Janosch Pugnaghi: „Man macht sich oft auch ein bisschen für Kultur kaputt“

Janosch Pugnaghi (Photo: Niluh Barendt)
Aus einem Bandnamen wurde ein Label, aus dem Label eine Konzertreihe: Neu, kaputt feiert in diesem Jahr zehn Jahre (konkret am 29.8. in Köln im Kulturhof Kalk zusammen mit den Buddies von Papercup Records und Keshavara). Janosch Pugnaghi erzählt im Kaput Talk wie ein Auftritt von Vesuvio Solo und Promise Keeper mit geliehener PA im Acephale den Anfang machte und wie aus dem improvisierten „Hobbyladen“ eine feste Größe für kleine, eigenwillige Pop- und Indie-Acts wurde.
Wie kam es zu dem Namen Neu, kaputt?
Janosch Pugnaghi: Neu, kaputt stammt eigentlich von Viktor Rosengrün, Sanjin Borogovac, Maik Münzer und mir. Wir haben uns vor elf Jahren als Band gegründet. Die hieß „Neu und Kaputt“, ein bisschen angelehnt an Hall & Rauch aus Köln. Es gibt noch einen Song von uns, den man auf SoundCloud finden kann.
Wir haben aber schnell gemerkt, dass wir zusammen zu wenig Musik machen. Dann dachten wir: Okay, wir machen ein Label, auf dem wir jeweils unsere eigene Musik veröffentlichen. Das war Neu, kaputt “Records”. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir das auch nicht so richtig machen. Im Oktober 2016 ist daraus schließlich die Konzertreihe entstanden.
Der Name selbst war Brainstorming. Wir saßen wirklich mit Papier und Stift da, haben Wörter gesammelt und zusammengesetzt. Er war eigentlich nur als Bandname gedacht. Bis heute verwechseln viele Leute Neu, kaputt und Kaput: Neu, kaputt, Kaput kaputt oder Kaput Neu, kaputt.

synthquest
Wie wurde daraus eine Konzertreihe?
Janosch Pugnaghi: Ich habe damals in Berlin gewohnt und dort Vesuvio Solo und Promise Keeper gesehen, zwei Indie-Pop-Projekte aus den USA und Kanada, die ich richtig toll fand. Ich dachte: Warum spielen die eigentlich nicht in Köln? Also fragte ich Jan Lankisch, ob er das machen könne. Er meinte: „Gerade keine Zeit dafür. Frag doch einfach selber im King Georg.“ Dort wollten sie damals 400 Euro von mir haben, damit ich das Konzert veranstalten kann. Ich hatte überhaupt kein Geld und dachte: Wie soll ich das bezahlen?
Über Keshav Purushotham von Papercup Records kam der Kontakt zu Dima vom Acephale. Dima sagte: „Hey, lass es uns einfach versuchen.“ Über Keshav und Dan Enderer vom Gotteswegstudio lieh ich eine PA aus. Wir hatten keine Ahnung von Technik, nur einen 8 Kanal Analog Mixer, keine Monitorboxen und alles war sehr DIY, wir hatten echt nur das nötigste da. Aber es gab eine Nebelmaschine, die viel ausgemacht hat!
Ich glaube, die Band hat sich am Anfang sogar selbst gemischt. Aber sie hatten Lust und meinten: „Lass uns das einfach machen, wir schaffen das schon irgendwie.“ Am Ende hat Dima uns sogar noch 50 Euro von den Bareinnahmen gegeben, weil er mehr Getränke verkauft hatte als erwartet.
Unser erster Konzertabend:
Promise Keeper – „Promise Me Eternity 2“ Acephale, Cologne
Wir hatten gar nicht vor, danach unbedingt weiterzumachen. Dann fragte Anton Teichmann von Mansions and Millions, ob wir nicht Magic Island und Better Person veranstalten wollten, weil sie bei einem Showcase-Festival in Groningen spielten und ein weiterer Auftritt in Köln sinnvoll wäre. Der Abend war super.
Unser zweites Konzert
Magic Island – „Shepherd“ Acephale, Cologne
Danach kamen weitere Anfragen, etwa von Kevin Halpin von Shameless/Limitless. So sind wir da reingerutscht. Das war der Anfang von unserem neuen Hobby: kleine Konzerte zu veranstalten. Viktor spezialisierte sich immer mehr auf den Live-Sound, sodass wir die Kosten sehr gering halten konnten.
