„Musik ist Trumpf wäre aber toll!“ – Das Urlaub in Polen Interview
Urlaub in Polen haben etwas von einem Tchibo-Radiowecker: Sie überdauern die Zeit. Vom Sound her unterscheiden sie sich natürlich völlig. Das Duo von Georg Brenner und Jan Philipp Janzen steht für tighte, hypnotisch ekstatische Live-Shows und fügte dem eigenen Kanon mit „Objects, Beings & Parrots“ gerade ein weiteres Album zu. Marc Wilde traf sie zu diesem ausführlichen wie kurzweiligen Gespräch.
Als wir das letzte Mal gesprochen haben – das war nach eurem Konzert im Bumann & SOHN in Köln – kam Aydo Abay plötzlich backstage zur Tür rein und sagte: „Ihr seid so geil. Es wird einfach nicht schlechter.“ Dem kann ich mich nur anschließen.
Georg: Sehr schön – daran erinnere ich mich gar nicht mehr. Aber ich kann’s mir gut vorstellen. Aydo gehört zu den wenigen Menschen, die ich noch aus meiner Zeit in Köln kenne. Obwohl das inzwischen Jahre her ist, haben wir bis heute regelmäßig Kontakt. Und wenn man sich nach einer Weile wiedersieht, dann fühlt es sich so an, als wäre es gestern gewesen.
Ihr habt ja auch eine gemeinsame Bandvergangenheit und zusammen bei Ken gespielt. Wie ist das bei dir, Philipp: Hattet ihr auch schon gemeinsame Projekte?
Philipp: Kennengelernt habe ich Aydo, als wir eine Supportshow für Blackmail gespielt haben, in Augsburg oder Würzburg. Über die Zeit ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Ich schätze Aydo als Musiker, vor allem sehe ich ihn aber als engen Freund.

Foto: Kirsten Bohlig / @kiraura
Bei unserem letzten Gespräch im April konntet ihr bereits berichten, dass ihr viel neues Material hättet und bereits an der Auswahl für Songs arbeiten würdet. Was hat denn überhaupt den Anstoß gegeben, ein weiteres Album aufzunehmen?
Philipp: Ehrlich gesagt, war es anfänglich so, dass wir eigentlich nur unsere alten Schinken noch einmal neu aufnehmen wollten, um zu gucken, wie die sich jetzt nach tausend Mal spielen im neuen Gewand anfühlen und soundtechnisch klingen würden. Dann hatten wir aber beide sehr schnell den Eindruck, das führt zu gar nichts.
Georg: Richtig. Und dann waren noch drei oder vier Tage im Studio übrig und wir haben angefangen zu jammen. Und daraus hat sich was entwickelt.
Philipp: Zunächst hat Georg ganz viel gemacht, was Struktur und Arrangements anbelangt. Dann habe ich weiter daran geackert und bin mehr in die Tiefe gegangen – alles mit der Prämisse, dass es live umsetzbar sein sollte. Aber ehrlich gesagt, war das von Anfang an eine faule Prämisse, weil das eigentlich gar nicht interessiert. Man geht ja ins Studio mit der Idee, eine schöne Platte zu machen – um nicht zu sagen: eine sehr schöne Platte. Die Mission ist: „Wir nehmen jetzt das weiße Album auf, nur besser.“
Georg: Andere Farbe halt: nicht weiß.
Philipp: Genau, mal was mit Farbe! Bei uns war es jetzt so, dass wir alles übers Jammen erarbeitet haben. Wir haben live eingespielt, es war also keine Konstruktion am Computer. Aber durch das Schichten und den spielerischen Umgang mit dem Material ist etwas entstanden, wo wir jetzt doch ordentlich ins Schwitzen geraten bei dem Gedanken, dass wir das live umsetzen müssen.
Georg: Ich glaube, dieser Purismus führt eh in die Sackgasse. Wir sind ja keine Jazzmusiker, die mit ihrem Horn und einem Mikrofon ins Studio gehen. Und ich finde den Anspruch so aufzunehmen, dass es dann hinterher genau so live gespielt werden kann, auch eher langweilig. Spannend ist doch, Versionen zu finden, die den Kern des Songs transportieren.
