Freitag, 13.12.2019
Talk

„Früher hielt ich Ironie für ein Zeichen von Intelligenz“ – Lars Eidinger im Gespräch

Wo andere Künstler ganz selbstverständlich jemand zum Anpacken oder zum Abschirmen haben, ist Lars Eidinger nicht nur sein eigener Frontmann sondern auch sein eigenes Back Office. Dem multiplen Berliner Künstler gehen trotzdem nicht die Batterien aus. Das Gegenteil scheint der Fall. Der schlaflose Berliner ist omnipräsenter als manches Katzen-Meme. Mit Linus Volkmann sprach er über seine Ironie-Aversion und warum er Klaas Heufer-Umlaufs Porsche-Werbung perfide findet.

„Du denkst, wenn du auf einem BRAVO-Poster bist, hast Du es geschafft, bist glücklich und erlöst.“

In der Vorbereitung auf das Interview habe ich einige deiner Spuren im Netz verfolgt. Sehr schön finde ich den Live-Podcast „Hotel Matze“ mit dir als Gast, da erfährt man wirklich einiges über Dich.
LARS EIDINGER Ja, der Gastgeber Matze Hielscher kann sich gut einlassen, irgendwann sagt er überhaupt nichts mehr, lässt mich nur noch erzählen. Das ist eine Qualität. Ehrlich gesagt, schäme ich mich auch für manches, was ich dort gesagt habe. Das war nur so eine Laune im Moment, auch sicher angestachelt durch die Anwesenheit eines Publikums, aber trotzdem bin ich froh, dass es eingefangen wurde.

Als Interviewer würde ich aber sagen, man braucht auch den richtigen Kunden für dieses Prinzip. Ganze viele Gesprächspartner muss man mit Fragen und Themen locken, von selbst kommt da nicht viel.
Juergen Teller, mit dem ich befreundet bin, hat mich mal gebeten, für ein britisches Magazin „Arena Homme+“ seine Mutter zu interviewen. Das war für mich eine große Ehre, aber auch Verantwortung, weil ich weiß, wie sehr er sich mit seiner Kunst auch immer an seiner Familie abarbeitet. Da habe ich aber einen ganz anderen Blick auf Interviews bekommen. Das ist nicht leicht, sich einzulassen, auf Abwege mitzugehen, aber trotzdem das Gespräch zu führen ohne zu suggestiv zu fragen.

Verständnis für Journalisten – auch nicht gerade die Regel dieser Tage.
Was mich allerdings immer stört, wenn sich Journalisten im Nachhinein entschuldigen, für die Überschrift könnten sie nichts. Die Überschriften sind ja allein Dank google schon der „Hit“, aber sie kommen selten vom Journalisten selbst, das ist dann das Gebiet von Redakteuren, oder wer auch immer sich das ausdenkt.

Klingt als hättest du schlechte Erfahrungen gemacht?
Von meiner Ausstellung gibt es eine Besprechung mit der Headline „Jeden Scheiß fotografieren“, sowas gibt natürlich Themen vor und vieles andere fällt unter den Tisch. Oft kommt der Leser ja nur bis zur Überschrift.

Wenn es aktuell um dein Verhältnis zu Musik geht, stehen ja diese sehr grellen DJ-Sets nicht nur im Vordergrund sondern sind quasi solitär. Aber du hast bereits in den 90ern eine Platte mit Instrumental-HipHop veröffentlicht – immerhin auf dem renommierten Label K7!, warst also Labelmate von Kaffeehaus-Downbeat-Ikonen wie Kruder & Dorfmeister.
Ja, das scheint für viele verwunderlich zu sein. Ich bin gerade gar nicht gut zu Fuß, ich habe gestern noch das Deichkind-Video zu „Keine Party“ gedreht, für das ich stundenlang getanzt habe. Da war mir währenddessen schon klar, das wird einen unfassbaren Muskelkater geben. Jedenfalls als ich mit Henning Besser [DJ Phono] von Deichkind im Bus zu den Locations gesessen habe, kam das Gespräch darauf, dass 1998 eine Platte von mir rauskam. Und auch er, der mir so zugewandt ist, war völlig überrascht: „Ich dachte, du bist halt so ein Schauspieler, der jetzt auf die Idee kommt auch noch Platten aufzulegen.“ Das ist etwas, das mir jetzt mit der Ausstellung genauso begegnet. „Nur weil er ein erfolgreicher Schauspieler ist, macht er jetzt hier auch noch Kunst!“