Was hat sich seit dem Ende des Acephale für Neu, kaputt verändert?
Janosch Pugnaghi: Früher haben wir viel mehr Shows gemacht. Mit einer richtigen Location, mit einem Raum, in dem man unkompliziert und spontan etwas umsetzen konnte, waren es teilweise 30 Konzerte im Jahr oder sogar mehr. Jetzt haben wir leider keine feste Location mehr. Gerade veranstalten wir im Kulturhof Kalk oder im Päff. Da muss man viel früher prüfen, ob es überhaupt funktioniert und ob alle Beteiligten können. Es ist viel schwerer, spontan zu sagen: Lass uns dieses Konzert machen.
Unsere kleine Szene sucht immer noch einen Ort. Das Acephale war auch einfach ein großer Freundeskreis und Treffpunkt für die Kölner DIY Musik Szene. Aktuell gehen wir viel zu dublab.de am Hansaring, weil dort freitags oft Programm ist. Das ist sehr schön, aber es geht nur bis 22 Uhr. Im Moment haben wir nichts, was dem Acephale wirklich nahekommt.
Was bieten dir das Päff und der Kulturhof Kalk?
Janosch Pugnaghi: Ich habe etwas gesucht, das ungefähr die Größe des Acephale hat: einen Ort, an dem man Konzerte veranstalten kann, zu denen vielleicht nur 40 oder 50 Leute kommen, und es trotzdem angenehm voll ist. Ich mochte es immer, Artists in so einem kleinen Rahmen zu sehen. Diese Nähe zur Band fand ich immer schön. Das Päff hat diesen Charme.
Am Wochenende kann man dort allerdings nichts machen, weil dann der normale Clubbetrieb läuft. Es wird von den Leuten vom Bumann betrieben, und das Wochenendprogramm ist eher Djs vorbehalten. Aber im Bumann ist es ähnlich: popanz macht dort unter der Woche Konzerte, die völlig konträr zu dem sind, was am Wochenende stattfindet. Das Bumann selbst wäre für viele meiner Sachen schon zu groß. Ich mag es kleiner und intimer.
Der Kulturhof Kalk ist gerade das Beste, was in Köln für unsere Szene passiert ist. Aber dort ein Konzert umzusetzen, ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Man braucht Leute für die Theke, den Eintritt, den Auf- und Abbau und Soundtechnik. In den Kulturhof passen ca. 170 Leute, und draußen noch mehr, deshalb muss man genau planen. Unser großer Traum wäre, wieder einen eigenen Ort aufzumachen, der dem nahekommt, was das Acephale für uns war.

Du lebst nicht vom Veranstalten, nehme ich an?
Janosch Pugnaghi: Nein, ich mache dadurch eher sogar Minus. Die Förderung und die Einnahmen gehen an die Artists, die Soundpersonen und eventuell die Produktion. An mich geht meistens gar nichts. Inzwischen bekommen wir Förderung vom Kulturamt der Stadt Köln, aber die ist nicht unendlich. Ich mache das, weil ich Lust darauf habe und weil ich denke, dass es schön für die Kölner Szene ist.
Und natürlich müsste das Geld für ein eigenes Honorar erst einmal da sein. Und für die Arbeit, die man hineinsteckt, wäre das, was man bekommen könnte, wahrscheinlich sowieso zu wenig. Dann mache ich es lieber ganz umsonst.
Hauptberuflich arbeitest du als Filmer und Videograf. Wie läuft es dort?
Janosch Pugnaghi: Ich bin seit ungefähr 16 Jahren Freelancer. Ich hatte, glaube ich, noch nie einen festen Job. Mein Geld habe ich hauptsächlich mit Videos verdient. Aktuell läuft es ziemlich schlecht. Viele Sachen sind weggebrochen. Ich hatte früher immer wieder kommerzielle Jobs, die das Geld reingebracht haben, aber das ist weitgehend verschwunden. Zwei Agenturen, für die ich lange gearbeitet habe, haben zugemacht, weil sie selbst finanzielle Probleme hatten.
