Sean Nicholas Savage „The Knowing“
Sean Nicholas Savage
„The Knowing“
(Mansions & Millions)
Das Berliner Label Mansions & Millions ist seit jeher eine Bastion für jene Spielart des Pop, die sich anfühlt wie ein Fiebertraum aus 80s-Aesthetic, 90er-Jahre-Indie-Romantik und postmillennialer Entgrenzung. Die Veröffentlichungen des Labels klingen wie der Soundtrack zu einem Mash-up-Film aus „Miami Vice“, „La Boum“ und einem besonders abgründigen Brian-De-Palma-Thriller. Es passt also nur allzu gut, dass Sean Nicholas Savage vom Label nicht nur als Musiker, sondern auch als Regisseur und Dramaturg seines eigenen Kosmos’ positioniert wird. Savage, geboren in London, aufgewachsen in Kanada, schreibt Songs wie kleine Bühnenstücke – überbordend in Emotion, dabei doch immer mit einem Hauch Distanz, der alles in einen seidigen Nebel hüllt. Seine Musik ist intim und unnahbar zugleich, zart und theatralisch, voller Hingabe und doch nie peinlich. Pop in seiner schönsten, widersprüchlichsten Form.
„The Knowing“ ist ein weiterer Meilenstein in diesem ganz eigenen Universum. Savage erzählt – mit seiner unverkennbar fragilen Stimme, seinen verwaschenen Synth-Flächen und der seltsamen Wärme, die alles durchzieht – Geschichten, die sich irgendwo zwischen Traum und Tagebuchnotiz bewegen. Immer wieder muss man an große Namen denken: George Michael, Leonard Cohen – nicht wegen direkter Parallelen, sondern wegen der Art, wie beide stets etwas zutiefst Menschliches in ihren Songs offenbarten. Eine Qualität, die Savage mit Better Person teilt, einem weiteren Künstler aus dem Mansions-&-Millions-Kosmos, der auf „The Knowing“ bei „Part 2“ als Gast mitwirkt; zudem ist Marci (TOPS) als Duettpartnerin dabei, und JJ Weihl alias Discovery Zone als Co-Somgwriterin. Produziert wurde das Album gemeinsam mit Pascal Chenard und Samuel Beaulieu – alles in allem ein Kollektiv aus Vertrauten, das dem Album jene cineastische Dichte verleiht, die es braucht.
Es verwundert nicht, dass Savage zwischen seinem vierten Album „Shine“ (erschienen auf Arbutus Records) und „The Knowing“ eine künstlerische Kurve nahm und drei Musicals schrieb. Das aktuelle Album ist durchdrungen von diesem Bühnengeist – jede Zeile wirkt gesetzt, jede Melodie wie eine Bewegung im Scheinwerferlicht. Und doch bleibt alles flirrend, flüchtig, traumhaft. Savage weiß, was Pathos ist – und wie man ihn gerade so weit zügelt, dass man ihn aushalten kann.






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