NICA live special & Winterjazz Köln

Während vielerorts im Januar noch Winterschlaf angesagt ist (angesichts der derzeitigen Temperaturen durchaus nachvollziehbar), herrscht im Kölner Stadtgarten traditionsgemäß Hochbetrieb – mit gleich zwei aufeinanderfolgenden Festivalereignissen: dem NICA live special und dem Winterjazz Köln.
In einer Zeit, in der das ökonomische Fundament musikalischer Arbeit immer brüchiger wird, es für viele Musiker:innen zunehmend schwieriger ist, Konzerte oder gar Tourneen anzusetzen und durchzuführen, in der die Produktionsbedingungen prekärer werden und künstlerische Sichtbarkeit oft an Algorithmenwänden abprallt, sind solche physischen Zusammenkünfte eine emotionale wie kulturstrukturelle Notwendigkeit.
Das NICA live special findet am 8. und 9. Januar an zwei Abenden statt und fungiert als bewusst gesetzter Auftakt für das lange Kölner Jazz-und-mehr-Wochenende. Das NICA-Programm versteht sich primär als Schutz- und Experimentierraum für künstlerische Profilierung jenseits kurzfristiger Marktlogiken. Vieles findet daher zunächst nicht öffentlich statt. Umso gespannter erwartet man die Momente des öffentlichen Dialogs. So präsentieren diesmal gleich alle aktuell geförderten NICA Artists neue Arbeiten – teilweise bereits länger ausgearbeitet, teils aber auch bewusst als Projekte im Prozess des Werdens. Das Publikum nimmt dabei über den Verlauf der neun Konzerte also sehr unmittelbar an der Genese neuen Soundmaterials teil. Die Spielorte – Stadtgarten, JAKI sowie die fußläufig erreichbaren Kirchen Neu St. Alban und Christuskirche – ermöglichen passenderweise ein gezieltes Spiel mit den Settings. Unter anderem mit dabei sind RAY LOZANO, Jorik Bergman, Theresia Philipp und Emily Wittbrodt, über die wir schon auf kaput ausführlich berichteten:
Direkt im Anschluss folgt das WINTERJAZZ KÖLN 2026, die 15. Ausgabe eines Festivals, das sich nie mit bloßer Kontinuität zufriedengegeben hat. Vier Bühnen im Stadtgarten und im Club Zimmermanns, 14 Bands und Projekte sowie fünf eingeladene Gäste – Benoît Delbecq, Alexandra Grimal, Morsey Alexander, Monika Roscher und Cansu Tanrikulu –, die über Wildcards ihre Besetzungen gemeinsam mit Kölner Musiker:innen formen. Kuratiert wird das Festival von Angelika Niescier und Ulla Oster.
WINTERJAZZ ist – analog zur NICA-Grundidee – ein soziales Biotop, in dem die Gespräche rund um die Konzerte ebenso wichtig sind wie die Performances selbst. Es geht um die Bündelung von Ideen, um ein aktives Entgegentreten der Vereinzelung und des ökonomischen Drucks – und ganz explizit aktuell, angesichts drohender Kürzungen von Kulturetats, um ein Zeichen gegen kulturelle Erosion. Und so erinnern uns NICA live special und WINTERJAZZ KÖLN zum Jahresbeginn genau zum richtigen Zeitpunkt daran, dass Musik erst im gemeinsamen Erleben mit anderen ihre Schönheit und Wirkung richtig entfalten kann.