Und wie ist es wirklich?
Erstmal ist Schauspiel ja auch Kunst. Ich habe mich schon immer mehr als Künstler als als Schauspieler verstanden. Mit Fotografie habe ich angefangen lange bevor ich mit der Schauspielerei mein Geld verdient habe.
Auch bei der Musik ist es so, dass ich das genauso lange wenn nicht noch länger mache als Schauspiel. Mit 17 oder 18 Jahren habe ich mit meinem Bruder und einem Freund Deutsch-Rap gemacht. Als wir uns zu dritt dann für damals 2000 Mark einen PC kauften, um die Beats zu Hause zu basteln, stand der bei uns im Keller und ich habe die ganze Nacht Beats programmiert – Irgendwann dachte ich, dass sie als Instrumental eigentlich besser klingen, als wenn da jetzt noch einer von uns auf Deutsch drüber rappt. Meine Demo habe ich als Musikkassette an Labels wie MoWax, Ninja Tune oder Warp verschickt. Veröffentlicht wurden die Sachen dann auf !K7. In der Zeit habe ich viel in Berlin aufgelegt. Das waren keine Tanzveranstaltungen. Ich habe in Bars und Lounges gespielt. Musikalisch fiel das unter den Begriff „Chill Out“ oder „Trip Hop“. Auch wenn wir das selber nicht so genannt haben. Ich erinnere mich gern an diese Zeit in Berlin-Mitte um die Jahrtausendwende, die Läden hießen „Aktions Galerie“ oder „Kunst und Technik“.

Wirkt alles sehr verbindlich, wie kam es, dass du das nicht weiter verfolgt hast?
Das klingt jetzt vielleicht doof, aber ich habe dann meine Frau kennengelernt. Ich habe dann quasi von einem Tag auf den anderen damit aufgehört. Denn was mir am Musik machen gefallen hat, war, dass ich mich darin verlieren konnte. Ich bin zu der Zeit aufgestanden, da habe ich schon nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt, habe mich in der Unterhose an den Rechner gesetzt, mir angehört, was ich in der Nacht zuvor aufgenommen habe, und bin dann wieder bis spät in die Nacht sitzen geblieben. So ging das jeden Tag.

Nicht gerade ein ausgeglichener Lebensstil.’
Ich habe mich damals nur von Erdnussbutter-Toast und Filterkaffee ernährt. Das war wirklich asozial. Für eine Beziehung war da kein Platz.

Durch deine aktuellen Party-DJ-Persona ist das Thema Musik allerdings mit großer Wucht zurück. Verfolgst du Pop bis heute?
Ein richtiger Nerd war ich dahingehend noch nie, aber ich bin Fan und das auch jetzt noch. Ganz früher bin ich zu World Of Music, also WOM, wenn das noch wer kennt, – und ich habe den Angestellten irgendwelche Songs vorgesungen, die ich aufgeschnappt hatte und jetzt kaufen oder hören wollte. Das war gerade bei elektronischer Musik nicht gerade einfach. Ich war auch jemand, der sich aus Musikmagazinen immer neue Impulse hat geben lassen – schade, dass es die meisten Printmedien nicht mehr gibt. Aber Spotify kennt ja jetzt meinen Geschmack und spricht Empfehlungen aus. Und statt jemanden im Plattenladen was vorzusingen, frage ich „Shazam“.

Hast du dir eigentlich das BRAVO-Poster mit dir selbst aufgehängt?
Nein. Bei uns Zuhause hängt ein großes Bild, das Juergen Teller von mir als „Hamlet“ gemacht und mir dann geschenkt hat, zwei mal ein Meter fünfzig groß. Das ist genug der Eitelkeit.

