Record of the Week

Grateful Cat „Ready To Go Anywhere“


Grateful Cat

„Ready To Go Anywhere“
(Waterfall)

Das zweite Album von Grateful Cat sollte es als stimmungsaufhellendes Medikament auf Rezept geben: Auf „Ready To Go Anywhere“ reihen Gwendolin Tägert und Frank „Fuzz“ Memmler Hit an Hit – wobei wir uns ausstattungsmäßig in Berlin-Kreuzberg befinden und nicht in irgendeinem US-Highend-Studio. Indie for life ist die Devise und ehrlich gesagt tut das sehr gut. Musikalisch schwelgen Tägert und Memmler hingebungsvoll in allerlei Sechzigerjahre-Sounds von Merseybeat und Surfpop bis Bossa Nova. Retro ist für Grateful Cat kein Schimpfwort, sondern konstituierendes Element. Die gewissermaßen zeitlose Musik der beiden ist luftig, voller Licht und Wärme, und passt trotzdem auch in den verrauchten Kellerclub, an dessen Tür „Sixties Dress only“ angeschlagen ist.

Mal fühlt man sich an die Hollies erinnert, wobei Grateful Cat nicht deren „Carrie Ann“ ansingen, sondern den „Food Delivery Guy“, der einen fast über den Haufen fährt; Songs wie „Summer’s Gone, It’s Over“ oder „Bartender In A Comedy Club“ verweisen auf die Kinks und Jonathan Richman, was ja nur die besten Referenzen sind. Mit „Columbo“ setzen sie – genau, eine Frage hätten wir noch – dem verknautschten Detektiv aus Los Angeles ein liebevolles Denkmal, in den meisten anderen Songs greifen Grateful Cat allerdings aktuelle Themen auf, was schöne Kontraste zur Musik erzeugt. Den „Food Delivery Guy“ erwähnten wir bereits, Gwendolin und Frank kommentieren außerdem omnipräsente Junggesell:innenabschiede, überfüllte Straßen, urbane Mythen wie in „Jesus On Her Toast“, sie thematisieren die Zerstörung des Planeten und Hatespeech. Das von einem sehr witzigen Video gekrönte „Under The Cat“ ist kein obligatorischer Katzencontent, sondern realistischer Einblick in das Leben von Menschen, denen es vergönnt ist, bei diesen Tieren wohnen zu dürfen. In „I’m Not Coming On A Sunday“ zeigen Grateful Cat ihre Krallen (wenigstens ein bisschen) und persönlichen Grenzen – dass der Song trotzdem so nett klingt, als würden die beiden doch zum verhassten Sonntagskaffee kommen, ist einer von vielen Aha-Momenten dieses prima Albums. Grateful Cat sind freundlich, aber nicht naiv.

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