Ein öffentlicher Briefroman  – von Clara Drechsler und Justus Köhncke

„I CAN‘T STAND THE RAIN“

Clara und Justus auf dem Mars


Clara Drechsler: Ihr Armen. Gegen Regen hilft nur mehr Regen. Es muss absolut schütten, pläsiern, am besten mit Sturmböen. Das genieße ich gerade hier. In der Wohnung kann man kaum was sehen, draußen hat es gerade meinen kleinen rosa-zitronengelben Sommerschlafanzug von der Wäscheleine gefetzt. Ich redigiere hochkonzentriert und gemütlich. Harald schwingt sich gleich in seinem Kleppermantel aufs Rad. Was auch hilft: Barfuß ohne Jacke zum Büdchen rennen und ein Eis kaufen. Dann zu Haus in die Decke wickeln.

Gegen Ann Peebles hilft leider gar nichts. Hab selbst oft genug traurig am Fenster gesessen und dieses Stück gehört. Im Ernst.

Justus Köhncke: Vor Ann Peebles und dem Lied gibt es KEINE RETTUNG. Ich hatte auf deine Zauberkräfte gehofft – vergeblich.

Wie genial war es eigentlich von Frank Farian, aus dem Song eine Discogruppe zu designen im Boney M.-Geld-Rausch? Fängt natürlich mit Donner an, die “Eruption”-Version. Und die ist auch sehr gut, nur nicht GANZ so fein wie das Original, höhöh.

Missy “GOTT” Elliott hat’s dann nochmal endgenagelt.

Eruption-Version liebe ich auch. Aber nicht mal zu der kann ich in emotionale Distanz gehen.

DAS LIEGT AN DEM SONG. Und vor allem an diesem Signature Sound. Das sind so Sachen, an denen man sich ein Leben lang oftmals erfolglos abarbeitet. Also, ich meine „dogogodookdok- dik dik“.

Signature Sounds sind HELL.

Das Beste. Nur Audiologos sind schöner (Telekom, Nokia, Intel)–  beep beep, who’s got the keys to the jeep?

Außer diese Audiologos enthalten die unterschwellige Botschaft TÖTEN TÖTEN TÖTEN (wie bei Telekom).

Die Dicke (Missy) hat uns alle plattgewalzt 1998 und das tolle ist, sie lässt nicht nach oder schweigt einfach. Da fällt mir gar nix mehr ein, so gut ist das:

Für Missy Elliott ist Gott eigentlich noch ein bisschen untertrieben. Ich liebe diesen Kommentar zu dem Video: “When I was a kid, this video used to creep me out. Mostly because of Missy’s Balloon outfit and the fish eye camera effect. LOL.

Ja, der liebe GOTT kann bei ihr wirklich nicht mithalten.

Put the fear of Missy into the kid.

Jochen D. war vor zwei Jahren zwei Tage bei mir im Studio und wollte Beats für seinen immer noch nicht erschienenen neuen Soundentwurf. Erstmal meinte er “haste die neue Missy gesehen/gehört (“I’m Better”). Circa 20-mal gesehen und auf Studiospeakern gehört. Jochen findet sowas glaube ich inspirierend, ich will dann sofort Klofrau werden und es nie wieder wagen, einen Ton Musik herauszuposaunen, SO klein mit Hut.

Ja, das ist auch immer eher MEINE Reaktion. (Wenn ich eine besonders gute Übersetzung lese). Bei Musik bin ich ja zum Glück frei, da die Inspiration sich in völlig anderen Medien austobt (in der Lebensführung, oder bestenfalls beim Schreiben).

Wenn’s weiter nix is’? <3 <3 <3
ALLES.

Ich hab ́s gut.

Stimmt!

Übersetzen (sklavisch) ist auch meine Lieblingsbeschäftigung. Leider braucht’s dann noch die lästige Musikuntermalung drumrum, die doch mehr Arbeit macht, als Manfred Hermes denkt und mich immer foppt (running gag): “Du musst doch nur auf play drücken”.