Einmal in der BRAVO sein, das ist ja der ultimative Sehnsuchtsort von einer analogen Generation von Pop-Fans. Hat das nichts mit dir gemacht?
Gregor Gysi hatte das initiiert, weil ich ihm in seiner Gesprächsreihe „Missverstehen sie mich richtig“, von meinem Wunsch erzählt habe, einmal auf einem BRAVO-Poster zu landen. Da die BRAVO Redaktion sich aber nicht vorstellen konnte, dass sich das mit dem Wunsch ihrer Leser deckt, haben sie auf Twitter eine Umfrage gemacht. Nachdem sich dann doch sehr viele für ein Poster ausgesprochen haben, kamen sie ihrer Pflicht nach und veröffentlichten das Poster kommentarlos. Viele der Leser dachten vermutlich, bei dem Motiv handle es sich um einen Irrtum.

Es gab gar keinen begleitenden Artikel?
Nein, hatten sie ja bereits gesagt, dass sie nicht glauben, dass ich ihr Publikum interessieren würde, geschweige denn dass sie überhaupt wüssten, wer ich sei. Doch weil es bei Twitter so ein großes Feedback erzeugte, haben sie es halt gebracht.

Bisschen unromantisch.
Es ist schon eine lustige Geschichte. Aber das BRAVO-Poster steht für mich tatsächlich eher für eine Sehnsucht, eine Sehnsucht wegen der ich wahrscheinlich Künstler geworden bin einst. Diese Poster sind ein Versprechen. Du denkst, wenn du auf so einem Poster bist, hast Du es geschafft. Du wirst geliebt, bist glücklich und erlöst. Aber ich war natürlich schon vor dieser Geschichte zu der Einsicht gekommen, dass es sich hierbei um einen Irrglauben handelt. Das wahrscheinlich sogar das Gegenteil der Fall ist. Wichtig war mir letztlich etwas ganz anderes, ich wollte, dass es nicht so nach Augenzwinkern aussieht. Ich habe mich daher auch gefreut, dass sie das Hamlet-Motiv mit dem originalen Shakespeare-Zitat verwendet haben. Es sollte nichts Ironisches haben.

Das ist mir tatsächlich aufgefallen, wie sehr sensibel dieses Thema für dich ist. Du hast mir nachts bei Instagram geschrieben wegen eines Postings über dein DJ-Set nach der Ausstellungseröffnung in Aachen. Du fandest das, was ich geschrieben habe, zu distanziert oder ironisch. Da wir uns gar nicht persönlich kannten, hat mich so eine persönliche Nachricht doch überrascht. Also schon allein dass du das überhaupt wahrgenommen hast.
Ja, dass mir das mit der Ironie so wichtig ist, denkt man bei mir nicht. Liegt vermutlich daran, dass ich früher selbst sehr ironisch war. Vielleicht habe ich dadurch jetzt ja auch etwas von meinem Humor eingebüßt, aber ich bilde mir ein, mir tut es gut.
Früher hielt ich Ironie für ein Zeichen von Intelligenz, weil da ja auch immer eine Reflexion mit einhergeht. Aber es ist auch stets eine Absicherung, man lässt sich ein Hintertürchen offen. Die aktuelle Werbung, die Klaas Heufer-Umlauf für Porsche macht, das ist für mich ein Paradebeispiel für dieses Phänomen: Dass er ironisch thematisiert, dass es eigentlich Scheiße ist, für Porsche Werbung zu machen, meint er sich frei sprechen zu können. Da denke ich dann: Hey, mach doch einfach Werbung für Porsche und fertig. Es dadurch legitimieren zu wollen, indem man sich ironisch davon distanziert, macht es nur perfider, rechtfertigt es aber nicht. Es gibt ja auch Influencer, die versuchen sich durch eine ironische Haltung unangreifbar zu machen. Das ist immer die erste Ableitung, das Gegenteil zu sagen, von dem, was man eigentlich meint. Mir ist das zu einfach. Christoph Schlingensief hat das schon vor zwanzig Jahren benannt: „Ironie ist systembestätigend“.

