WE BETTER TALK THIS OVER #14: „SOLAR POWER“ VON LORDE (2021)

Lord (Photo: Ophelia Mikkelson Jones; courtesy artist, label)
„WE BETTER TALK THIS OVER” IST DIE KAPUT-KOLUMNE VON LENNART BRAUWERS, IN DER UNTERBEWERTETE, OFT ÜBERSEHENE (ODER GAR VERHASSTE) ALBEN GEFEIERTER BERÜHMTHEITEN BESPROCHEN UND NEU EINGEORDNET WERDEN. SCHLIESSLICH KANN SICH DER BLICK AUF MUSIK VERÄNDERN, JE ÄLTER SIE WIRD. ALSO: EXTREM VIEL GROSSARTIGES FINDET ZU UNRECHT KAUM BEACHTUNG – DARÜBER SOLLTEN WIR NOCHMAL REDEN.
„I used to love the party, now I’m not alright“ – Lorde, „Big Star“, 2021
Jeder weiß: Wenn man Ecstasy genommen hat, sollte man am nächsten Tag kiffen. So richtig viel. Hilft dabei, den Kopf wieder klarzubekommen, macht glücklich und überdeckt auf magische Weise den eigenen Serotoninmangel.
Dass das funktioniert – zumindest scheinbar –, wusste auch die neuseeländische Sängerin Lorde, deren Alben jeweils für eine bestimmte Droge stehen; ja, ein albernes und ziemlich putziges Gimmick. Während ihr Debütalbum „Pure Heroine“ die alkoholgetränkten Abende ihrer Jugend repräsentierte und „Melodrama“ den euphorischen Rausch einer Ecstasy-Pille verkörperte, war ihr viel kritisiertes Drittwerk „Solar Power“ ein entspanntes Kifferalbum – die logische Konsequenz, sozusagen. (Mit dem Nachfolger „Virgin“ schien Lorde solchen Drogenvergleichen dann ein Ende zu setzen und stattdessen eine Art Reinheit zu propagieren, wie der Albumtitel bereits andeutet – schon wieder eine logische Schlussfolgerung.)
Um „Solar Power“ zu verstehen, muss man zunächst die Ästhetik des Vorgängers „Melodrama“ begreifen. Auf diesem Meisterwerk erlebt Lorde einen ultradynamischen Coming-of-Age-Rausch voller Höhen und Tiefen, mit riesigen Pupillen in guten wie in schlechten Zeiten, und lebt das Leben bis zum absoluten Anschlag – ein derart intensiver Trip, dass man sich fragt, wie viele davon überhaupt noch möglich sind. „We’re king and queen of the weekend“, singt Lorde im herausragenden Song „Sober“, gefangen in ihrem eigenen Privatfilm und sich gleichzeitig seiner Grenzen bewusst: „Bet you wish you could touch our rush / But what will we do when we’re sober?“ Immer wieder macht „Melodrama“ diesen Übergang zwischen Euphorie und Selbstreflexion deutlich; Lorde hält diesen Balanceakt konsequent durch, eingebettet in eine Erzählung aus Partynächten und Herzschmerz. Musikalisch ist das Album voll von köstlichem Ear Candy, das absolute Gegenteil von Hintergrundmusik (als die „Solar Power“ später abgetan wurde). Gewaltige Refrains, verspielte elektronische Beats und dazwischen eine herzzerreißende Ballade wie „Liability“. Das Ergebnis: Das britische Musikmagazin NME ernannte „Melodrama“ zum zweitbesten Album der 2010er-Jahre. „It was all so raw and real that it felt like it was happening to you“, hieß es dort. Im Grunde war sich die gesamte Musikpresse einig, dass Lorde zu einer der wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation aufgestiegen war.
