Donnerstag, 25.04.2019
The Teal Album

“Das Ende der Geschichte ist erreicht” – Die Sache mit dem Weezer-Cover-Album

Letztes Jahr schon drang etwas von Weezers Cover-Album nach draußen: Ihre äußerst werkgetreue Version von Totos “Africa” wurde auf meta-ironische Weise gern als unglaublich cool rezipiert. Die Idee, Klassiker nachzuspielen, wuchert nun also zur ganzen Platte weiter. Wolfgang Zechner, Österreichs einflussreichster Musikjournalist, hat reingehört.

Weezer
“The Teal Album”
Atlantic
Die großartigste, erstaunlichste, verehrungswürdigste, aber auch ärgerlichste und idiosynkratischste Band der vergangenen 25 Jahre hat heute überraschend ein Cover-Album gedropped, Die Rede ist von Weezer. Auf dem Tonträger spielt die kalifornische Legende rund um den erratischen Groß-Kauz Rivers Cuomo Songs von ELO, Michael Jackson, TLC, A-ha, Ben E. King und Black Sabbath nach. Eine eklektische Mischkulanz fürwahr. Die Optik der Covergestaltung ist entsprechend und sitzt wie ein malvenfarbener Blazer mit leger-aufgestrickten Ärmeln und wuchtigen Schulterpolstern: “The Teal Album” – so heißt das Machwerk – klingt nur dann schrecklich, wenn man immer noch dem Irrtum aufsitzt, im Besitz einer Seele zu sein. Wer sich hiervon aber befreit und hinter die Spiegel zu blicken vermag, erkennt die epochale Bedeutung des Albums: Weezer haben mit “The Teal Album” sowohl das Internet als auch das Pop-Business durchgespielt. Das Phänomen Rockmusik ist endgültig auserzählt und das Ende der Geschichte erreicht. War ja auch langsam Zeit. Ergriffen spüre ich, wie mich der Atem der Geschichte umweht. Dieser Moment ist eine Zäsur. Um ihm gerecht zu werden, lege ich noch mal feierlich die Installations-CD von Windows 95 ins Laufwerk. Auf dieser findet sich die unsterbliche Weezer-Großtat “Buddy Holly”. Der Song wurde damals aus Marketing-Zwecken serienmäßig vorinstalliert. Besser nicht zu viel darüber nachdenken. Mist, mein Laptop will diese CD-ROM nicht mehr abspielen! Sind es wirklicht schon 25 Jahre? Tausend Jahre sind ein Tag. In diesem Moment wird mir die eigene Vergänglichkeit bewusst. Schnell steige ich den Kaninchenbau hinab und flüchte mich in den Schoss der Ewigkeit. Dieser ist noch fruchtbar und aus ihm kriecht Weezer mit einer kunstvoll abgepausten Malen-nach-Zahlen-Version von “Take on me”. Das darf doch alles nicht wahr sein!
Wolfgang Zechner

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