Ich mache auch viele Musikvideos, aber dafür gibt es meistens gar kein Budget. Die mache ich für wenig Geld oder umsonst, mehr aus Passion zur Musik. Ich bin aktuell bei 83 Musikvideos und will nächstes Jahr die 100 knacken.
Keshavara – Mondlava (Official Video)
Odd Couple – Die Deko (Official Music Video)
Gío – Da solo in città (Official Video)
Waren deine Videoproduktion auch ein Argument für Artists, bei Neu, kaputt zu spielen?
Janosch Pugnaghi: Früher auf jeden Fall viel mehr. Es gibt ein richtig schönes Archiv mit bestimmt 50 Videos von den Konzerten. Leider finde ich den Log In von dem Youtube Kanal nicht mehr 🙁
Good Morning – „Oppsie“ Acephale, Cologne
Damals war alles leichter, weil die Location bereits funktionierte. Man brauchte vielleicht eine Person am Eingang und eine für den Sound, das war es. Dadurch hatte ich meistens noch Zeit, etwas zu filmen. Bei vielen Konzerten habe ich zusammen mit Ansgar Wagemann jeweils einen Song dokumentiert.
Für die Artists war es schön, ihren Auftritt in diesem kleinen Rahmen festgehalten zu bekommen. Einige Videos sind auf YouTube ziemlich gut gelaufen. Ich glaube, eines hat sogar ungefähr 200.000 Aufrufe.
Men I Trust – „Lauren“ Acephale, Cologne
Manchmal habe ich den Artists direkt angeboten: „Ich kann euch nur das bieten, aber wenn ihr wollt, dokumentiere ich einen Song, und ihr könnt ihn später posten.“ Für Booking-Agenturen war es ebenfalls gut, den Ort und die Stimmung sehen zu können. Dadurch, dass ich solche Sachen schon immer mache, kann ich Veranstaltungen, glaube ich, ganz gut festhalten und rüberbringen.
Worauf beruht das Vertrauen des Publikums, obwohl viele der auftretenden Artists kaum bekannt sind?
Janosch Pugnaghi: Die ganze Reihe hat von Anfang an nur funktioniert, weil so viele Freunde sie unterstützt haben. Die Artists sind meistens sehr klein und nischig. Viele im Publikum kennen sie vorher nicht. Die Leute haben einfach dem vertraut, was ich mache, und sind deshalb gekommen.
Ich bin froh, dass es inzwischen so gut funktioniert, dass ich keine Angst mehr haben muss, niemand könnte auftauchen. Früher war das eine große Sorge: Man lädt einen Artist ein und spürt sofort den Druck, dass wenigstens ein paar Menschen da sein sollten.
Aber es passiert so viel gleichzeitig in Köln, man verpasst auch schnell etwas. Aktuell schicke ich oft private Reminder als Sprachnachrichten: „Schönen guten Tag, hier ist Janosch Pugnaghi von der Neu, kaputt Konzertreihe in Köln, ich würde sie gerne zu unserem morgigen Event einladen…“
Die Leute wissen außerdem, dass ich mich freue, wenn sie kommen. Ich glaube, sie sehen, dass ich sehr viel Liebe hineinstecke, und unterstützen die Reihe unabhängig davon, ob sie die Künstlerinnen und Künstler kennen.
Was hast du über die Jahre beim Kuratieren gelernt?
Janosch Pugnaghi: Am Anfang reagierte ich auf fast alles, was mir angeboten wurde, mit: „Ah, wie schön, lass einfach versuchen.“ Irgendwann merkte ich nach einem Abend: Das war eigentlich gar nicht das, was ich machen wollte. Man muss stark aussortieren. Wir bekommen viele Anfragen von unterschiedlichen Booking Agenturen, und ich habe nicht mehr die Kraft, so viel davon umzusetzen. Deshalb suche ich nur noch Dinge heraus, hinter denen ich zu 100 Prozent stehe.
Unser Programm kann man gut beschreiben als DIY Pop, aber immer mit etwas Besonderem oder mit einem Augenzwinkern. Viktor hat am Anfang der Reihe ebenfalls Programm gemacht. Seine Auswahl war experimenteller, noisiger und manchmal düsterer. Meine Kuration war immer eher happy und poppig. Mit dem Ende des Acephale zog er sich zurück, weil er einen festen Job beim Schauspiel hatte. Aktuell mache ich das meiste allein. Bei Veranstaltungen helfen mir meine Freunde: Kathi bei der Produktion, Bobby und Martin helfen an der Kasse und Einlass und Hannah und Frank bei Fahrten. Alle machen das, ohne etwas dafür zu wollen.
