DON MARCO & DIE KLEINE FREIHEIT – Videopremiere "Nervös"

“Beim Rumrennen im Gestrüpp mussten wir halt aufpassen, dass wir uns nicht die Haxn brechen

Don Marco (Photo: Tibor Bozi)

 

Don Marco & die kleine Freiheit sind das neue musikalische Betätigungsfeld von Markus „Don Marco“ Naegele. Nach zwei englischsprachigen Alben als Songwriter, Sänger und Gitarrist der Indie-Garage-Rockband Fuck Yeah ist er zur deutschen Sprache übergewechselt. Unterstützt wird er dabei von Kristof Hahn (Swans), Tim Jürgens (Superpunk, Liga der gewöhnlichen Gentlemen), Nick Buttermilch (Drums), der zur letzten Formation von Fuck Yeah gehört und von Kevin Ippisch (Fuck Yeah) und Philip Bradatsch wechselnd an der Lead-Gitarre.

Markus, bist du jemand, der oft nervös ist? Und wenn ja, wieso?
Ich fürchte ja. So ein wenig getrieben und obsessiv bin ich wohl schon. Eine innere Unruhe habe ich schon lange, irgendwie läuft immer die Zeit, springe ich vom einen Thema zum nächsten, spiele nervös mit Stiften rum, trommel auf dem Tisch, zuppel am Bart. Das nervt schon auch mal. Während die Frau sich wunderbar entspannen kann und tatenlos in die Ferne starrt, drehen sich bei mir immer die Gedanken. Ich arbeite sehr schnell und überhole mich auch schon mal. Hat natürlich auch damit zu tun, dass ich Job und die Musik zusammenbringen muss. Beides ist zeitintensiv. Wo andere ewig über Emails brüten, hau ich die oft im Minutentakt raus.

Warst du denn beim Dreh des Videos nervös?
Da ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich hab getan, was mir gesagt wurde, hatte das Handy ausgeschaltet, lief durch den Wald. Sehr angenehm. Das war richtiggehend entspannend. Ich laufe ja auch wirklich oft durch den Wald, um irgendwie runterzukommen, mich auf eine Sache zu konzentrieren, in Ruhe Musik zu hören. Und Tibor Bozi und Flo Stielow hatten einen Plan, das war super.

Das Video wurde vin Tibor Bozi konzipiert und umgesetzt, einer, das kann man so sicherlich sagen: Musikfotografie Legende der 90er Jahre mit seinen Bildern für Spex eta al. Was kannst du zur Genese sagen?
Wir kennen uns seit einigen Jahren hier in München und sind inzwischen gut befreundet. Er ist ein bunter Vogel, wie man so schön sagt, total verrückt und gleichzeitig immer neugierig und total professionell.
Er hat ja wirklich mit unfassbar vielen Musikern, Schauspielern,Politikern gearbeitet. Ob Beastie Boys, T.C. Boyle, Eminem, Alice Cooper, Björk, es gibt wirklich kaum eine(n), die oder den er nicht vor der Kamera hatte. Die Fotos fürs Album hat er auch gemacht, was natürlich total super ist, weil ich mir das normalerweise nie leisten könnte. Aber ihm gefällt, was ich mache und wie ich Dinge durchziehe, vor denen andere immer nur warnen.
Beim Video haben wir grob die Ideen besprochen, dann hat er sich ein Script ausgedacht und das wurde abgearbeitet. Ich fand das sehr angenehm, weil ich gleich gemerkt habe, dass er weiß, was er tut. Und ich hab ihm dann einfach vertraut. Den Flo Stielow sollte man auch auf jeden Fall erwähnen, der hat gefilmt und geschnitten, der arbeitet sonst fürs Fernsehen und hat auch schon diverse Videos gemacht, vor allem im Rap-Umfeld.

Gab es ein besonderes Ereignis beim Dreh?
Größere Dramen sind nicht passiert, beim Rumrennen im Gestrüpp mussten wir halt aufpassen, dass wir uns nicht die Haxn brechen inmitten der Wurzeln. Am Schwierigsten fand ich es tatsächlich ganz natürlich zu rauchen. Sobald da eine Kamera vor dir ist, macht man sich Gedanken, wie das aussieht.

