Talkshow

Walter Benjamin meets K-Pop … bitte was? – Horizontaler Gentransfer im Interview

17. September 2026,

„Dass ich endlich mal ein Auto kaufen kann, um eine richtige Stuttgart-Bewohnerin zu sein!“ Nein, die gebürtige Südkoreanerin Mizi Lee und ihre Band machen keinen Spätzle-Rap 2.0, in dem es um Markennamen, Uhren und teure BMWs geht. Ihre Band Horizontaler Gentransfer ist viel mehr ein explodiertes Kunstprojekt, das sich in kürzester einen Namen über die hiesige Galerie-Punk-Szene hinaus gemacht hat. Marc Wilde geht dem Phänomen nach.

Horizontaler Gentransfer // Foto: Maxim Schipko

In diesem Jahr ist ein Sammelband im Ventil Verlag zu „50 Jahre Punk“ erschienen, in dem ihr auch vertreten seid. Wie ist dein Verhältnis zu deutscher Punkmusik, was waren deine ersten Berührungspunkte?

Mizi Lee: Während meines Studiums an der Kunstakademie Stuttgart habe ich angefangen, mich für Punk zu interessieren. Eine wichtige Quelle war mein Siebdruckwerkstatt-Lehrer, Daniel Mijic. In seinem Büro lagen ganz viele Musikzeitschriften, auch noch aus den Siebzigern und Achtzigern. Ehrlich gesagt, viel beschäftigt habe ich mich damit nicht, weil ich keinen Bock hatte, so viel auf Deutsch zu lesen. Aber durch ihn habe ich erfahren, wie Punk in Deutschland entstanden ist. Und dann hatte ich die Idee, vielleicht mache ich auch irgendwas Punkiges zu meinem Diplom.

Du hast dann ja auch Kontakt zu Schorsch Kamerun aufgenommen. Wie kam es dazu?

Mizi: Schorsch hat ein paar Mal im Stuttgarter Theater gespielt, ich war Statistin in seinem Theaterstück. Und ich fand ihn so lustig. Ich hatte aber keine Adresse und habe einfach überall hingeschrieben, an sein Label und an diesen Pudelclub. „Hey, ich habe jetzt bald Diplom, hast du Bock, mein Betreuer zu sein?“ Dann hat er angerufen, Interesse gezeigt und tatsächlich zugesagt. Wir haben uns anschließend ein paar Mal getroffen und auch über Punk gesprochen.

Hat das deine eigene Position zu Punk mit beeinflusst?

Ja, im Gespräch mit Schorsch wurde mir klar, dass Punk viele Formen annehmen kann. Man denkt ja, Punk wäre gar nicht akademisch, nur so ein Brüllen von Jungs mit Sicherheitsnadeln. Aber dieses rebellische Jungsimage ist längst Vergangenheit. Und es gab ursprünglich ja auch ein Konzept: Die ersten Punkbands waren eigentlich auch Künstler*innen, Professionals, so wie Vivienne Westwood zum Beispiel. Deshalb dachte ich, dass es an sich eine gute Aktion wäre, an einer Staatlichen Akademie der Bildenden Künste ein Punk-Konzert zu machen – als Diplom-Prüfung. Vor allem weil mir klar wurde, dass auch im Kunst-Business Strategien funktionieren, wie man sie aus dem Musik-Business kennt: junge Fans haben, Merch haben, eine eigene Schrift – auch ganz wichtig.

Wie hat denn das Prüfungsamt darauf reagiert, als du Schorsch Kamerun als deinen Betreuer angegeben hast?

Mizi: Er war mein Zweitprüfer, aber auch das war ziemlich kompliziert. Das Prüfungsamt hat natürlich sofort danach gefragt, wo er Prof ist und was er für einen Abschluss hat. Schorsch hat ja KFZ-Mechaniker gelernt und nicht studiert. Aber nach ein paar Mails ging es dann doch, weil er Dozent in Weimar war und auch in München mal eine Gastprofessur hatte.

Und wie ist er so als Prüfer?

Mizi: Darauf war ich auch sehr gespannt, weil ich ihn ja aus dem Theater kannte. Und da hat er gar nicht so viel Ansagen gemacht, der war einfach irgendwie da und hat erst einmal abgewartet. In meiner Prüfung hat Schorsch dann auch echt interessante Fragen gestellt, gar nicht so sehr über mein Diplomprojekt, sondern über das Format selbst. Das hat mir gut gefallen.