Abgesehen davon, ist es in den letzten Jahren auch nicht so gewesen, dass ihr nach einem Album auf Tour geht und dann nur die neuen Stücke spielt. Im Zentrum stehen ja weiterhin meist eure Klassiker.
Philipp: Ja, aber genau das war immer ein Abfuck, dass es seit unserer zweiten Platte vorrangig nur die Songs live zu hören gab, die wir zu einem Zeitpunkt aufgenommen haben, als man noch nicht schichten und kappen konnte. Die neuen Stücke waren für uns zum großen Teil immer ein Kampf. Und das lag daran, dass wir einfach nicht die Zeit hatten, für die Sachen, die wir im Studio erarbeitet haben, einen Weg zu finden. Diesmal wird es, glaube ich, das erste Mal anders sein – weil wir da keine Lust mehr darauf haben.
Wenn ihr jetzt die aktuellen Songs mit denen von den letzten Alben vergleicht, wie würdet ihr sie stilistisch einordnen? Habt ihr bewusst neue Akzente setzen wollen?
Georg: Vielleicht ist es diesmal konsequenter umgesetzt. Ich habe den Eindruck, bei der Ausarbeitung der ganzen Tracks bin ich jetzt das erste Mal in der Lage gewesen, die Stücke in der Postproduktion so zu arrangieren, wie ich das vorher gar nicht konnte. Und das hat auch was mit den Umständen zu tun. Keiner hat auf das Album gewartet. Wir hatten also wirklich Zeit. Und das hat der Sache sehr gutgetan. Das Album ist bisher nach meinem Geschmack mit am ausgereiftesten. Oder wie siehst du das, Philipp?
Philipp: Ja, auf jeden Fall. Also ich gebe dir da total Recht – auch damit, dass du dich diesmal vorab schon viel stärker für den Produktionsprozess fit gemacht hast. Du hast ein halbes Jahr lang an den Spuren rumgefeilt und das hat wahnsinnig viel gebracht. Wir konnten diesmal vollkommen befreit arbeiten, es gab keine technischen Limitierungen, aber auch keine unendlichen Auswahlmöglichkeiten. Wir konnten einfach eine Platte machen. Was aber auch mit zur Wahrheit gehört: Anfangs bin ich auch in den Prozess mit dem Gedanken gestartet: „Ja komm, noch mal eine Platte machen, holt man sich einen Vorschuss ab und tschüss.“
„Sie wollten nur das Geld“ – das wird die Überschrift.
Georg: (lacht) Super, bitte nur noch ergänzen: „…hat leider nicht funktioniert“.
Philipp: Vom Anfang bis zum Ende war es jedenfalls komplett entspannt. Und es gab keinen finanziellen Druck. Wir leben ja nicht mehr davon. Obwohl: Ich weiß nicht, ob wir jemals davon gelebt haben …
Georg: (lacht) … „dafür“, Philipp. Wir leben dafür!
Philipp: Wir leben auch nicht mehr dafür. Keiner von uns denkt, wir müssten noch aufs Titelblatt des NME. Die ganzen Rahmenbedingungen – sowohl von außen als auch die von uns selbst gesetzten – haben einfach gepasst. Okay, wir reden jetzt so, als sei das ein Meisterwerk. Aber es IST ein Meisterwerk!

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Ihr habt jetzt sehr viel über die Rahmenbedingungen gesprochen. Wie würdet ihr das Album vom musikalischen Ergebnis her beschreiben, gibt es so etwas wie eine inhaltliche Klammer?
