Record of the Week

Lido Pimienta “Miss Colombia”

Lido Pimienta
“Miss Colombia”
(Anti-/Indigo)

“Miss Colombia” mag bunt und optimistisch wirken – vor allem ist das neue Album der kolumbianisch-kanadischen Künstlerin Lido Pimienta aber ein klarer Gegenentwurf zum derzeit angesagten Latin- und Reggaetón-Hype. Pimientas erste Platte „Color“ (2010) entstand in enger Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Ehemann Michael Ramey: zu eng für Pimienta, die sich bald von Ramey trennte und die Produktion ihrer Musik selbst in die Hand nahm. Mit ihrem in Eigenregie aufgenommenen Album „La Papessa“ gewann Pimienta den kanadischen Polaris Prize und machte sie auch in größeren Zusammenhängen bekannt. Doch Lido Pimienta geht es um viel mehr als persönlichen Erfolg: Im selben Ort (Barranquilla) geboren und aufgewachsen wie Megastar Shakira, holt Pimienta „brown girls to the front“.

Der Albumtitel „Miss Colombia“ spielt auf die Wahl zur Miss Universum 2015 an, als der Moderator die Krone zuerst der kolumbianischen Kandidatin aufsetzte – um es ihr gleich wieder abzunehmen. Gewonnen hatte offiziell Miss Philippines, die peinliche Verwechslung belegte Rassismus und Frauenfeindlichkeit, die solchen Veranstaltungen zugrunde liegen. Lido Pimienta reklamiert Würde, Sichtbarkeit und Gerechtigkeit für Women of Color, nicht nur als symbolische Dekoration in Form von Krönchen und Schärpen.

Mit den elf neuen Songs besteht Pimienta auf dem Platz der afro-kolumbianischer Musik und Instrumenten in der noch immer überwältigend weiß dominierten Popwelt zusteht. „Miss Colombia“ klingt selbstbewusst und selbstverständlich, macht keine Zugeständnisse an den Mainstream. Viel stärker als auf dem digital-hybriden Vorgänger „La Papessa“ treten traditionelle kolumbianische Instrumente in den Vordergrund, Cumbia-Rhythmen dominieren, gesungen wird fast ausschließlich auf Spanisch. Gastauftritte kolumbianischer Künstler:innen wie dem Sexteto Tabala und Bomba Estéreos Li Saumet und Teresa Reyes Delgado begleiten Pimienta, deren Texte von Unterdrückung, Angst und Schmerz handeln und doch Kraft und Hoffnung ausstrahlen. Drei Jahre nach der Verleihung des Polaris Prize ist Lido Pimienta als queere WoC noch immer eine Ausnahmeerscheinung im ach-so-liberalen Vorzeigeland Kanada – und „Miss Colombia“ ein empowerndes Bekenntnis zum „Anderssein“.

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