Die Idee ist außerdem, möglichst einen lokalen Support-Act dazuzunehmen, um die Kölner Szene und gerade die sehr kleinen Artists zu unterstützen. Das ist auch der Hauptgedanke hinter dem Synth Quest, das ich vor zwei Jahren aus Spaß ins Leben gerufen hatte. Die Idee dahinter ist, dass Kölner Artists aus dem DIY Pop Kontext ein Set im Dungeon Synth/ Medieval Stil machen.
Neu, kaputt – .°˖✧ Synth Quest ✧˖°.
Ist es in einer freundschaftlich verbundenen Szene schwierig, Nein zu sagen?
Janosch Pugnaghi: Wenn ich etwas einfach nicht fühle, kann ich Nein sagen und kommunizieren, dass es nicht passt. Gleichzeitig gibt es Artists wie John Moods, die bestimmt schon fünfmal bei uns gespielt haben. Das ist für mich völlig in Ordnung, weil ich ein sehr großer Fan der Musik bin.
Ich möchte gar nicht an einen Punkt kommen, an dem die Reihe so groß ist, dass ich Gefallen machen muss – nach dem Motto: Ich tue diesem Booker jetzt einen Gefallen und nehme noch einen Artist, weil die Agentur unbedingt ein Konzert für diesen Tag braucht. Ich will die Freiheit behalten, es weiterhin so machen zu können, wie ich möchte: ohne etwas machen zu müssen und ohne jemandem einen Gefallen schuldig zu sein.
Wie sehen eure Deals mit den Artists aus?
Janosch Pugnaghi: Meistens gibt es eine fixe Gage plus einen Prozentsatz nach dem Break, nachdem die Ausgaben wieder drin sind. Von dem, was danach übrig bleibt, gehen oft 70 oder 80 Prozent an die Artists.
Für World Brain und Der Assistent, die im Oktober im Päff spielen, habe ich einen 100-Prozent-Deal gemacht. Ich sagte: „Ich weiß nicht, wie das funktioniert, und kann nichts Festes anbieten. Aber ihr bekommt alles, was nach dem Break übrig ist.“ Das hat sich bisher schon gut verkauft; ungefähr 80% der Tickets sind weg.
Ich finde es schön, wenn man seine Unsicherheit offen kommunizieren kann: „Ich habe gerade ein bisschen Angst. Ich kann es mir aktuell nicht leisten, mit dem Konzert Minus zu machen.” Die Booker sagen dann meistens: „Okay, lass uns einen Deal finden, bei dem du auf keinen Fall drauf zahlst.“ Dieses Vertrauen ist wichtig.

Wie funktionieren die von dir kuratierten Konzerte am Container auf dem Kölner Neumarkt, immerhin ja der soziale Brennpunkt der Stadt mit seiner massiven Drogenszene?
Janosch Pugnaghi: Das läuft über den Kulturhof Kalk. Roman Jungblut vom Kulturhof hat im letzten Jahr das Nimm-Platz-Projekt mitgestaltet. In diesem Jahr sollte es zuerst gar kein Geld geben, dann kam doch ein kleineres Budget. Daraus entstand die Lösung mit dem Container. Sie haben mir ein Budget gegeben, um fünf Konzertabende zu gestalten.
Es ist eigentlich immer sehr schwer, im Sommer Konzerte zu machen, aber ich finde, es funktioniert dort sehr gut. Das letzte Konzert war an einem warmen Samstag, viele Leute waren zum Einkaufen in der Stadt. Gleichzeitig stehen dort im Rahmen eines anderen Projekts ungefähr 100 Stühle, auf die man sich einfach setzen kann. Die Leute setzen sich hin und schauen dem Konzert zu. Währenddessen sieht man die ganze Zeit andere Menschen über den Platz laufen und kann unglaublich viel beobachten. Das passt sehr gut.