Georg: Also ich finde es auf jeden Fall sehr homogen. Obwohl es auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so wirken mag. Die Stücke tragen alle eine Handschrift. Und das ist tatsächlich ein Stück weit Philipp zuzuordnen, weil er so eine ganz eigene Form von Klangästhetik in seine Produktionen reinbringt – auch wenn die Songs von der Stilistik teilweise auseinander gehen. Die Produktion bindet das Album zusammen, so dass trotz der Unterschiede nicht der Eindruck entsteht, man sei plötzlich in einem ganz anderen Film. Es bleibt ein und derselbe Film, mit sehr unterschiedlichen Szenarien.
Philipp: Das finde ich wahnsinnig gut, wie du das gerade beschreibst. Die Komplimente kann ich auch nur zurückgeben: Bei der Platte war es das erste Mal so, dass ich uneingeschränkte Hochachtung vor deinem musikalischen Schaffen hatte. Es gab ja durchaus über viele Jahre hinweg Reibungspunkte zwischen uns, die weniger mit der Art und Weise zu spielen zu tun hatten – das war immer super –, sondern mit dem musikalischen Überbau. Mir ist dann aber irgendwann bewusst geworden, dass es immer ein riesiger Fehler von mir gewesen ist, zu versuchen, subkulturell verortete Aspekte von Popmusik in Urlaub in Polen unterzubringen.
Was meinst du genau mit musikalischem Überbau?
Philipp: Das ist eher so eine Attitude-Sache. Ich bin ja mit so einer Diedrich-Diederichsen-Perspektive auf Popmusik sozialisiert. Klammer auf: Ich fand trotzdem immer scheiße, wie er geschrieben hat. Klammer zu. Als ob nicht das eigentliche Musikmachen im Vordergrund stehen würde, sondern der Subtext: was man für Klamotten anhat usw. Und diese Art der Bewertung, das war vielleicht kein Hemmschuh, aber das war ein steter Begleiter in unserem gemeinsamen Arbeiten, Georg.
Georg: Du hast früher oft stärker in Klischees gedacht. Ich für meinen Teil hatte für solche Dinge keine Zeit und ein 100-prozentiges Desinteresse. Mir ging es immer nur um den Sound.
Philipp: Exakt. Und das – ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, es hat mich gestört –, aber ich habe versucht, eine andere Perspektive reinzubringen. Mittlerweile habe ich verstanden, dass dies eine pubertäre Sichtweise ist. Solche ästhetischen Distinktionsaspekte spielen halt insgesamt keine Rolle mehr. Und so viel Scheiße es in den Modern Times gibt, das ist wirklich ein Aspekt, der total gut ist: dass man heutzutage Stoner Rock machen kann und nicht der allerletzte Honky Tonk ist.
Lasst uns noch etwas konkreter über die Songs sprechen: Was hat euch dazu gebracht, „Objects, Beings & Parrots“, diese kleine Soundskizze von knapp zwei Minuten, zum Titeltrack zu machen?
Georg: Gute Frage. Ich glaube, das hat gar keinen besonderen Hintergrund. Dieses Interlude ist irgendwie so entstanden und dann hatten wir einfach die Idee, das Stück für den Albumtitel zu nehmen.
Philipp: Nein, das stimmt nicht. Kein Wort, das du gesagt hast, stimmt.
Georg: Okay, ich lüge also wie gedruckt …
Philipp: Vielleicht unbewusst. Die Geschichte geht folgendermaßen: Wir saßen bei irgendeinem Jam zusammen und du kamst gerade aus Bern zurück, wo du dir deinen alljährlichen LSD-Freakout gegeben hast. Das war lange, bevor wir das Stück aufgenommen haben. Und du hast mir davon erzählt, nach einem starken LSD-Trip wärest du überzeugt gewesen, die Weltformel gesehen zu haben. Die sich runterbrechen lässt auf: Dinge, Wesen und Papageien. Das hatte ich mir notiert und irgendwann, als wir über den Albumtitel gesprochen haben, poppte das wieder auf,
Perfekt. Ich habe jetzt alles, was ich brauche.
Philipp: LSD-Trip.
Georg: Drogen.
Ja, das werden wir reißerisch rausbringen. Aber jetzt zu den Texten: Stammen die alle von dir, Georg, weil du sie auch singst? Oder bist du auch daran beteiligt, Philipp?
