Mittwoch, 26.02.2020
Egon Forever

„Tschausen ihr Cutiepies“ – Lars der Agenturdepp im Test

Andre Lux aka Egon Forever
“Lars der Agenturdepp”
Cross Cult / 36 Seiten

Lea ist neu in der Agentur, in der auch „Lars, der Agenturdepp“ arbeitet – so der Titel des im Dezember erschienenen Büchleins respektive „von dem Büchle“, wie man dort sagt, wo Egon Forever alias Andre Lux wohnt. Die Bildwitze des schwäbischen Cartoon-Punks sorgen hin und wieder für Diskussionen, weil sie zwar komisch, aber auch krakelig und bisweilen voller Tipp-Ex sind und sich zudem auch noch auf billigem Karopapier aus dem Schreibwarenlädle um die Ecke befinden. Manche halten das für einfach genial, andere für eine Schande. In Blättern wie TITANIC und Eulenspiegel, aber auch bei Spiegel Online erscheinen die Werke trotzdem.

Die Chefin jedenfalls stellt Lea dem Mitarbeiterstab vor, in welchem der abgehalfterte Raucher Lars noch einer der umgänglichen Typen ist: „Sie steht komplett hinter unserer Philosophie und will auch richtig nach vorne! Sie freut sich sicher auf die neue Challenge in unserer kleinen crazy Agentur.“ Und: „Sie bringt auch einiges an Erfahrung mit aus ihrer Zeit bei coolsoft, netwurst-media, spitzenklassejuhu.com, quetschpowercomdiesel24, Prinzen & Ritter, kruschtdesign, schneider-bembel, Geheimtipp Neubulach, Rolli von Bölli, 123-Kingz und Warzio.“ Ein klassischer Agenturlebenslauf halt.

Nun weiß man als Außenstehender natürlich nicht genau, wie in kleinen crazy Agenturen wie netwurst-media gesprochen wird. Andre Lux lässt diese Agenturdeppinnen und -deppen zumindest in einem Ton miteinander plaudern, den man für treffend halten kann. Er ackerte auch selbst mal in so einem Laden. Dessen Alltag zwischen Marketingsprech und Zigaretten-Kaffee-Depression erzählt Lux in diesem kleinen Band mit harten Schnitten und dem Durchbrechen der vierten Wand. „Lars, der Agenturdepp“ könnte auch das Story-Board für einen kurzweiligen Kurzfilm eines Agenturaussteigerprogammes sein.

Wer die Komik der EF-Cartoons schätzt und nicht Dirk heißt, erfreut sich wohl ohnehin am Agenturdepp und an den vielen Egon-Foreverismen wie „Dirk! Fick dich! Bald lass ich dich echt mal von ein paar Albanern verschlagen!“ oder „Hey, noch jemand hier, der findet, dass sich der Name ‚Dirk‘ so anhört, als würde einem ein vollgesogener Wischlappen auf den nackten Fuß fallen?“ Hinzu kommt Luxens gepflegte Verachtung für Menschen, die sich mit Sätzen wie „Tschausen ihr Cutiepies“ verabschieden. Dabei schimmert allerdings zum Glück auch stets die Abscheu vor dem eigenen Spott und der mit ihm einhergehenden Anmaßung durch, sich selbst für jemanden zu halten, der andere Lebens- und Umgangsformen verurteilen dürfe. Egon Forever ist halt doch nur ein Halbtagszyniker, der sich mit dem (im eigentlichen Sinne) Gutmenschen und Erzieher Andre Lux einen Körper teilt, wie auch die bewusst unkomische Schlusspointe verrät – es gibt nämlich Auswege aus der Agentur.

Text: Cornelius Oettle

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