Vier Jahre später erschien das umstrittene Album „Solar Power“. Platten sind natürlich immer Reaktionen auf ihre Vorgänger – und wo „Melodrama“ von elektronischen Momenten des Staunens lebte, ruht sich der Nachfolger in akustischer Folk-Pop-Gemütlichkeit aus. Die Musik ist extrem zurückgenommen, voll mit gedämpften Zupfgitarren; nicht einmal das subtilste Instrument darf auf „Solar Power“ wirklich aufblühen. Obwohl die Sonne hier hell scheint – wie schon der Albumtitel andeutet –, hat man nie das Gefühl, einen Sonnenbrand zu riskieren. Während ihre kontrollierte Stimme auf „Melodrama“ noch einen markanten Kontrast zur ereignisreichen Instrumentierung bildete, spiegeln sich auf „Solar Power“ Gesang und Arrangement weitgehend gegenseitig, als würde Lorde keine Reibung mehr suchen. Heraus kommt im Grunde die Popalbum-Version des YouTube-Klischees „chill beats to relax/study to“ – und damit das exakte Gegenteil des turbulenten „Melodrama“.
Die Reaktionen waren überwiegend negativ. Das deutsche Online-Musikmagazin laut.de schrieb, ihre Hippie-Posen hätten „die Intensität eines Nickerchens“. Auch bei Pitchfork fiel das Urteil ähnlich ungünstig aus: „These songs don’t move like the songs on Melodrama: no startling change-ups, no fireworks.“ Ja, auf „Solar Power“ findet man tatsächlich keinen mitreißenden Hit wie „Green Light“.
Sollte Musik, die die Energie der Sonne verkörpern will, nicht heller und temperamentvoller sein? Ist ein subtiles Akustikalbum dafür nicht irgendwie ungeeignet? Vor allem, wenn es von einer der aufregendsten Popsängerinnen ihrer Generation stammt?
Doch „Solar Power“ als kleines oder bescheidenes Album zu beschreiben, ist schlicht falsch. Lorde begnügt sich hier keineswegs damit, wenig zu tun; vielmehr inszeniert sie ihre Zurückhaltung als mutigen Akt. Denn sehr wenig zu tun, ist an sich schon ein Statement…

Lord (Photo: Ophelia Mikkelson Jones; courtesy artist, label)
Ein kleiner Schritt zurück, für den Kontext: Genau diese Art von zurückhaltendem Minimalismus machte die junge Neuseeländerin von Anfang an besonders. Vor ihr gab es kaum Popstars, die ihre Stimme so einsetzten wie Lorde – immer mit angezogener Handbremse und nach dem Motto „weniger ist mehr“; ein Stil, der später auch Acts wie Billie Eilish beeinflussen sollte. „Don’t you think that it’s boring how people talk?“, sang Lorde auf ihrem Debütalbum „Pure Heroine“ und zielte damit scheinbar auf die aufgeblähten Popacts der frühen 2010er-Jahre, während sie sich selbst als nahbare, introvertierte Alternative positionierte. Die Produktion auf „Pure Heroine“ war genauso minimalistisch wie ihr Gesang und fiel durch schmucklose Synthesizer und zurückhaltende Beats auf. Die Resonanz war enorm und kam aus ganz unterschiedlichen Lagern. Weil Lorde als Popsängerin durchging, zugleich aber Bands wie Fleetwood Mac oder The Replacements coverte – und sogar die Hipster-Indieband Broken Social Scene in ihren Texten erwähnte –, hatte man das Gefühl, jeder könne sich mit ihr identifizieren. Sogar David Bowie soll sie als die Zukunft der Musik bezeichnet haben! „[Lorde] fits squarely into the indie zeitgeist yet undeniably scanned as pop“, schreibt Musikjournalist Chris DeVille in seinem essenziellen Buch „Such Great Heights“. Ja, alle liebten Lorde.