Aber wo kommt man denn dann hin, wenn man das weiterdenkt? Der Gegenentwurf dazu müsste ja das Lob der Authentizität sein und man wäre schnell bei sowas wie den Onkelz.
Um den Begriff der Authentizität geht es mir gar nicht. Was ich suche, könnte man eher beschreiben, als … nun, eine gewisse Aufrichtigkeit. Ich denke, jeder von uns hat seinen Weg gefunden, wie er über ganz offenbare Missstände hinwegsehen kann. In zwanzig Jahren wird das Heute als die Zeit betrachtet werden, in der uns Kinder die Augen geöffnet haben. Sowas wie der berühmte Satz von Greta Thunberg „Ich will, dass ihr in Panik geratet“. Das denke ich eben auch, wenn ich so einen Werbespot mit Klaas sehe: Ich möchte, dass der in Panik gerät und sich nicht mehr mit dieser Nonchalance ironisch distanziert aus der Affäre zieht. Aber weil er jetzt noch mal auftaucht, muss ich sagen, ich schätze ihn sehr, ich mag ihn. Wahrscheinlich ärgert es mich deshalb so. Ich denke bloß, dass er hier einen Fehler macht. Er macht es sich einfach zu leicht.

Aber machst Du es dir nicht zu schwer, wenn Du alle Kommentare über dich überhaupt liest und sie an dich heranlässt?
Ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll. Auf der einen Seite verbietet es sich für mich als Künstler, mich davon unabhängig zu machen und zu sagen „Sind doch alles nur Hater!“ Als Künstler ist es für mich essentiell, mich immer wieder selbst in Frage zu stellen – auch wenn ich mich über die Worte ärgere, setzt ja doch ein Prozess ein, man erkennt, wie einen das Gegenüber sieht. Ich habe die Situation, dass an einem Abend 1500 Leute an der Schaubühne anstehen, um zur Autistic Disco zu kommen – und am nächsten Tag steht ein Mädchen vor mir und sagt: „Krass, wie viele Leute da waren, aber mach mal Übergänge zwischen den Songs.“ Warum sagt der nicht: „Danke für die Party gestern, hat Spaß gemacht.“
Was treibt die Leute an? Ist das einfach nur Missgunst?

Noch mal gefragt: Sowas trifft dich tatsächlich?
Ja, ich bin dann schon verletzt. Gerade in meinem Beruf will ich an den Menschen glauben können, als Zyniker würde ich gar nicht funktionieren. Aber klar, die gegenteilige Haltung macht dich empfindsam und du bist immer wieder enttäuscht von den Leuten. Das macht mir oft zu schaffen, da bin ich sehr angreifbar und das nutzen manche aus. Wenn man aufmacht, läuft man immer Gefahr verletzt zu werden.

Da bist du aber sicher nicht alleine. Mir fallen diverse Künstler ein, deren Alben beispielsweise unzählige super Amazon-Reviews haben – und eine ist dann halt total der Verriss. Und wenn man die in der Bar trifft, geht es den ganzen Abend natürlich nur um diese eine schlechte Rezension.
Schade eigentlich, man weiß es, aber man kann es nicht überwinden. Es ist allgegenwärtig. Als ich in Leipzig in der Spinnerei gespielt habe, stand irgendwo, dass das alles ohne Drogen bei mir ja gar nicht gehen würde. Ich habe in meinem Leben noch nie gekokst, aber plötzlich ist sowas in der Welt – und man unterstellt, er kann nur fünf oder acht Stunden auflegen, wenn er was geballert hat und total dicht ist. Ich glaube, wenn man einfach nur still hält und sich zu solchen Aussagen nicht verhält, dann wird man das nicht mehr los. Dann ist es irgendwann die Wahrheit. Ich habe das Gefühl, die Leuten suchen immer nach dem Fehler im System, aber vielleicht gibt es den gar nicht.

Der Skandal hinterlässt aber immer weit mehr Nachdruck als das Dementi. Ich meine, wir kennen uns ja nicht und ich bin auch neugierig, wenn jemand so wach und agil ist – und frage mich, wie macht er das. Bei dir ist mir allerdings aufgefallen, dass du nicht nur nachtaktiv bist sondern auch am nächsten Tag funktionierst. Das spricht auf jeden Fall gegen Partydrogen- denn du triffst dich hier mit mir nach direkt deiner Closing-Party um 9 Uhr morgens. Du hast auf jeden Fall ein gewaltiges Pensums, verzettelst du dich eigentlich gar nicht?
Es ist schon so, dass ich eigentlich noch gern viel mehr machen würde. Ich habe das Gefühl, dass ich das, was ich erzählen will, dass ich da noch längst nicht angekommen bin. Und es kommt nur von außen, dass mir Leute sagen: „Mach dich doch mal rarer.“ Aber das müsste ich mir aufzwingen, wenn ich jetzt einfach Strandurlaub verordnet bekommen würde, da hätte ich gar nichts davon, was sollte ich denn da machen? Klar, ich kenne das auch von der anderen Seite, dass man bei gewissen Leuten denkt: „Schon wieder der?“

