Record of the Week

Hot Chip: A Bath Full Of Ecstasy (Domino)

Hot Chip
A Bath Full Of Ecstasy
(Domino)

Weil sich Hot Chip mit ihrem Albumtitel ganz schön weit aus dem Fenster hängen, mache ich das auch: Wie ein Bad in entgrenzenden Drogen wirkt die Platte wahrhaftig nicht. Mehr wie ein entspannendes, schäumendes Plätschern, wohlriechend und Wellness-mäßig, aber danach geht’s ins Bettchen und nicht mehr ins Berghain.
Wobei der Einstieg in die Wanne (jetzt reicht’s aber mal mit den Badezimmer-Assoziationen!) noch das Aufregendste ist: Nach dem sanft säuselnden, beinah sich selbst karikierenden „Melody of Love“ (inklusive Gospel-Sample) pumpen die dicken Beats von „Spell“ so ungewohnt druckvoll hinterher, dass man kurz denkt, „wow, Hot Chip trauen sich richtig was!“ Mal raus aus der inzwischen höchst flauschig eingerichteten Komfortzone, hin zu Entgrenzung, Wagnis, Exzess.

Und tatsächlich ist auf „A Bath Full Of Ecstasy“ einiges anders: Hot Chip luden den gerade verstorbenen French-House-Producer Philippe Zdar (Motorbass, Cassius) und Rodaidh McDonald ins Studio ein – was das Album zu einer Art Vermächtnis Zdars macht. Eine tragische Verquickung der Umstände, die möglicherweise Auswirkungen auf die Rezeption des Albums haben wird. Die French-House-Elemente plus McDonald plus Hot Chips Signature-Sound (er arbeitete unter anderem mit The xx, King Krule, Adele and Gil Scott-Heron zusammen) ergeben eine süßliche, glitschige Mixtur mit zu vielen Effekten und Pomp für Großraumdiscos und Mainstreamradio. Der Wunsch nach „mehr Luft“, die Zdar reinbringen sollte, mündet in seifenblasigen, überdosierten Hall und Rauch in ansonsten mediokren Stücken wie „Positive“ oder dem Titeltrack.

Nun standen Joe Goddard, Alexis Taylor und ihre Freunde noch nie für hart zupackenden Strobo-Gabber, sondern für melancholisch-nachdenkliche Tanzmusik für Leute, die ihre Brillen nicht nur aus Stylegründen aufhaben. Aber eben auch für intelligente Songs mit Nachhaltigkeitszertifikat wie „Boy from School“ und „Over and Over“ (oder, ich kann sie nicht oft genug erwähnen: meine liebste Coverversion ever, ihre herrliche Dance-Version von Bruce Springsteens „Dancing in the Dark“), die auf „A Bath Full Of Ecstasy“ leider fehlen. Okay, der Schluss ist auch wieder gut: „No God can make me feel the way you make me feel“, falsettiert Taylor zur schlageresken Melodie, einziger glaubwürdiger Verweis auf ein Bad in MDMA.

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