Während „Pure Heroine“ noch vom Neuseeländer Joel Little produziert wurde, arbeitete Lorde sowohl für „Melodrama“ als auch für „Solar Power“ mit dem US-amerikanischen Songwriter und Produzenten Jack Antonoff zusammen; manche kennen ihn als Frontmann des beliebten Indieprojekts Bleachers, als ehemaligen Gitarristen der schrecklichen Popband Fun oder als wichtigen Kollaborateur von Taylor Swift. Ich habe eine ambivalente Hassliebe zu dem übertalentierten Antonoff – und damit bin ich längst nicht allein. Obwohl er für einige der besten Alben der letzten zehn Jahre verantwortlich war – insbesondere seine Zusammenarbeiten mit Lana Del Rey sind großartig –, schien er irgendwann überall zu sein und jedem Indie- oder Popsänger seinen Signature-Sound aufzudrücken. Die Leute wurden seiner überdrüssig, ein Gefühl, das bereits 2021 bei „Solar Power“ aufkam. Und doch denke ich jedes Mal, wenn ich das Album wieder auflege, wie perfekt seine modernisierte Siebzigerjahre-Produktion zur Gesamtstimmung des Albums passt. Nein – ehrlich gesagt möchte ich Antonoff niemals missen.
Im Titelsong „Solar Power“ finden sich die Einflüsse verschiedenster Feel-Good-Klassiker. Man wird an The Rolling Stones, „Screamadelica“ von Primal Scream und „Freedom! ’90“ von George Michael erinnert; sogar ein Verweis auf die wohl positivste Rapgruppe überhaupt, A Tribe Called Quest, ist enthalten – alles mündet in eine grinsende Partyatmosphäre. Sie hasst den Winter, erklärt Lorde, trägt Sonnenbrille und einen leuchtend gelben Bikini und singt: „Forget all of the tears that you’ve cried, it’s over.“ Du hast dich schlecht gefühlt? Blend es einfach aus. Der Winter endet in dem Moment, in dem du dich dafür entscheidest. Jeder andere Song auf „Solar Power“ erzeugt zwar ein ähnliches Gefühl sorglosen Dahintreibens, ist aber deutlich weniger tanzbar. Denn auf diesem Album macht Lorde vor allem eines: chillen. Wie von Gott geküsst liegt sie glücklich am Strand oder – besser noch – in einem Robinson-Club-Resort, sonnt sich und lässt sich einen Cocktail nach dem anderen bringen. Das Buch, von dem sie sich für das Album inspirieren ließ, trägt natürlich den Titel „How to Do Nothing“.
Während der Rest der Welt kaum eine andere Wahl hatte, als herumzuhängen – COVID, erinnert ihr euch? –, stellte Lorde ihr Privileg, genau das tun zu können, beinahe demonstrativ zur Schau. „I love this life that I have“, singt sie in einem Song namens „Stoned at the Nail Salon“ – ein Titel, der das repräsentativste Bild des gesamten Albums heraufbeschwört: Lorde, kaum noch bei Bewusstsein, gönnt sich eine Maniküre… Das hat etwas von reichen Hippies, die für überteuerte Yoga-Retreats nach Indien reisen; Vergleiche mit der gefeierten HBO-Serie „The White Lotus“ sind nahezu unvermeidlich. „I’m tryna get well from the inside / Plants and celebrity news, all the vitamins I consume / Let’s fly somewhere eastern, they’ll have what I need“, singt Lorde. Während ihre Durchbruchssingle „Royals“ einst betonte, sie wolle mit den klassischen Attributen des Ruhms nichts zu tun haben („That kind of luxe just ain’t for us / We crave a different kind of buzz“), schien sie diese Haltung auf „Solar Power“ aufzugeben.
Im Opener „The Path“ singt Lorde davon, weder ihren eigenen noch irgendeinen anderen Lebensweg suchen zu wollen, sondern zu hoffen, dass jemand anderes kommt und die Richtung vorgibt. Zunächst klingt das nach dem erwähnten Wunsch, die Seele treiben zu lassen; sich auf dem eigenen Erfolg auszuruhen. Beim genaueren Hinhören wird jedoch klar, dass „Solar Power“ eigentlich ein klassisches Anti-Ruhm-Album ist. Sie spricht von „poison arrows“, die auf ihren Kopf zielen, und gesteht, den Glauben an ihr eigenes Talent verloren zu haben. Der Opener bringt es in einer Zeile auf den Punkt: „Teen millionaire having nightmares from the camera flash“. Positive Dinge (Jugend/Geld/Aufmerksamkeit) werden von Lorde als negativ empfunden, als etwas, das an ihrer psychischen Gesundheit nagt. „Growing up a little at a time, then all at once“, singt sie an anderer Stelle.
