Konzertbesprechung

Popmusik, alter. Popmusik: Magdalena Bay

Magdalena Bay in Köln (Photo: Anja Wilke)

 

Mit wechselnden Kostümen hüpft Frontfrau Mica Tenenbaum über die Bühne, die voll mit mystischem Gerümpel steht. Sie wird immer mal wieder von einer Windmaschine angepustet – und wirkt in diesen Momenten wie eine moderne Version von Kate Bush. Die gesamte Show hat etwas Körperliches und Theatralisches zugleich. Das Publikum stellt die perfekte Ergänzung dar, als Magdalena Bay im ausverkauften Carlswerk Victoria in Köln auftreten: es besteht teilweise aus verkleideten/geschminkten Fans, die den Look der Electropop-Band widerspiegeln. So muss das sein. Popmusik, alter. Popmusik.

Magdalena Bay sind eigentlich ein Duo, das aus Mica Tenenbaum (Vocals) und Matthew Lewin (Keyboards/Gitarre/Bass) besteht, werden im Live-Kontext jedoch zu einem wuchtigen Quartett; ohne Live-Drums wäre das Ganze auch nur halb so geil. Die Setlist besteht an diesem Abend größtenteils aus Songs von ihrem hochgelobten Zweitwerk „Imaginal Disk“ – ein Meisterstück, das in jeder Sekunde blubbert und schimmert und von vorne bis hinten aus köstlichem ear candy besteht. Die erste Hälfte des Albums ist etwas stärker als die zweite – und weil sich die Live-Setlist so nah am Album bewegt, ist das bei der Show auch so –, doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Magdalena Bay bringen das Carlswerk Victoria zum leuchten, so viel ist sicher.

Die Musik von Magdalena Bay ist in erster Linie: clever, stilvoll, extrem gut gemacht. Arrangements, Songstrukturen, Gesangsmelodien – alles ist hier perfekt ausgearbeitet und doch immer zugänglich, was ja die schwierigste aller Künste ist. Einer meiner Freunde, die beim Konzert dabei ist, hört vor allem Jazz und stellt (vielleicht gerade deswegen) heraus, dass die Band sich trotz ihrer Poppigkeit nur selten innerhalb einer Tonart bewegt (Shoutout an Patrick). Die Mission von Magdalena Bay scheint sehr simpel zu sein: Ebenso schlaue wie spaßige Popsongs schreiben, die niemals langweilig werden, zu denen man tanzen und träumen kann. Im Carlwerk Victoria folgen wir an diesem Abend beiden Impulsen.

Magdalena Bay in Köln (Photo: Anja Wilke)

Jeder Akkord, der auf den vorherigen folgt, ist perfekt und trotzdem nie der, den man erwarten würde. Es muss ewig gedauert haben, diese ausgetüftelten Songs zu schreiben und anschließend für die Bühne um zu arrangieren. Man spürte die Ambition und Liebe, die in diesem Projekt steckt, in jeder Phase des Konzerts: Im Piano-Riff von „Death & Romance“, bei dem man sich fragt, wieso das bis Magdalena Bay noch niemand geschrieben hat; im groovigen Slap-Bass aus „Love Is Everywhere“, der im Kontext einer anderen Band total cheesy sein würde; in den ABBA-mäßigen Streichern am Ende von „Cry for Me“. Solche Dinge stehen nicht unbedingt für Coolness, doch Magdalena Bay wollen nicht cool sein – nein, sie wollen gut sein. Und das sind sie!

Auch, weil sie ihre perfekten Popsongs stets mit genügen Weirdness ausstatten. So überzeugt der Show-Opener „She Looked Like Me!“ mit aggressivem Noise, schrillen Synths und explodierenden Drums. Würden Magdalena Bay auf solch aneckende Elemente verzichten, wäre mir das Ganze vermutlich zu geschmackvoll. Doch die Band schafft diesen Balance-Akt durchgehend und sorgt im Carlswerk Victoria im Konzertverlauf auch mal für Stirnrunzeln, was bei einem guten Popkonzert natürlich nicht fehlen darf. Auch innerhalb des Yacht-Pop-Highlights „Killing Time“ machen sie diesen Kontrast deutlich: Am Ende übersteuert der Song, ultraverzerrte Gitarren und spooky Backing Vocals kommen dazu, weil die Band weiß: Gut gemachte Musik ist nur dann gut, wenn man sie mit merkwürdigen Sounds ausbalanciert.

Magdalena Bay machen pure Popmusik für Leute, die pure Popmusik oft zu glatt finden – im Carlswerk Victoria treffen beide Fraktionen aufeinander, um sich gegenseitig zu verzaubern.

 

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