Week-End-Festival 2021 – Interview

Jan Lankisch: „Nun erstmal das X rumkriegen“

Jan Lankisch (Photo: Viktor Rosengruen)


Ein großes X vibriert weichgezeichnet und gerade deswegen von monumentaler Vehemenz den Betrachter:innen des Artworks zur zehnten Auflage des Week-End-Festivals entgegen. Der in Los Angeles beheimatete Künstler Ed Ruscha zeichnet sich dafür verantwortlich, an Bord geholt mit dem ihm eigenen Enthusiasmus der Mauern versetzen kann von Week-End-Tausendsassa Jan Lankisch. Das selbe lässt sich natürlich auch wieder für das Lineup sagen, ein wilder Mix aus Epochen und Stilen, zusammen gehalten von der ganz speziellen Week-End-Festival-Textur: Gilberto Gil, Julius Eastman, Flohio, Mulatu Astatke, Suzanne Ciani …

 

Was würde der Jan Lankisch von vor zehn Jahren zur Historie des Week-End-Festivals sagen, wenn er sie heute vor sich ausgelegt sehen würde?
Ich würde mich erstmal über die vielen Namen wundern und ihm nicht glauben, dass er die alle bekommen hat. Ich weiß er ist selbst Grafiker und kann sich das sicher alles zurecht faken.

Was war Dein absoluter Highlight-Moment und warum?
Da gab es wirklich viele. Zu viele. Aber ich denke ein großer war 2017 als wir Shintaro Sakamoto zu Gast hatten und mit ihm circa 30 Japaner:innen für seinen Auftritt nach Köln kamen. Ich bin da wirklich sehr stolz darauf, dass wir mit dem Programm und den Künstler:innen auch ihre Fans in der ganzen Welt erreichen konnten, die keine Kosten und Mühen gescheut haben, sich auf den Weg zu ihren Held:innen zu machen. Das gibt einem das Gefühl, dass man etwas richtig macht und gibt einem Kraft für eine lange Zeit.

Die Pandemie hat unser aller leben massiv verändert. Die Frage ist nun: was bleibt von den Reflektionen und Erfahrungen an substantiellen Veränderungen hängen. Wie geht es dir als Veranstalter da? Merkst du, dass du anders agierst als noch vor zwei Jahren?
Auf jeden Fall. Ich hatte – wie wir alle – viel Zeit in den letzten beiden Jahren um darüber nachzudenken, wo wir stehen, warum wir tun, was wir tun. Es kommen sicherlich Fragen auf zum allgemeinen Verständnis, die sich mit der Wertschätzung von Kultur und Kulturveranstaltungen befassen. Brauchen wir sie? Wie viel Platz nehmen sie in unserem Leben ein und was machen sie mit uns? Da kommt man schnell sehr weit raus. Ich denke es hat gut getan mal aus dem Hamsterrad auszusteigen, andere Dinge zu tun. Für mich gab es da vieles, das nicht zwangsläufig mit Musik zu tun hatte. Jetzt nach dieser langen Zeit ohne Musik, die man in physischer Form erleben konnte, freut man sich wieder auf die Begegnungen, den Austausch. Und auf eben diese neugewonnenen Eindrücke, die man vorher nicht hatte.

Inwieweit ist das Programm der Julibäumsedition denn auch ein Pandemie-Kompromiss? Oder konntest du alles so umsetzen wie du es dir erträumt hattest?
Das Programm sah immer zu Beginn eines Jahres komplett anders aus als bei Veröffentlichung später. Aber nein, Kompromisse gibt es keine. Gab es zum Glück auch noch nie. Ich bin wirklich sehr glücklich damit. Ich liebe die Diversität der Künstler:innen die wir dieses Jahr zeigen: Gilberto Gil und die Musik von Julius Eastman oder der jungen Engländerin Flohio an einem Abend. Oder Mulatu Astatke und Suzanne Ciani hintereinander. Es könnte nicht aufregender sein.

– Das Artwork ist von Ed Ruscha. Nachdem du in den vergangenen Jahren immer schon besondere Künstler:innen (war denn auch mal überhaupt eine Frau dabei?) dafür gewinnen konntest, ist er sicherlich eine besondere Verpflichtung. Wie kam es dazu?
In der Tat gab es bei den bildenden Künstlern der Festival Motive bislang nur Camille Henrot. Das haben wir dann aber mit dem Line-up ausgeglichen. Dieses Jahr gibt es mehr weibliche Artists als männliche, aber das wird sich sicher auch in den kommenden Jahren beim Artwork auch verändern. Die Arbeit von Ruscha war mir schon lange sehr wichtig. Ich habe 2014 zum ersten Mal mit ihm Kontakt aufgenommen und blieb dann mit Abständen auch immer dran und meldete mich immer wieder Mal in den letzten Jahren.

Wie hat man sich den künstlerischen Prozess zum Artwork vorzustellen? Hat jemand wie Ed Ruscha da völlige Freiheit oder ist as ein gemeinsamer kreativer Weg?
Anfang 2020 bin ich ganz konkret an ihn herangetreten und habe mir ein „X“ gewünscht für unser 10-jähriges Jubiläum. Eine Woche später hatte ich die Reinzeichnung auf dem Tisch. Oft überlege ich mir, wie ich es schaffen kann, eine Künstler:in für eine gemeinsame Zusammenarbeit zu begeistern. In diesem Fall war es am besten, wirklich direkt zu sagen, was man sich vorstellt. Das ist sicher immer unterschiedlich von Künstler:in zu Künstler:in. Es macht mich glücklich, dass es sich gelohnt hat dran zu bleiben. Stay On It – mein besonderes Motto für dieses Jahr. Aber eigentlich war es das schon immer, nur hatte ich keinen so konkreten Titel vor Augen, der mir das gezeigt hat.

Wie geht es mit dem Week-End weiter?
Das wüsste ich auch gerne. Eigentlich dachte ich mir, es wär es super jetzt aufzuhören. Mit einem Lineup das ich mir nicht schöner hätte vorstellen können. Ein Artwork von einem meiner absoluten Helden. Es sind die Herrausvorderungen und die Ideen die einen antreiben. Ich würde sicher aufhören, wenn mir nichts mehr gutes einfällt. Oder wenn es keine Förderungen mehr gibt. Mal sehen … nun erstmal das X rumkriegen.

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