Pop-Kultur-Berlin Nachbericht

Supertoll war die neunte Ausgabe des Pop-Kultur-Festivals in Berlin

BRKN (Photo: Dominique Brewing)


Wieso lange drumherum reden: Supertoll war die neunte Ausgabe des Pop-Kultur-Festivals in Berlin. Ich hab dieses wirklich besondere Festival in diesem Jahr zum ersten Mal besucht und war ganz begeistert – nicht nur von der Aufmachung des Veranstaltungsorts (die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg), sondern auch vom durchweg sympathischen Publikum und dem ultra-vielfältige Programmangebot, das von Noise- und Rap-Konzerten bis zu Karaoke und inspirierenden Podiumsdiskussionen reichte. Über ein paar meiner Highlights hab ich unten was aufgeschrieben.

Kurz noch: Vor meinem Besuch hab ich zwei der Kuratorinnen des Festivals – Yesim Duman und Pamela Owusu-Brenyah – für den Talking Kaput Podcast interviewt und mit ihnen über das breitgefächerte Programm gesprochen. Anhören kann man sich das auf Spotify & Co. oder unter dem folgenden Link.
Let’s go!

Charlotte Brandi (Photo: Kathe deKoe)


Charlotte Brandi (Festival-Eröffnung)

Zwischen ein paar begrüßenden Worten vom Festivalteam sorgte die talentierte Künstlerin Charlotte Brandi mit einer atemberaubenden 1-Song-Performance für die musikalische Eröffnung des Festivals. Sie spielte ihren clever-feministischen Song “DER EKEL”, also den Opener ihres dieses Jahr erschienenen Album “AN DEN ALPTRAUM”, und hob ihn im Live-Kontext nochmal auf ein neues Level. Ein fantastischer Start.

A Song For You presents “UNRAVEL – A Return to Self Through Collective Expression”
Eine beeindruckende Mischung aus Chorgesang, Videokunst und Choreografie; absolute Talent-Explosion. Und genau in der Sekunde, in der ich mir kurz einen etwas klarer definierten Song herbeigewünscht hab, begann eine der Sängerinnen damit, ganz alleine eine wundervolle Gitarrenballade zu singen, und sorgte für einen der schönsten Momente des gesamten Festivals (siehe unten).

Lakonisch Elegant meets Pop-Kultur-Skandal und Moral in der Popkultur mit Aida Baghernejad, Dieter Gorny, Samira El-Ouassil, Christine Watty (Photo: Camille Blake)

“Lakonisch Elegant” meets Pop-Kultur: Skandal und Moral in der Popkultur
Sehr spannender Talk mit der Kolumnistin/Podcasterin/Autorin Samira El Ouassil, der Musikjournalistin Aida Baghernejad und dem Viva-Gründer Dieter Gorny, bei dem ich schonmal ein Blockseminar an der Universität Paderborn besucht habe (und den ich damals schon sehr mochte). Ganz ganz viele wichtige Punkte wurden angesprochen, die man glücklicherweise im Podcast “Lakonisch Elegant” auf allen möglichen Streamingdiensten nachhören kann.

BRKN
Es gibt solche und solche: Konzertgänger, die es hassen, wenn die Person auf der Bühne zwischen den Songs immer wieder zu labern anfängt, und Konzertgänger, die eben genau das lieben. Grundsätzlich kommt’s natürlich immer auf den Artist an, aber zumindest im Fall des Rappers BRKN gehöre ich definitiv zur zweiten Gruppe – einfach, weil der Typ so verdammt charismatisch rüberkam. Immer wieder hat er seinen DJ nach der Zeit gefragt und dann aber doch wieder angefangen, irgendeine Geschichte zu erzählen. Und die Musik? Eine mehr als stabile Kombi aus Hip-Hop und R&B. Und Saxophon kann BRKN natürlich auch noch spielen.

Sorry
Die Band Sorry hatte ich vor dem Pop-Kultur-Festival schon zweimal live gesehen in diesem Jahr – einmal im Bumann & SOHN in Köln und einmal auf dem Haldern Pop Festival –, weshalb ich Blödkopf sogar erst noch überlegt hab, ob ich diesmal überhaupt hingehen soll (ich lieb die Band sehr, war aber etwas müde). Glücklicherweise hat meine Freundin Marisa mich über’s Telefon überredet, hinzugehen, und natürlich hat es sich wieder gelohnt. Mittlerweile finde ich das zweite Sorry-Album “Anywhere But Here”, das ich letztes Jahr mit eher gemischten Gefühlen für Kaput rezensiert habe, übrigens genauso gut wie das Debüt. So kann’s gehen.

 

“Kritische Männlichkeit: Wie viel Platz bietet der Pop für reflektierte Männer?“
Ein Talk ist meiner Meinung dann besonders gelungen, wenn die Gäste derart interessante Dinge sagen und gut rüberkommen, dass man sich im Nachhinein noch weiterhin mit ihnen beschäftigen will. Hier war das jedenfalls so: Von Charlotte Brandi war ich ja schon seit der Festival-Eröffnung Fan, das Buch “Im Morgen wächst ein Birnbaum” steht auf meiner To-Do-Liste jetzt ganz weit oben und mit der Band von Frank Spilker, Die Sterne, wollte ich mich eh schon länger mal auseinandersetzen. Alle drei haben bedeutende Aussagen zur Rolle des Mannes in der Popkultur angebracht, ohne dabei zu vergessen, das Publikum auch mal zum Lachen zu bringen. 🙂

A Record Label – What Is It Good For (Photo: Dominique Brewing)

“A Record Label (What Is It Good For?) II”
Einer der tollsten Talks, die ich dieses Jahr auf dem Pop-Kultur Festival gesehen hab, war zu einem Thema, das mich in letzter Zeit auch selbst viel beschäftigt hat: Die Bedeutung von Independent-Plattenlabels. Die Musikjournalistin und Kaput-Autorin Christina Mohr hat hier jedenfalls eine sehr spannende Diskussion auf die Beine gestellt und das Ganze hervorragend moderiert.

Rasha Nahas
Wenn diese Liste hier ein Ranking wäre, hätte ich die palästinensische Musikerin Rasha Nahas vermutlich auf Platz 1 gepackt. Ihr Auftritt war fucking nasty, glamy und noisy (die Kellnerin hinter der Theke musste sich immer wieder die Ohren zuhalten) – und dann aber auch wunderschön: Der tollste Moment war, als sie, begleitet von ihrem auffällig talentierten E-Bassisten, einen ihrer arabischen Songtexte ins Englische übersetzt hat. Irgendwas mit Rosen.

Crack Cloud
Talking Heads Vibes. Cowbell. Bongos. Ein absoluter Atze am Keyboard. Grooviger Post-Punk vom Allerfeinsten. War nachts um Zwölf genau das Richtige.

The Dusseldorf Dusterboys (Photo: Kathe deKoe)

The Düsseldorf Düsterboys…
…hätte ich total gerne noch gesehen. Aber leider musste ich dann schon wieder zurück nach NRW. Denn mein Bruder und ich hatten unserem Vater ein Konzert von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys in Bochum geschenkt.
War auch sehr gut.

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