Die Erwähnung von OxyContin – einem starken Schmerzmittel, das zur Opioidkrise in den USA beigetragen hat – ist essenziell. In „The Path“ setzt Lorde es mit sich selbst und ihrem Erfolg gleich: etwas, das eigentlich helfen und Leid lindern sollte, letztlich aber schädlich wurde. „If you’re looking for a saviour, well that’s not me.“ Lorde kann und will nicht unsere Erlöserin sein, weil das nichts Gutes hervorbringt; ein Gedanke, den auch Rapper Kendrick Lamar ein Jahr später auf seinem Meisterwerk „Mr. Morale & the Big Steppers“ erforschen sollte.
Viele der negativen Reaktionen auf „Solar Power“ rührten daher, dass Lordes Gefühle als Jammern auf hohem Niveau wahrgenommen wurden, als sogenannte First-World-Problems; die Künstlerin, die immer so nahbar gewirkt hatte, war es plötzlich nicht mehr. „Naja, manchmal ist halt Winter“, schienen die Kritiker zu denken. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Aber klar, wenn sie ihre ganze Scheißzeit am Strand verbringt, wie soll sie uns da retten? Schön, dass du Spaß am Strand hast, Lorde!“ Autorin Juliane Liebert fand harte Worte für das Album und meinte, es könne „nur von Menschen gemacht werden, die reich und schön sind, an den schönsten Orten der Welt abhängen und sich mit materiellen Sorgen oder begründeten Existenzängsten eher nicht auseinandersetzen müssen.“
Ich müsste die esoterische Spiritualität, die Lorde auf „Solar Power“ propagiert, eigentlich verabscheuen. Sie spricht davon, sich von der Gesellschaft abzuschotten und stattdessen im Einklang mit der Natur zu sein. Wenn Menschen mir so etwas erzählen, nervt mich das normalerweise; ich halte es für unproduktiv, für leere Pseudo-Tiefsinnigkeit. Nichts ist anstrengender als das unrealistische utopische Geschwafel von Hippies. In Interviews erklärte Lorde stolz, sie habe sich von sozialen Medien distanziert – etwas, das sie immer wieder besingt: Sie habe ihr Handy ins Wasser geworfen, aber selbst wenn nicht, würde sie die Anrufe ihres Labels ohnehin nicht beantworten. Na super, also eine reiche Popsängerin, die ihren Job nicht machen will … Wie edgy! Ihr freches Kichern, nachdem sie singt, dass sie unerreichbar sei, müsste mich eigentlich wahnsinnig machen.
Tut es aber nicht – und der Grund ist ziemlich simpel: Satire! Während Lorde in ihren realistischen, tagebuchartigen Songs sonst immer die Protagonistin war, erscheint sie auf „Solar Power“ zwar als sie selbst, allerdings in karikierter Form. Wer über sich selbst singt: „I’m kinda like a prettier Jesus“, kann das kaum völlig ernst meinen; ganz zu schweigen vom Albumcover, auf dem Lorde der Kamera ziemlich radikal ihren Hintern präsentiert. Dass die damals 24-Jährige einen Song „Secrets from a Girl (Who’s Seen It All)“ nennt, obwohl sie offensichtlich noch nicht alles gesehen hat, ist ebenfalls ein Witz. „Solar Power“ muss als Komödie verstanden werden – man sollte das Album nicht wörtlich nehmen.
Eine Komödie, ja, aber eine subtil wütende. Beim sonnigen Folk-Pop von „Solar Power“ denkt man nicht sofort an Worte wie „wütend“ – eher an das Gegenteil. Denn wie wütend kann schon jemand sein, der flüstert? Doch zwischen den Zeilen hört man, dass Lorde eine unterdrückte Abneigung gegen Hippies und Superreiche hegt, ihre Wut aber nur teilweise ausdrückt. Die Energie fehlt, Handeln fällt schwer. Dieses Gefühl passt nicht nur zum gedämpften, bewusst paralysierten Chill-Sound von „Solar Power“, sondern spiegelt auch die betäubte Bewegungsunfähigkeit junger Menschen wider, die sich der Probleme der Welt vollkommen bewusst sind, deshalb aber nicht unbedingt in Wut ausbrechen, sondern in Hilflosigkeit erstarren. In diesem Sinne ist „Solar Power“ ein extrem modernes Album und spiegelt ein weit verbreitetes Phänomen wider.