Philipp: Georg schreibt die Texte. Die haben für mich auch oft etwas lautmalerisches, so was Ernst-Jandl-mäßiges. Und ich habe das Gefühl, dass das Schreiben bei Georg fast schon einen psychotherapeutischen Effekt hat.
Georg: Das weiß ich gar nicht. Ich setze mich jedenfalls nicht hin und nehme mir bewusst vor, ein Lied über die Zusammenhänge der Welt zu schreiben. Das läuft eher assoziativ ab. Man kauderwelscht irgendwas vor sich hin, versucht, eine Melodie zu finden, und dann ergeben sich irgendwelche Fragmente, Wortfetzen. Oder es entstehen Klänge und dann formt sich da was raus. Das ist so eine Art automatisches Schreiben – das gab es auch als Kunstströmung: dass man durchs Unterbewusste Dinge ausformuliert, die erst später Sinn ergeben.
Das merkt man deinen Texten auch an. Die lassen sich ja selten einem bestimmten Thema zuordnen. Man muss sich schon seinen eigenen Reim drauf machen.
Georg: Ja, und das finde ich eigentlich auch das Interessante: dass einfach nur Wortbilder aufgerufen werden, die für jeden etwas anderes erzeugen. Im Gegensatz zum Protestlied. Da weiß man, es gibt diese eine Botschaft und die ist für alle erkennbar.

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Es gibt allerdings einen Song auf dem neuen Album, bei dem ich das Gefühl habe, dass in dem Text eine Botschaft enthalten ist: „Face of Reason“. Es wird von einem „alphabet of hate“ gesprochen und du singst über eine Welt voller Jerks und Creeps.
Georg: Ich glaube, das war zunächst rein assoziativ, aber es hat sich dann im Laufe der Zeit beim Texten herausgestellt, was da gesagt werden will. Man hat sich in letzter Zeit ja auch viel mit Leuten über die politische Weltlage unterhalten. Und allen ist irgendwie anzumerken, dass es extrem krass geworden ist, so wie wir das eigentlich noch gar nicht kennen. Wir sind zum Beispiel anders aufgewachsen, was unser Bild von Amerika angeht – der Gaza-Krieg, alles, was da zurzeit abgeht. Und ich glaube, der Text ist so ein bisschen eine Bestandsaufnahme davon.
Philipp hat mal in einem Interview über dich gesagt, er wäre froh darüber, dass du es immer geschafft hättest, die Band von Politik und Diskurs fernzuhalten. Dir würde es einzig um „die Wirklichkeit des Sounds“ gehen.
Georg: Ich war allerdings auch immer der Auffassung, dass man das gar nicht thematisieren muss, sondern, dass das, was wir tun, per se eine politische Handlung ist.
Philipp: Ja, und so lässt es sich dann eben auch nicht ideologisch vereinnahmen. Und da bin ich im Nachhinein sehr froh darüber, dass Georg sich vom popmusikalischen Diskursrahmen nicht hat einengen lassen. Selbst wenn ich das früher anders gesehen habe. Mittlerweile bin ich einfach nur dankbar, dass wir durch Georgs Haltung keine Band geworden sind, die unter dem Verdacht steht, einen offenen Brief zu schreiben – zu irgendeiner Scheiße. Offene Briefe gibt es bei uns nicht.
Georg: Auf keinen Fall. Auch keine Ansichtskarte!
Okay, dann lasst uns über den Sound sprechen. „Abacus“, eure erste Single, kreist um ein prägnantes Gitarren-Riff und startet wie ein klassischer Urlaub-in-Polen-Song mit einem nach vorne preschenden Schlagzeugbeat. Dann sticht plötzlich ein neues Element hervor: eine Mundharmonika. Bei der ich erst gar nicht geschnallt habe, dass es überhaupt eine Mundharmonika ist.
Georg: So war es gemeint. Es ist eigentlich ein Gitarrenpart, der aber von der Mundharmonika umgesetzt wird.