Sklavisches Übersetzen ist eh eine schönere Kunst (gepaart mit gelegentlichen Ausbrüchen in den Lautgleichheitsirrsinn.) Übrigens sagt Manfred sowas immer zu mir: “Du schreibst doch einfach irgendwas.” Stimmt ja auch, dauert trotzdem lange. LOL

Wir drücken halt PLAY oder RETURN, und feddich. Nur Manfred Hermes leistet echte Schweissarbeit!!!
Ich habe auch Imagination (“Ist es vielleicht alles nur ein Trugschluss? Ist es vielleicht nur ein Algorithmus?”) und Hall & Oates (“Und unser Kuss ist das, was kommen muss”) übersetzt. Dann hat Heimermann mich zum Glück in Ketten gelegt. Kicher.

NEIN!

Da wir ja so gerne sterben, meine Testamentsliste Musik: Imagination “Illusion”, “United” (TG), “Living Thing” (ELO), In your face.
Bei meiner Mutter habe ich “Venus In Furs” laufen lassen. Das war intense.
Und zum Sargtragen “The End” von Abbey Road. Ich bin so eine Kitschnudel:

“And in the end the love you take is equal to the love you make
uffza. Fred war immer etwas phlegmatisch, aber wenn es mich zu stoppen galt, dann nicht 😉

Es ist aber auch zu schön, das:

love you love you love you love you etc pp

Ist ein Kracher. Sag mir rechtzeitig Bescheid, ich komm auf jeden Fall zu deiner Beerdigung.

Au ja!! Mit Harald! Und ganz viel Kleenextüchern!!! Ich mach euch fertig.
Als Sarg-DJ.
Juhu.

Wird eine Heulorgie!
Die Musik muss aus dem Sarg dringen.

Ich bitte drum.

Wenn das deinen Soundansprüchen noch gerecht wird.

HAHAH, die Music kommt so geheimnisvoll aus dem Grab, dumpf und LAUT.
Und ich hol mir so eine Klingel, wie im 19. Jahrhundert, als die Angst grassierte, lebendig begraben zu werden.
Kicher.

JAJAJA, sowas wollte ich auch im Sarg haben, find ich toll.

Unbedingt, und NIE URNE. Pah. SARG.

Mit Samt und Seide.

In full effect. Mist, mehr als drei Musikstücke sind Terror. Vielleicht ändere ich noch was an der Playlist.
Die armen Trauergäste.
Ich denke nach….

Mehr als drei Musikstücke von DIR sind aber nicht so schlimm. Wir haben schon mehr erduldet.

ELO muss. Schon wegen “It’s a terrible thing to lose”. Musik von mir ist vollkommen verboten auf Melaten.

Von dir AUSGESUCHTE Musik.

Oje, mir fällt grad der niegewordene Superhit “Sülz Porz Melaten” von Kurt Kreikenbohm ein, der ja unter der Erde ist.
Ich glaube, ich entlasse “Illusion”.
Man muss ja auch auf die Dramaturgie achten.

Da hast du recht, aber allein der Weg zum Grab dauert doch ewig – da läuft nie was.

Ist dir klar, dass das ein öffentlicher Dialog ist? Mir aber wurscht. Ich habe über tausend Leser.

HAHA. Wir labern hier so vor uns hin. Thrilling für alle. Die wollen jetzt schon Karten zu deiner Beerdigung kaufen.

Doch, bei der Beerdigung von “Elli Pirelli”, der Mutter von Andreas “Disco” Gessner, of The-O etc. fame, lief auf dem kleinen Casettenrecorder auf dem langen Weg zur Urnenlochung leise die Instrumentalversion von “Last Dance” von Donna Summer. Du kannst dir meine tiefste Erschütterung sicher schemenhaft vorstellen.

Beerdigungseintritt ist €500. Dann kommen wenigstens nur die Reichen. Geht dann an einen guten Zweck (neue Snare für Jeff Lynne).

Warst du bei Hall&Oates?

Stephan Rose: Danke schön ihr zwei für dieses Duo. Die Melatenliteraten. <3

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