Damals berücksichtigten Kritiker diesen satirischen Aspekt entweder nicht oder empfanden ihn als unvollständig. Das Online-Musikmagazin Stereogum nannte das Konzept des Albums „muddy“; der populäre YouTube-Kritiker Anthony Fantano bezeichnete es als „satire without the satire“ und ergänzte: „It doesn’t sound like it’s taking the thing to task, it just sounds like thing.“ Er gab dem Album vernichtende 4/10 Punkte. Auch ich selbst unterschätzte das Album zunächst und war damals enttäuscht, bis mir schließlich klar wurde, dass Lorde diesen ganzen Hippie-Kram sehr wohl als Quatsch wahrnimmt: „Just another phase you’re rushing on through / Go all New Age / Outrunning your blues“, singt sie in Dominoes. Ob sie dabei mit jemand anderem oder sich selbst spricht, ist letztlich egal – das sind definitiv keine ermutigenden Worte.
Entscheidend für das Verständnis von „Solar Power“ ist der Song „California“. Während der sonnigste US-Bundesstaat in der Popkultur normalerweise als ultimatives Ziel dargestellt wird – ein Ort, den jeder Mensch erreichen will –, singt Lorde hier: „Don’t want that California love“. Sie lehnt die utopische Vorstellung Kaliforniens ab und sagt, der Staat halte sie am Hals fest. Atmen fällt schwer. Sie verweist außerdem auf „Once Upon a Time in Hollywood“ – das Tarantino-Meisterwerk, in dem Kalifornien von den schlimmsten Hippies überhaupt heimgesucht wird, der Manson Family. Doch über all diesen negativen Aspekten steht noch etwas Schlimmeres: Langeweile. Lorde will uns zeigen, dass es im Paradies vor allem eines gibt: nichts zu tun. Auch hier passt der Inhalt perfekt zum zurückhaltenden Sound des Albums; explosive Musik wie auf „Melodrama“ hätte völlig fehl am Platz gewirkt. Auf „Solar Power“ hat man ständig das Gefühl, dass etwas fehlt – man fühlt sich wie Lorde selbst, die in einem All-inclusive-Hotel liegt und sich fragt, ob das wirklich schon alles ist.
„I wonder sometimes what I’m missing“, singt sie. „The whole world changes right around you“. Wenn man bedenkt, dass Lorde hier ihre eigene Wertlosigkeit anerkennt, wirkt „Solar Power“ plötzlich ultratragisch. Sie ist emotional abgestumpft; jemand anderes muss ihr sagen, wie sie sich fühlt. Nicht einmal ihre Lieblingsmusik gefällt ihr noch, singt sie – und das ist natürlich das Traurigste von allem. „Where are the dreams that we had?“ Nun, sie wurden zu Albträumen. In „California“ wiederholt sie mehrfach, sie wünsche sich, aufzuwachen. Lorde ist depressiv, doch sie liegt nicht allein in einem dunklen Zimmer oder weint unter der Dusche – sie befindet sich im Paradies, wo alles existiert, was man sich wünschen könnte. Alles, außer die echten Probleme.
Eine Schlüssellinie auf „Solar Power“ stammt nicht von Lorde selbst, sondern von der großartigen Elektropop-Ikone Robyn, deren Weisheit ich den ganzen Tag zuhören könnte: „The temperature is unbearable, until you face it“. Sehr wahr. Sich hinzulegen, sich aus der Welt zurückzuziehen und einfach zu hoffen, dass alles irgendwie besser wird, ist der einfachste Weg, mit unserer Erschöpfung umzugehen. Aber auch der verantwortungsloseste.
Nein, das hier ist kein Traum. Und Schmerzmittel helfen eben nur bis zu einem gewissen Punkt.

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