Philipp: Nein, so war es eigentlich nicht gemeint.
Georg: Nicht?
Philipp: Es ist eine Referenz. Die gibt es natürlich immer wieder in gewisser Weise und das widerspricht auch überhaupt nicht dem Spirit der Band. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt waren die Überschneidungen nicht mehr von der Hand zu weisen. Wir befanden uns so knietief in einer King Gizzard-Logik, dass wir uns dem Klischee ganz hingegeben und noch die Mundharmonika obendrauf gepackt haben.
Apropos Referenz: Wie sehr nervt dich eigentlich die Frage, inwieweit dein Schlagzeugspiel von Krautrockbands wie Neu und Can beeinflusst ist?
Philipp: Null Komma gar nicht. Mich nervt es auch unter anderem deswegen nicht, weil ich diesen Beat das erste Mal weder von Dinger, noch von Liebezeit gehört habe, sondern von Motörhead. Und zwar auf der „Bomber“-Platte. Das war zwar keine Erleuchtung, aber ich dachte sofort: „That’s the shit.“ Und bis heute überlege ich, woher diese Faszination kommt für das, was man im Allgemeinen als „teutonischen Beat“ bezeichnet.
Georg: Das ist preußisches Blut.
Philipp: Exakt, und bis heute verfolgt mich das. Wobei das ja überhaupt nicht naheliegend ist – gerade, wenn man wie ich aus einer eher anti-deutschen Richtung kommt, wo man sich maximal kritisch mit der eigenen Herkunft auseinandersetzt.
Georg: Mich kriegt der Beat auch sofort.
Philipp: Die Klarheit, die Strukturiertheit – wie der nach vorne marschiert, das ist die einzige Verbindung, die ich dazu finde. Vielleicht hat es auch mit der Musik zu tun, mit der ich großgeworden bin. Meine Eltern haben Jimi Hendrix gehört. Das habe ich zwar auch gemocht, aber prägender war wahrscheinlich doch eher der Radetzky-Marsch, den mein Opa gehört hat: Tschumpa-tschumpa-zacki-zacki. Tut mir leid, ist halt so.
Jetzt, wo der Name des Can-Schlagzeugers Jaki Liebezeit schon gefallen ist – es gibt ja auch einen Ausreißer auf dem Album: „Jaki’s Love Time“: Ein langsamer Song mit akustischer Gitarre. Wie ist es dazu gekommen?
Georg: Damit hat es eine doppelte Bewandtnis. Der Song ist nämlich Philipps Sohn gewidmet, der mit Vornamen Jaki heißt. Und weil er, glaube ich, tatsächlich nach Jaki Liebezeit benannt wurde, dachten wir, es sei vielleicht eine nette Idee.
Philipp: Nein, du dachtest das. Dazu muss man wissen, dass der Song zu 101 % von Georg geschrieben wurde. Du hast ihn mir geschickt und gefragt: „Kann man das machen?“ Und ich dachte nur: „Willst du mich verarschen?“ Ich fand den direkt super. Und als du dann meintest – da waren wir schon beim Mischen – du würdest den Song gerne dem Jaki widmen, haben wir zusammen überlegt, wie man den möglicherweise etwas anders nennen könnte.
Den Titel habe ich natürlich als bösen Witz empfunden, weil ein Schlagzeug gar nicht vorkommt.
Georg: Ja, das ist halt die andere Ebene …
Philipp: … Dialektik!

Foto: Kirsten Bohlig / @kiraura
Ich würde zum Schluss noch einmal auf die Produktion zurückkommen wollen. Ihr habt das Album wieder in der Eifel, im M.A.R.S.-Studio, aufgenommen. Was verbindet euch mit dem Ort?
Georg: Ab dem dritten Album haben wir in der Eifel gearbeitet. Die ersten beiden Platten sind mit Guido Lucas in Troisdorf entstanden. Der Wechsel in die Eifel ist dann durch Bertil Mark zustande gekommen. Das Studio liegt in einem winzigen, kleinen Dörfchen – man ist komplett im Off.