Es kommen immer wieder Personen aus der offenen Drogenszene vorbei, die den Ort mitnutzen und teilweise sogar mittanzen. In dieser Hinsicht funktioniert es tatsächlich integrativ. Das Projekt hat viel Potenzial und müsste jedes Jahr weitergeführt werden, genauso wie die Ebertplatz Konzerte. Ich finde den Aspekt schön, dass Menschen mit Kultur in Berührung kommen, überrascht werden und etwas entdecken, von dem sie vorher gar nicht wussten, dass es existiert.
Siehst du eine jüngere Generation, die diese Konzertkultur weiterführen könnte?
Janosch Pugnaghi: Es gibt Marco Zantis, der im Tsunami und Café Storch Konzerte mit vielen lokalen Artists gemacht hat. Er ist vielleicht die nächste Generation, aber auch schon 30. Ich suche eigentlich nach einer Generation, die jetzt Anfang/ Mitte 20 ist. Ich würde gern mehr darüber wissen, was dort passiert. Es müsste jemanden aus dieser Szene geben, der all die Leute kennt und daraus etwas aufbaut.
Mein Traum wäre es, irgendwann eine Person zu finden, die Neu, kaputt weiterführt – mit frischer Energie. Meine eigene Energie wird irgendwann aufgebraucht sein. Das ist schade, aber man macht sich oft auch ein bisschen für Kultur kaputt.
Ich bin immer noch mit Passion dabei, gerade weil wir in diesem Jahr das zehnjährige Jubiläum haben. Deshalb möchte ich noch einmal viel Energie hineinstecken. Aber ich bin auch ein bisschen ausgebrannt. Es ist verrückt, wie viel Kraft das zieht. Gleichzeitig gibt es sehr viel zurück. Ich habe über die Jahre tolle Leute aus Kanada und anderen Orten kennengelernt, bei denen ich später schlafen und teilweise eine Woche wohnen konnte. Es sind weltweite Freundschaften entstanden.

gigigirls, 1stconcert (Photo: Lenny Rothenberg)
Wie sind GiGi Girls aus diesem Umfeld entstanden?
Janosch Pugnaghi: Laura Mancini, unsere Sängerin, und ich haben uns 2021 im Acephale kennengelernt. Aus Spaß sagten wir: „Hey, lass uns mal einen Song machen.“ Zuerst wollten wir einen House-Track produzieren, und dann wurde daraus irgendwie etwas anderes.
Papercup Records war offen dafür, den ersten Song “La Grotta Dell Amore” zu veröffentlichen. Ein Jahr später machten wir noch einen zweiten zusammen mit Johanna Klein.
GiGi Girls – Pantaloni Rossi (Official Video)
Wir haben das am Anfang überhaupt nicht ernst genommen. Dann schrieb uns das c/o pop Festival Anfang 2025 an und fragte, ob wir auftreten wollen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir drei Songs. Wir dachten: Das ist eine total gute Chance. Also versuchten wir noch, einen weiteren Song zu schreiben. So entstand die Demo zu “Baci al Sloe”.
GiGi Girls – Baci al Sole (Official Video)
Dazu kam ein Cherry Cherry Lady Cover, und mit diesen fünf Stücken spielten wir unser erstes Konzert. Das war der Ausgangspunkt, um die Band wirklich anzugehen.
Viele Leute, die später auf unserer Platte mitgespielt haben, waren vorher schon einmal bei Neu, kaputt zu Gast. John Moods und Jaakko Eino Kalevi haben zum Beispiel einen Song mit uns gemacht. Neu, kaputt war für die Band ein guter Ausgangspunkt, weil ich bereits viele Menschen kannte: Booking-Agenturen, Labels und andere Künstlerinnen und Künstler und spätere Collaborators.
Inzwischen gibt es ein ganzes Album. Wie stark hat das deinen Fokus verändert?
Janosch Pugnaghi: Nach dem c/o pop-Auftritt kam noch ein weiterer Track heraus. Dann saßen wir den ganzen Winter an einem Album, und das hat uns ganz schön viel abverlangt. Es ist im April bei Papercup erschienen und hat uns mit unserem tollen Booker Luk Zettl neue Türen geöffnet. Wir haben sogar eine Schallplatte, eine Kassette und eine CD gemacht. Das war einer meiner Lebensträume. Aber weil alles unter so viel Stress entstanden ist, habe ich noch garnicht richtig realisiert, dass es tatsächlich passiert ist.