Zum Glück gibt es heute so viel mehr Medien, da fällt das weniger auf, aber ums noch mal klar zu kriegen: Du wachst nicht morgens auf und grämst dich, weil wie immer zwei Termine zu viel im Kalender stehen?
Nee. Ich habe für mich erkannt, das mich Schaffen und Kreativität ausgleicht und löst. Wenn ich aus mir herausgehe komme ich bei mir an. Was mich antreibt, ist Freude und eine Sehnsucht nach Intensität und Ausdruck. Was soll daran negativ sein. Wenn einem Spaß macht was man tut, mobilisiert man eine unglaubliche Energie und Kapazität. Von der profitiere ich.

Es ist ja kein Geheimnis, dass du auch eine 12-jährige Tochter hast. Wie ist denn dein Verhältnis zum Thema Feminismus, würde mich interessieren.
Erstmal halte ich meine Familie komplett aus der Öffentlichkeit heraus, weil es das letzte Refugium ist, in das ich mich zurückziehen kann und das ich nicht zur allgemeinen Disposition stelle. Zum Thema Feminismus habe ich über meine Tochter eine Erkenntnis gewonnen. Was mir da auffiel, dass die Mädchen den Jungs so meilenweit überlegen sind. Mädchen in dem Alter. Allgemein heißt es ja, dass das eine Entwicklungsphase ist und die Mädchen zu dem Zeitpunkt reifer sind. Mir ist dann aber der Gedanke gekommen, dass sich das nicht auf die Pubertät beschränkt, sondern dass es so bleibt. Ich habe das Gefühl, Frauen sind den Männern generell überlegen. Und das die Welt so ist, wie sie ist, liegt daran, dass Männer diesen Umstand durch Aggression und Dominanzgebaren zu kompensieren suchen. Das sage ich nicht, um mich bei Frauen beliebt zu machen, das ist meine tiefe Überzeugung.

Und wie spiegelt sich das in deiner Beziehung wieder? Habt ihr da auch nach paritätischen Lösungen bei der Kinderbetreuung gesucht?
Ich bin selbst mit einem Vater aufgewachsen, der, als er noch gearbeitet hat, nicht einmal den Tisch abgeräumt hat. Dagegen ist die heutige Rollenverteilung im Haushalt schon ein Quantensprung. Denn warum sollte in einer Beziehung nur einer von beiden für den Haushalt zuständig sein? Zudem meine Mutter auch noch halbtags als Kinderkrankenschwester gearbeitet hat.
Meine Frau ist Opernsängerin, lyrischer Sopran, sie hat allerdings längere Zeit nicht gearbeitet, weil ihr der ganze Opernbetrieb fremd blieb. Sie hat eher projektbezogen gearbeitet, viel auch zum Beispiel mit Christoph Schlingensief, „Kunst und Gemüse“ z.B. oder „Kirche der Angst“. Mittlerweile ist sie Familientherapeutin, aber dazwischen gab es auch eine Zeit, in der sie einfach nicht gearbeitet hat, dadurch hatte sich bei uns der Alltag dann so ergeben, dass sie zuhause bei unserer Tochter war. Was nichts damit zu hatte, dass ich das als Mann für mich in Anspruch genommen hätte. Ich empfehle jedem das Buch „Ursprung der Liebe“, das ist eine Graphic Novel, die mir meine Frau geschenkt hat. Da habe ich bereits auf den ersten Seiten gemerkt, das ist wie für mich gemacht. Erschreckend aber aufschlussreich. Männer müssen einfach begreifen, wie falsch sie gepolt sind – ich auf jeden Fall auch.

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