Mir ist M.A.R.S nur über Thomas D ein Begriff. Ist das nicht aus einem Kollektivgedanken heraus entstanden?
Georg: Ja, das Kollektiv hat ursprünglich Thomas ins Leben gerufen, aber die Sache hat sich dann vor einigen Jahren erledigt. Thomas hat zwar noch lange dort gelebt, aber inzwischen ist er weggezogen. Über die Jahre ist dort auf einem alten Reitergehöft ein Studio entstanden. Thomas und Bertil haben eine alte Scheune ausgebaut und alles sehr liebevoll gestaltet.
Philipp: Ich habe wirklich extrem viele Erfahrungen mit anderen Studios gesammelt und kann nur sagen, dass es nicht nur von der Location her superschön gelegen und unheimlich nett ist, sondern es auch technisch hervorragend ausgestattet ist. Es ist einfach das beste Studio überhaupt – und wir haben dank Thomas und Bertil das Privileg, dort sein zu dürfen.
Georg: Da wir den Ort schon so lange kennen, entsteht für uns auch schnell so eine Art Wohnzimmeratmosphäre. Sagen wir so: Man weiß, wo die Tassen im Schrank stehen.

Nach dem Album folgt ja in der Regel noch eine Tour. Steht da schon was fest? Eigentlich wolltet ihr euch das Touren bzw. die damit verbundenen Strapazen – im Jugendzentrum pennen usw. – ja nicht mehr antun.
Georg: Geplant ist, dass wir ab Mai spielen und dann bis in den Sommer rein. Es ist aber mittlerweile auch so, dass wir gar nicht mehr durchgehend mehrere Wochen auf Tour gehen, sondern uns die Auftritte eher aufs lange Wochenende legen. Montag oder Dienstag irgendwo in Heilbronn – das kann man sich sparen.
Philipp: Und ja, klar ist das anstrengend. Aber, ich glaube, der große Spaß für uns wird sein, dass wir dann unser neues Material präsentieren können. Und das ist jetzt für uns nochmal eine neue Herausforderung, weil wir es die letzten Jahre gewohnt waren, einfach unser altbekanntes Material rauszuknallen.
Bei unserem letzten Gespräch habt ihr erzählt, dass ein Grund für eure lange Auszeit mit den Begleitumständen in den Clubs zu tun hatte: Permanent beim Abbauen dieselben Indie-Lieder aus den Boxen hören zu müssen.
Georg: Das stimmt, wir haben das in einem bestimmten Zeitraum – gefühlt vor 100 Jahren – sehr exzessiv betrieben. In einer Art und Weise, dass wir irgendwann ausgebrannt waren.
Philipp: Ja, man ist jedes Wochenende unterwegs und das merke ich jetzt auch wieder, wenn ich mit den Sternen auf Tour bin, dass …
Georg: … die Sozialkontakte drunter leiden.
Philipp: Genau, aber auch die Termine, die man gerne wahrnehmen würde, all das geht flöten. Und zwar in einer Größenordnung, die schon nerven kann, wenn man einfach zu Sachen nicht mehr kommt, die einem wichtig sind: Geburtstage, Vorträge, Konzerte usw. – alles, was man normalerweise eigentlich privat gerne machen würde …
Georg: Musik ist Trumpf.
[Gelächter]
Du lieferst schon wieder die nächste Überschrift.
Philipp: Genau!
Georg: „Musik ist Trumpf“ wäre aber toll!
Interview: Marc Wilde
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Urlaub in Polen auf Tour 2026
28.05.2026 Köln, Bumann & Sohn
29.05.2026 Mainz, Schon Schön
30.05.2026 Wuppertal, Die Börse
31.05.2026 Leer, Zollhaus
04.06.2026 Chemnitz, aaltra
05.06.2026 Hamburg, Hafenklang
06.06.2026 Kassel, Sandershaus