GiGi Girls – Greatest Hits
Wir haben inzwischen auch in Holland, Schweiz, Spanien und ganz im Norden Norwegens gespielt. Das war verrückt und wunderschön, weil die Sonne dort einfach nicht unterging. Unser größter Gig war beim Appletree Garden Festival vor ca. 1000 Leuten. Insgesamt sind es ungefähr zwanzig Shows in diesem Sommer. Alles sehr verrückt irgendwie. Die Band ist ein ziemlich großes Ding für uns alle geworden. Mein Fokus hat sich dadurch ein Stück weit von der Konzertreihe zur Band verschoben.
Was reizt dich an diesem Wechsel auf die andere Seite?
Janosch Pugnaghi: Es ist aufregend, einmal die andere Seite zu sehen. Sonst kannte ich nur die Perspektive des Veranstalters: Die Bands kommen an, bauen auf und schlafen bei mir auf einer Isomatte. Jetzt schlafe ich selbst irgendwo auf der Isomatte. Super spannend sind auch Band-Dynamiken, das ist echt wie eine kleine Beziehung! Darüber hatte ich mir vorher nie Gedanken gemacht.
Wir machen außerdem eine Support-Tour mit Donny Benét. Das ist ein australischer Musiker, den ich 2018 schon bei Neu, kaputt in Köln veranstaltet habe – in der Le Pop Lingerie.
Inzwischen ist er relativ groß, und jetzt sind wir seine Support-Band. Die Tour führt unter anderem nach Berlin, Kopenhagen, Stockholm, Amsterdam und Paris. Das sind schon einige große Städte. Ich bin gespannt, aber es wird bestimmt auch anstrengend werden.
Donny Benét – „Konichiwa“ Le Pop Lingerie
Was lernst du auf Tour – und was nimmst du aus der Veranstalterperspektive mit?
Janosch Pugnaghi: Ich hätte zehn Jahre früher anfangen sollen, aber jetzt ist es eben so passiert. Wir waren auf ein paar Festivals und dachten zuerst: Wir bleiben alle drei Tage und genießen das so richtig. Nach einer Nacht waren wir völlig fertig. Bei dem Konzert in der Schweiz hatten wir eine Sauna im Hotel. Nach der Show gingen wir in die Sauna und danach direkt ins Bett – nicht mehr feiern, nicht ausgehen. Man lernt schnell, dass man sich die Energie gut einteilen muss.
Für GiGi Girls war es von Anfang an wichtig, so minimalistisch und einfach wie möglich zu bleiben. Das kenne ich vom Veranstalten. Große Bands bedeutenmehr Aufwand, mehr Equipment, mehr Schlafplätze und mehr Kosten. Bei Neu, kaputt schlafen die Bands meistens privat bei mir. Maximal vier oder fünf Leute passen irgendwie in die Wohnung. Das ist bereits eine ganz praktische Grenze. Und am Veranstaltungstag ist es effizienter, wenn eine Band nicht riesig ist und nicht zu viel Equipment mitbringt.
Wie feiert ihr den zehnten Geburtstag?
Janosch Pugnaghi: Am 29. August machen wir im Kulturhof Kalk ein gemeinsames Sommerfest von Papercup, Keshavara und Neu, kaputt. Papercup und Keshavara werden in diesem Sommer ebenfalls zehn Jahre alt. Das Line Up werden Andrew Collberg, Baby Smith aus Berlin und eine Keshavara Dj Set sein.
Gibt es noch einen Booking-Traum – einen Act, bei dem du sagen würdest: Danach könnte ich abschließen?
Janosch Pugnaghi: Molly Nilsson habe ich im letzten Jahr veranstaltet. Das wollte ich unbedingt einmal machen, weil sie für mich die Queen of DIY Pop ist.
Aber ich glaube, für die Szene, die ich liebe, ist Mac DeMarco der große Held. Es wäre schön, ihn davon zu überzeugen, noch einmal in einem ganz kleinen Rahmen bei uns aufzutreten. Früher hat er im King Georg gespielt, inzwischen ist er natürlich viel größer und auch bei jungen Leuten wieder sehr beliebt.
Das wäre so ein persönlicher Moment, bei dem ich sagen könnte: „Ah, jetzt könnte ich damit abschließen.“ Aber wer weiß. Sonst gibt es viele tolle Sachen. Es hört ja nie auf.