Du hast ja schon vor Corona wieder begonnen neben deinem Day-Job als Verlagsleiter bei Heyne Hardcore wieder Musik zu machen. Wie wichtig war und ist es denn in der aktuellen Situation für dich die Musik als Ventil zu haben?
Ganz ehrlich: Ohne die Musik und die Beschäftigung mit dem Album wäre ich wahrscheinlich durchgedreht. Im Frühjahr hatten wir im Verlag ganz viele Großprojekte und Lesereisen mit irre viel Vorarbeit, auf die ich mich massiv gefreut hatte. Debbie Harry & Chris Stein, Billy Bragg, Irvine Welsh, John Niven, Jon Savage und viele andere waren geplant. Und dann ist eins nach dem anderen wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Erst hatte man gar keine Zeit zu jammern, weil man versucht hat alles umzulegen, das war ein heftiger Kraftakt. Und dann wurde es ja Ende März ziemlich finster.
Zum Glück habe ich mich dann neben dem Job voll in die Arbeit am Album gestürzt, so hatte ich ein echtes Ziel vor Augen. Die Aufnahmen waren ja schon im letzten Herbst entstanden, jetzt ging es darum, wie und mit wem man das rausbringt und dann die ganze Kleinarbeit. Die Labelsuche war erst frustrierend, weil die ganzen größeren Indie-Labels sich ewig haben bitten lassen, um dann so halbgar abzusagen. Aber dann kam der Johnny Hanke von Off Label Records, der mich mit seiner Begeisterung ansteckte. Und plötzlich kamen ganz viele Dinge ins Rollen, vom Musikverlag über die ganzen Videos, Fotoshootings, Coverdesign, Mastering, Booking, Vertrieb, Promotion bis hin zu tollen neuen Musiker*innen in München. Auf einmal ist da so eine Art Team entstanden mit großartigen Leuten, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie wirklich an dieses Album und die Idee von Don Marco & die kleine Freiheit glauben. Und das gibt mir grad einen enormen Motivationsschub.

Wie ist es dir eigentlich gelungen für eine – darf ich das sagen? – Hobbyband so eine kolossale Besetzung zu gewinnen?
Als reines Hobby habe ich meine Musiksachen ja nie wirklich angesehen. Klar, es wäre illusorisch und naiv von mir, zu denken, ich könnte davon jetzt leben. Aber Musik war mir schon immer viel zu wichtig, als dass ich das als reine Feierabend-Coverband verstanden hätte. Das war auch schon bei Fuck Yeah so. Der Anspruch war und ist immer, qualitativ in der oberen Liga mitzuspielen, ob das stets gelingt, sollen andere bewerten.
Nachdem Fuck Yeah eine Auszeit eingelegt hatten, fing ich an mich an deutschen Texten zu versuchen, weil ich das Gefühl hatte, mit den englischen Texten an einem Punkt angekommen zu sein, an dem es nicht weiterging. Erst mal ganz für mich zu Hause mit der Schrammelgitarre. Irgendwann nahm ich dann so rudimentäre Homerecording-Demos auf so einem Billig-8-Spurgerät auf, um zu schauen, ob das irgendwie funktioniert. Das tat es irgendwann. Daraufhin buchte ich einige Tage im Bones Studio außerhalb von München und begann befreundete Musiker anzusprechen, ob sie vielleicht mitmachen wollten. Und so kam letztlich eine wilde aber total spannende Mischung an Leuten zusammen, die mit mir an einem langen Wochenende ungeprobt Song auf Song aufnahmen. Das hätte total nach hinten losgehen können, war aber superinspirierend und frisch und auch gewollt. Songs klingen häufig am besten, wenn man sie frisch geschrieben hat oder zum ersten Mal mit Musikern spielt und alle neugierig sind und sich freuen, wenn etwas gut klingt. Das geht häufig verloren, wenn man einen Songs zum 300. Mal spielt, permanent umarrangiert und dann in langer Kleinarbeit aufnimmt. Ich bin dann meist bereits total gelangweilt davon.
Die Musiker, die auf dem Album gespielt haben, kenne ich alle aus unterschiedlichen Kontexten, mal über die Arbeit, mal über die alte Band. Gerade die verschiedenen musikalischen Kontexte und auch Backgrounds bis hin zum ganz unterschiedlichen Alter haben sicher auch dazu beigetragen, dass das Album in so viele Richtungen tendiert, was mir gut gefällt.



Das Video zu “Nervös” wurde in Obergiesing, im Perlacher Forst und im Unter Deck/München aufgenommen.
Für die Kamera zeichnet sich Flo Stielow verantwortlich, das Konzept stammt von Tibor Bozi.

Am 18.09. erscheint die Single „Nervös“ von Don Marco & die Freiheit, das Album “Gehst du mit mir unter” (off label record/Broken Silence)  folgt am 29.01.2021. 

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