Mizi Lee: I like Stuttgart and Stuttgart likes me, Diplom 2023 // Foto: Nadine Bracht

Wie ist die Prüfung denn genau abgelaufen?

Mizi: Etwa ein Jahr nach unseren ersten Auftritten fand das Diplom-Konzert statt, in einer großen Halle in Stuttgart. Ich habe das als eine Art Performance oder Theaterstück aufgeführt – es ist schwer, das zu beschreiben. Es gab zu unseren Songs auch Videoarbeiten. Das Ganze konnte man sich dann so eine Stunde lang anschauen. Und am Ende fand ein Teil der Prüfung öffentlich statt. Das war wie so eine Talkshow. Wir saßen auf der Bühne, Schorsch und meine Professorin Ricarda haben mich geprüft, und auch Leute aus dem Publikum konnten Fragen stellen.

Gab es auch einen theoretischen Teil, also musstest du auch eine Abschlussarbeit schreiben?

Mizi: Eigentlich nicht, man musste nur so ein Portfolio einreichen. Aber ich habe freiwillig eine Publikation gemacht, zusammen mit Y-Thanh, die Grafikerin und eine sehr gute Freundin von mir ist. Mein Fokus war die Frage, was ist Punk und wie ist es, Punk-Ausländerin in „THE LÄND“, in Baden-Württemberg, zu sein? Es ging vor allem auch darum, eine Punk-Definition für mich selber zu finden. Also für mich war ja K-Pop Punk, weil wir als Teenager in Südkorea die gleichen Codes hatten und so gegen die Erwachsenen rebellieren konnten. Diese ganze Funktion hat in meiner Jugend K-Pop für mich übernommen.

Was hat dich eigentlich von Südkorea nach Deutschland verschlagen?

Mizi: Meine Uni hatte eine Partnerschaft mit der Kunstakademie. Ich hatte mich zwar auch in England beworben und wurde dort angenommen, aber das war mir zu teuer. Stuttgart war umsonst, und so bin ich 2014 für ein Austauschsemester hierhin gekommen.

Was hat dich motiviert, weiter in Stuttgart zu bleiben?

Mir ist irgendwann klar geworden, dass wenn ich weiter zeitgenössische Kunst machen will, es für mich in Deutschland viel mehr Sinn macht. In Korea ist die Infrastruktur einfach zu schwach für Künstler*innen. Und ich habe leider keine Kraft gehabt, da so zu kämpfen, um zu überleben als Künstlerin. Inzwischen habe ich hier mein Netzwerk und Leute, die meine Kunst verstehen.

Und wann hast du hier mit der Musik angefangen?

Mizi: Das war zu Corona. Zu der Zeit habe ich an der Hochschule im International Office gearbeitet und einfach Leute aus der südkoreanischen Community angesprochen, von denen ich wusste, dass die auch Bock auf Musik haben. 2022 hatte ich dann so eine Art Residency, die „Raumstation“, wo ich in einem Waggon gewohnt und mich musikalisch weiter vernetzt habe. Ich habe da viel Goldene Zitronen und Georg Kreisler gehört, Thomas Bernhard gelesen und viele Texte geschrieben – vor allem nachts, mit dem hellen Licht der Kräne von Stuttgart 21. So ist dann auch die Idee für das Bandprojekt entstanden. Dann gab es dreimal Schweinebauch-Grillparty, auch dreimal Probe. Danach hatten wir schon fünf Songs. Und damit sind wir dann auf die Bühne gegangen, ins „Alter Schwede“, das ist ein altes Bahnwärterhaus am Nordbahnhof Stuttgart.

Und wie ging es dann weiter?

Eigentlich war die Band nur als temporäres Projekt für mein Diplom gedacht, nach unserem ersten Konzert haben wir dann aber viele Konzertanfragen bekommen. Es war gar nicht geplant, dass wir als „normale Band“ auftreten. Aber wir haben es genossen und das Publikum auch. Zu Beginn sind wir noch viel bei Ausstellungen oder im Kontext von Performances aufgetreten, inzwischen spielen wir mehr bei Musikfestivals oder in Clubs. Viele fragen uns, ob wir ein Kunstprojekt oder eine Musikband sind. Aber ich glaube eh, dass viele Bands im wahrsten Sinne eine Gesamtkunst machen.

