einmal stirbt.“
Songs that come to my mind: Die Ärzte „Ich ess Blumen“, Chris Garneau „Fireflies“
Interessant: Ihr Opus Magnum sind die Jakobsbücher, die als „historischer Roman“ über das Leben der historischen Figur Jakob Josef Frank konzipiert sind. Dieser streift im 18. Jahrhundert durch Europa und das Osmanische Reich und wechselt Religionen und Weltanschauungen ebenso wie seine Biografien und gilt als „Martin Luther“ der Juden.
Ayalet Gundar Goshen „Ungebetene Gäste“ (Erschienen 2025)
Wann kennen gelernt: Vor vier bis fünf Jahren durch ihr Buch „Löwen wecken“- auch empfehlenswert
Warum entdeckt: Eine meiner Lieblingsautorinnen der letzten Jahre… ob eben „Löwen wecken“, „Wenn der Wolf lauert“ oder „Lügnerin“ … alles ganz großes Kino in Buchform.
Assoziationen zur Autorin: Theater, Psychologie, nimmt mit auf einen Rollercoaster-Ride, Israel, Fingerspitzengefühl, Kein&Aber Verlag.
Worum geht’s: Ein israelisches Kleinkind trifft unabsichtlich mit einem Hammer eines palästinensischen Handwerkers einen Jungen, woraufhin jener verstirbt. Der Handwerker wird (zunächst) von der Polizei verhaftet… obwohl die Mutter die Wahrheit kennt… Es entspinnt sich eine Geschichte in der Umgang mit Schuld und die Flucht vor Verantwortung, Rassismus und Vorbehalte gegen „Das Andere“ eine Rolle spielen.
Kaffee: Wieder ein Flat white (perfekt wie auch das Croissant) in der Plaudertasse Frankfurt Nordend … extrem gemütlich im Wintergarten, wenn auch etwas energieintensiv ob der pulsierenden Deckenstrahler.
Buchzitat: „Das Geheimnis hatte sie beide vor jedem Gift bewahren sollen, aber das Geheimnis selbst war das Gift.“
Songs that comes to mind: Frankie Goes To Hollywood „War“, OMC „On The Run“.
Interessant: „Löwen wecken“ wird derzeit von NBC verfilmt.








