Record of the Week

Odd Beholder „Sunny Bay“

Odd Beholder
„Sunny Bay“
(Sinnbus)

Den filmischen Aspekt ihrer Musik unterstreicht Daniela Weinmann aka Odd Beholder gleich im ersten Stück ihres neuen Albums. „Disaster Movies“ erzählt vom gemeinsamen Horrorfilm-Gucken, wenn die Eltern weg sind und man sich nichts schöneres wünschen könnte – außer einem anderen Ende. Nicht nur zu diesem Song gibt es eindrucksvolle Videos: für „Transatlantic Fight“ hat die belgisch-schweizerische Künstlerin Annalena Fröhlich eine so krasse wie faszinierende Story um eine Flugbegleiterin kreiert, „Accept Nature“ findet Poesie sogar im Fitnesstudio.
Auch bei früheren Veröffentlichungen wie ihrem Debütalbum „All Reality Is Virtual“ (2018) spielten die Videos eine wichtige Rolle. So gewann beispielsweise ihr in Aserbaidschan gedrehte Clip zu „Landscape Escape“ den Jurypreis der „Best Swiss Video Clip“-Awards 2017.

Das heißt nicht, dass die Musik von Odd Beholder nur im Zusammenspiel mit Bildern funktioniert, im Gegenteil. Die Schweizerin, deren Bandprojektname „seltsame Betrachterin“ bedeutet, pickt in den Lyrics kleinste Details des Alltags auf, man guckt förmlich durch Weinmanns Augen auf die Welt. Und die ist seltsam, nicht die Beobachterin.

„Sunny Bay“ ist die erste Neuerscheinung des Berliner Labels Sinnbus seit gut zwei Jahren, das sich, bedingt durch Lockdown und Krise, in eine Veröffentlichungspause zurückzog. Dass nun der Quasi-Neustart mit Odd Beholders dunkler Electronica stattfindet, passt perfekt: Die Songs auf „Sunny Bay“ changieren zwischen Intimität und Entfremdung, Traum und Realität, Unternehmungslust und Erschöpfung. Die Zukunft ist ungewiss, aber vermutlich eher düster als „sunny“. Die Texte könnten wie Gedichte für sich allein stehen, Weinmann ist eine Meisterin der sanften Emphase. Im Titeltrack singt sie in einer Mischung aus Lakonie und Verzweiflung wieder und wieder die Zeile „I don’t have the guts / to pray“, die Vocals werden von sparsamen Beats getragen, die Musik scheint reduziert. Doch im Hintergrund passiert eine Menge von Voice-Samplings bis zu merkwürdigen Geräuschen, die sich nicht klar definieren lassen und den Film-Charakter hervorheben. Auch Tracks wie „Olive Trees“ oder „Rental Car“ arbeiten mit sparsamen Mitteln, wirken introspektiv und/oder melancholisch – und öffnen sich unversehens in festliche Weiten. Die Dancebeats in „Accept Nature“ und der Indie-Gitarrensound von „Big Deal“ bringen Spannung und zeigen Odd Beholders Variabilität.

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