Dennoch scheint es so zu sein, dass du mit Horizontaler Gentransfer in erster Linie eine künstlerisch-ästhetische Haltung transportieren wolltest, auch im Zusammenhang mit deinem Diplomprojekt. Hat sich deine Einstellung dazu im Laufe der Zeit verändert?

Mizi: Ja, das stimmt. Ich hatte die ganze Zeit, vor allem am Anfang, sehr stark diese künstlerische Idee. Mittlerweile sehe ich das aber ein bisschen lockerer. Die Band ist ja auch nicht nur ein Kunstwerk, sondern wir sind fünf Leute, und alle haben verschiedene Ideen und Vorstellungen. Nicht alle wollen damit verkopft-künstlerisch unterwegs sein, für einige soll es einfach nur Spaß machen. Ich hatte vor allem zunächst die Tendenz, die Songs collagiert anzulegen und in den Texten ganz viele Zitate einzubauen. Ich wollte, dass die Leute dann am Ende da stehen und gar nicht wissen, was ist hier los, was soll das alles? Die Reaktion war dann auch tatsächlich ein bisschen so, huch, das ist ja gar nicht akademisch, gar nicht wissenschaftlich korrekt, wie ich so Zitate von Thomas Bernhard oder Walter Benjamin neben K-Pop-Zitate stelle …

… ohne Fußnote und Quellenangabe!

Mizi: Doch, doch. Fußnoten und Quellenangaben machen wir immer. Das muss sein. Aber ich glaube, ich wollte versuchen, diese Hierarchie abzubauen. Das ist zwar ein bisschen riskant. Aber ich wollte sagen, hey, Walter Benjamin oder K-Pop, das ist für mich alles gleich gültig.

Als ich euch live gesehen habe, ist mir das auch sofort aufgefallen. Und ich habe mich dann auch direkt gefragt, wo die Bezüge zu älteren Autoren oder Bands wie Die Braut haut ins Auge herkommen, die ihr auch in einem Stück zitiert.

Mizi: Ja, da wiederholen wir ganz oft „Drama“ und „Trauma“. Ich fand dieses Wortspiel interessant. Vor allem, weil das auch in einem K-Pop-Song vorkommt, von aespa. Am Ende singen die „I break my trauma with my girls in the back.” Auch das habe ich zitiert. Das fand ich richtig passend zu unserer Band, wie wir so Rassismus brechen mit unserer Musik. Und dann habe ich rausgefunden, dass lustigerweise Die Braut haut ins Auge bereits in den Neunzigern diese Zeilen benutzt haben, in „Das dramatische Kind“.

Jemand wie Walter Benjamin, nehme ich an, ist dir vermutlich im Kunststudium begegnet, oder?

Mizi: Ja, wobei es immer so lustige Trends gibt. Irgendwann so in den Ausstellungen wurde Brecht viel zitiert, dann wurde Donna Haraway ganz viel zitiert. Also ich fühlte mich da als Auslälnderin erst etwas lost, weil ich noch gar nicht so in dieser europäischen Kunstausstellung-Grammatik drin war. Du kommst in so einen White Cube rein und da stehen dann so Zitate mit irgendwelchen Namen. Ich habe so gedacht, Walter Benjamin, wer ist das denn? Und dann, nach ein paar Jahren, war es mir klar, Walter, der Typ kommt immer wieder vor. Erst habe ich das auch nicht so ganz gecheckt, warum man immer so geile Zitate überall hinschreiben muss. Also mir kam das auch etwas überflüssig oder langweilig vor. Und dann wollte ich vor allem unserem Kunstpublikum bei unseren Konzerten so ein ähnliches Gefühl geben: dass die sich auch fragen, so, hey, wieso kommt jetzt Walter Benjamin?

Horizontaler Gentransfer // Foto: Jan Hottmann

In vielen Texten schaust du von außen, mit südkoreanischer Brille, auf das Leben in Deutschland. Das wird humoristisch sehr schön auf den Punkt gebracht – der Song „Butter (Brezel)“ ist das beste Beispiel. Aber sag mal: Woher kommt der Hass auf Weihnachten?

