selbst nüchtern wie ein Vollrausch: c/o pop Festival 2026

DJ-Trio Cuisine Records (Photo: Lennart Brauwers)
Das c/o pop Festival 2026 zeigte einmal mehr, warum Köln für ein paar Tage im Jahr zum Gravitationszentrum zwischen Pop, Diskurs und eskalierender Nacht wird.
Ein frühes Highlight: ELLiS·D im Bumann & Sohn. Im Bowie-Shirt, mit aufgerissenen Augen und einer Band, die so aussah, als hätte sie sich direkt aus einem Siebziger-Proberaum auf die Bühne teleportiert, spannte Ellis Dickson den Bogen zwischen Post-Punk und Art-Rock. Irgendwo zwischen David Bowie und – ja, ist kölsch genug – Can krachte und klapperte es. Dazu irre Synth-Ausbrüche und Gitarren, die gleichzeitig glamig, punkig und krautig wirkten.
Ebenfalls im Bumann & Sohn aufgetreten sind die GiGi Girls: Drei Menschen, zwei Sängerinnen im Hochzeitskleid, dazu diese vielbeschworene „GiGi Energy“: Italo-Pop trifft Dream-Pop, ohne ins Ironische oder bloß Gimmickhafte abzurutschen. Anders als bei Roy Bianco & die Abbrunzati Boys ist das hier ernst gemeinte Nostalgie – warm, zugänglich, aber nie billig. Das Publikum ließ sich bereitwillig in diesen sanften Sog ziehen.
Dass das Festival auch abseits klassischer Bühnen funktionierte, bewies der Kölncampus-Bus auf der Venloer Straße. Dauerhaft gutes Programm und vor allem: Party. Als das DJ-Trio Cuisine Records am Samstagabend übernahm, wurde selbst der Regen zur Randnotiz. Zwischen Daft Punk, Piano-House und Exotischem entstand ein Flow, der selbst nüchtern wie ein Vollrausch wirkte. Jung und alt tanzten, blieben stehen, kamen zusammen – genau so, wie man sich Stadtkultur wünscht.
Im Cinenova wiederum wurde es ernst: Das Panel „Mehr Punk wagen?!“ verhandelte nichts Geringeres als die Rolle von Kunst in Zeiten politischer Verschiebungen. Mit Stimmen aus Theater, Festivalorganisation und Bands wie Team Scheisse wurde klar: Punk ist hier weniger Genre als Haltung – laut, widersprüchlich, notwendig.
Ergänzung aus der Redaktion: der Autor spielte mit seiner Band Zoo/Flora selbst auf dem c/o pop Festival in diesem Jahr – folgendes Bild, das den Eindruck vermittelt, dass er wohl eine gute Zeit hatte, wurde uns zugespielt









