Record of the Week

Arlo Parks   „Ambiguous Desire“

Arlo Parks  
„Ambiguous Desire“
(Transgressive Records / Pias)

„We´re doing dishes“. Das ist der erste Satz, den Arlo Parks auf ihrem neuen Album singt. Die 25-jährige Sängerin aus London kümmert sich also gerade mit Freund:innen um den Abwasch. Eine profane Szene. Doch plötzlich geht es um Liebe, Nachtdurst und großes Verlangen. So ist das oft in Songs der schon bei den BRIT Awards prämierten Künstlerin: Es beginnt unverfänglich, aber auf einmal werden existentielle Themen verhandelt.

Während sich der Vorgänger um Selbstzerstörung und Bewusstsein drehte, ist auf „Ambiguous Desire“ Sehnsucht zentrales Thema. Es geht etwa um die Hoffnung, dass die oder der neu:e Liebhaber:in genauso intensiv fühlt wie man selbst. In „Heaven“ singt Arlo Parks sehr sinnlich über Körper im Sommerwind, Markenkleidung und Diät-Cola. Selten klang ein Song mit product placement romantischer: „You’re embedded in me like the scar on my arm“, heißt es hier.

Ob sie die heiße Jahreszeit in New York City im Kopf hatte, wo sie zuletzt wieder viel Zeit verbracht hat? Einmal wird die Stadt explizit genannt. Die Metropole hinterließ Spuren in Arlo Parks, das steht auch in ihrem 2023 erschienenen Buch „The Magic Border“, das Gedichte und Fragmente enthält. Dort erfährt man, dass sie Fan vom US-Komponisten Arthur Russell ist, aber auch Missy Elliott und Frank Ocean verehrt, dessen Einfluss man in den neuen Liedern noch am ehesten raushört.

Die zehren vor allem vom New Yorker Nachtleben, Arlo Parks hat während der Aufnahmen viel gefeiert, auch deshalb klingt ihr drittes Album wohl so auffallend clubbig. Man denkt an verspielte Edits von Theo Parrish, manchmal an Burial. „Blue Disco“ hat langsame House-Beats, „Nightswimming“ zieht es mit mehr Tempo und raviger Note auf den Dancefloor, auch wenn sich hier kein Drop entlädt. Dann wären da noch satte Breakbeats in „Get Go“, die an Jamie xx erinnern. Den Ton geben nun modulare Synthesizer an, auch Sampler kommen zum Einsatz. Im bassigen „Jetta“ hört man am Ende Musik und Geräusche in einem Club, anderswo finden sich auch Gesprächs- und Telefonfetzen eingebettet. Diese Technik hat zuletzt der britische Produzent Fred again.. populär gemacht. Im Pressetext heißt es zudem, dass sich Arlo Parks auch vom Paradise Garage inspirieren ließ. Den Laden gibt es jedoch seit 1987 nicht mehr, 2018 wurde auch das Gebäude abgerissen. Für die queere und Schwarze Community war der New Yorker Club ein wichtiger Ort, ja, vermutlich eine Art Heterotopie.

Im Pressetext heißt es zudem, dass sich Arlo Parks auch vom Paradise Garage inspirieren ließ. Den Laden gibt es jedoch seit 1987 nicht mehr, 2018 wurde auch das Gebäude abgerissen. Für die queere und Schwarze Community war der New Yorker Club ein wichtiger Ort, ja, vermutlich eine Art Heterotopie.

Die Club-Referenzen erinnern auf dem Album an kollektive Glücksgefühle. Doch Arlo Parks denkt immer noch viel nach: etwa darüber, warum sie in sich selbst kein Zuhause findet. Einmal singt sie über frühere Suizidgedanken, es geht auch um Angst vor der Liebe. Dennoch bieten die Songs vor allem eines: Trost. Vulnerabilität ist bei Arlo Parks eine Superkraft. Ihr weicher und unprätentiöser Gesang wirkt einfach sofort vertraut.

„Ambiguous Desire“ kann man sich wie einen guten Freund vorstellen, der uns in den Arm nimmt, uns neuerdings auch in den Club begleitet und am nächsten Tag sogar beim Abwasch hilft.

 

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