Mizi: Das hat, glaube ich, viel mit meiner persönlichen Geschichte zu tun. Mein Partner, der kommt aus so einer kleinen Stadt in der Schwäbischen Alb. Und dann war es ein Schock für mich, mitzubekommen, dass man dort – ich weiß nicht, ob das in ganz Deutschland so ist – vom 22. Dezember bis 7. Januar komplett zu Hause ist. In den schwäbischen Weihnachtsferien kommen dann alle in die Heimat, man trifft sich, nicht nur in der Familie, auch mit Freunden. Ich war dann immer mit dabei, aber nach einigen Jahren hatte ich diese Rituale satt, weil es jedes Jahr das Gleiche ist. Für mich war das so ein absurdes Theater – vor allem, als ich angefangen habe, so innerlich zu vergleichen, wie es bei uns gewesen ist.

Was genau hat dich denn gestört?

Was mich besonders getriggert hat, war, dass ich mich daran erinnert habe, wie das in meiner Kindheit gewesen ist. In Korea gibt es ja gar nicht so viele Feiertage. In den Neunzigern erst recht nicht. Ich musste dann daran denken, dass meine Eltern keine Zeit hatten für meinen Geburtstag. Und so hatte ich ein bisschen so eine Wut in mir, über die privilegierten Deutschen hier. Für mich war der Anlass, dass die Schwester von meinem Partner dann plötzlich geweint hat, weil sie daran denken musste, dass sie einmal kein Weihnachtsgeschenk bekommen hat. Sie war sieben oder so. Ich glaube, ich habe überhaupt nur ein einziges Mal eins bekommen in meinem Leben. Inzwischen denke ich, das war gar nicht meine persönliche Wut, sondern vielleicht eher eine postkolonialistische, strukturelle Sache, wo ich mit meinen Kindheitserfahrungen in dieser wohlhabenden Umgebung gar nicht anknüpfen konnte. Besonders schmerzhaft für mich war auch, dass die ja alle sehr nett waren, meine Schwiegerfamilie. Die wollten einfach dieses Fest mit mir feiern, aber ich konnte es nicht.

Es gibt ja noch weitere Dinge, die du aus interkultureller Beobachtungsperspektive thematisierst. Mir fällt da als Erstes der Song „Ching, Chang Chong“ ein, wo man sich auch ein bisschen ertappt fühlt, weil man als Kind ja selbst sowas vor sich hingebrabbelt hat, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche stereotype Idee dahintersteckt. Ich finde es insgesamt sehr wohltuend, wie du da von außen drauf schaust: kritisch, aber ohne Empörungshaltung. Auf dem ersten Album habt ihr zwischen den Songs so genannte „Moderationen“ gesetzt, in denen ihr auf eine unterhaltsame, lustige Art über die Inhalte der Lieder sprecht. Auch der Begriff „alter weißer Mann“ wird kommentiert, dabei aber keine Fronten aufgemacht. Also auf der einen Seite wird der Finger schon in die Wunde gelegt, aber halt verbunden mit einer sehr zugewandten Haltung.

Mizi: Ich freue mich, dass das so bei dir angekommen ist. An der Kunstakademie sind ja viele junge Leute, ich bin 36, also für die Studenten schon etwas älter. Und es ist einfach so, dass ich total mit alten weißen Punkern sympathisiere. Viele haben gefragt: „Oh, Schorsch Kamerun, warum so ein Dude, kannst du nicht coole Punkerinnen finden, bitte?“ Aber ich muss sagen, das war niemals meine Absicht, irgendwelche Kategorien auszuschließen. Ich mag ja auch Schwaben, so komisch die auch sind. Manchmal hasse ich „THE LÄND“, aber ich liebe es auch. Und auch wenn ich weiß, dass alte weiße Männer privilegiert sind, sie haben oft dieses Guruartige, das ich immer ganz sympathisch fand. Und die Zitate, die sind ja auch fast immer von alten weißen Männern. Natürlich finde ich es cool, dass das auch ironisch gelesen wird, aber, wie gesagt, eigentlich habe ich mit denen kein Problem.

Wir müssen noch über K-Pop sprechen. Für jemanden wie mich, der keine Ahnung davon hat, was wären die ersten Schritte, um die Welt des K-Pops zu betreten?

Mizi: Hm, schwierige Frage. Ich weiß gar nicht – musst du sie betreten? Ich glaube, K-Pop bietet sich, vielleicht ähnlich so wie Punk damals in den Achtzigern, vor allem in einer bestimmten Phase im Leben an: in der Rebellenphase. Aber du könntest vielleicht mal an einem „K-Pop Random Dance“ teilnehmen. Das sind Veranstaltungen, die es in Deutschland gibt, und die finde ich immer lustig. Leute treffen sich auf einem großen Platz, irgendjemand bringt fette Boxen mit und dann werden so random K-Pop-Songs gespielt. Wer den Song kennt, der kommt nach vorne und dann wird getanzt. Was du auch machen kannst, ist dir eines dieser aufwendig gestalteten Alben zu kaufen.

Was kann ich mir darunter vorstellen?

Mizi: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel welche, die aussehen wie Geburtstagskuchen. Und es gibt auch ein K-Pop-Album, das als CD-Player gemacht wurde. Man kauft einfach einen ganzen CD-Player und da sind ganz viele so Gimmicks drin. Das haben wir auch ein bisschen kopiert mit unserem Bandkonzept, mit den Karten. Es gibt 100 Karten, aber man bekommt nur eine davon. Also soll man ganz viele davon kaufen, bis man alle hat.

Welche Bands – jenseits von BTS – sollte man sich denn noch unbedingt anhören?

Mizi: Also ich bin auch ein bisschen Fan von aespa – das ist so eine relativ neue K-Pop-Gruppe. Du kannst dir auf jeden Fall „Drama“ anhören. Oder was von IVE, die sind bekannt dafür, dass sie nicht über Liebe und Sex singen, sondern viel über Selbstliebe. Deswegen haben die auch ganz viele weibliche Fans. Es gibt zum Beispiel einen Song, der heißt „I AM“. Oder „LOVE DIVE“, der ist auch gut. Musikalisch, finde ich, ist das sehr gut gemacht, obwohl K-Pop immer so einer Grammatik folgen muss. Es muss einfach sein und schnell viral gehen können.

Zurück zur Kultur: Was, glaubst du, können wir in Deutschland von Südkorea lernen?

Mizi: Hm, das ist jetzt vielleicht eine riskante Sache, aber wenn ich so erzähle, wie sich die Leute hier immer über alles Mögliche beschweren, über Sachen, die einen in Korea sehr zufrieden machen würden, dann sagt meine Mutter immer, die Leute sind so, weil die zu viel haben. Und ja, ich fühle mich auch ein bisschen wie eine ältere Frau. Ich merke, dass ich junge Menschen manchmal am liebsten auch anmeckern wollen würde, weil die so viel meckern. Manchmal vermisse ich Korea auch, wo die Leute zum Meckern einfach gar keine Zeit haben.

Wie häufig bist du denn noch in Südkorea?

Mizi: Zumindest so einmal im Jahr. Demnächst werde ich aber so für ein halbes Jahr in Korea sein, weil ich Nachwuchs erwarte. Dann bin ich mal ein bisschen länger dort.

Wie soll es denn mit Horizontaler Gentransfer weitergehen, was habt ihr euch für die nächste Zukunft vorgenommen?

Mizi: Hm, schwierige Frage, darauf jetzt alleine zu antworten. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, diesen konzeptionellen Ansatz in Zukunft ein bisschen zur Seite zu legen. Weil ich glaube, Musik machen funktioniert auch einfach so zum Spaß – auch ohne diese verkopften Gedanken. Mein Eindruck ist, dass ich in der Vergangenheit zu sehr in diese Richtung gehen wollte und die anderen Bandmitglieder vielleicht nicht so. Deswegen möchte ich jetzt mal probieren, ein bisschen locker zu bleiben und auch mal abwarten, was die anderen mit einbringen. Und ich würde sehr gerne unser erstes Album noch einmal neu aufnehmen, denn es ist ausverkauft, das gibt es nicht mehr. Und dann nehmen wir auch irgendwann neue Musik auf. Vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr.

Interview: Marc Wilde

Nächstes Konzert
24.9. Galerie Wedding, Berlin

 

Verlagssitz
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop | Aquinostrasse 1 | Zweites Hinterhaus, 50670 Köln | Germany
Team
Herausgeber & Chefredaktion:
Thomas Venker & Linus Volkmann
Autoren, Fotografen, Kontakt
Advertising
Kaput - Magazin für Insolvenz & Pop
marketing@kaput-mag.com
Impressum – Legal Disclosure
Urheberrecht /
Inhaltliche Verantwortung / Rechtswirksamkeit
Kaput Supporter
Kaput – Magazin für Insolvenz & Pop dankt seinen Supporter_innen!