Scharping "Unser Charping"

„Tool können einpacken“ – Die neue Platte von Scharping

Rudolf Scharping: Das ist Mallorca, Sitzfahrräder, eine geheimnisvolle Gräfin und Knutschen im Pool. Aber wir sprechen hier – zum Glück –  von der Gruppe Scharping. Saskia Timm hat für kaput die neue Platte der überschäumendsten Bands am defekten Rockband-Markt ganz genau unter die Lupe genommen – an ihrer Seite lediglich ein guter Freund und Obstler.

Foto: Markus Wojatschke

Scharping bestehen aus vier Personen: einem Sylter Schnösel, Leslie Mandoki, dem Cousin von Elija Wood und Christian Heerdt und alle spielen Instrumente. Das machen sie gern und tun sie gut.
Was viele nicht wissen: Scharping gibt es schon viel länger als man denkt, jedoch haben sie es vorgezogen, sich rar zu machen, wie man sagt. Szenekenner wussten zu berichten, dass sie als Hologramme in Las Vegas schon Erfolge feiern konnten, als in Berlin noch zu Techno getanzt wurde, und ich meine so richtig. Das Hotel (Ibis) welches Ihnen das Engagement möglich machte, musste leider einem In-N-Out-Burger weichen, so dass alle immer viel zu essen hatten, aber kein Geld mehr, das Essen zu bezahlen. Also zogen alle nach Berlin, bis auf Christian Heerdt, den es als Schatzmeister der Band in eine Villa ins Hamburger Umland verschlug, nur um von dort Befehle zu geben.

Irgendwann waren zwar alle sauer deswegen, aber haben sich um des lieben Friedens willen und weil Eckkneipe halt auch was kostet, nach vielen Sprachnachrichten wieder ‚in echt‘ getroffen und lange telefoniert. Nach dem letztem, fruchtbaren Gruppen-Telefonat merkte man: es knistert immer noch zwischen den Mitgliedern, was aber in erster Linie daran lag, dass der Empfang nicht so gut war.
Wie das Schicksal es wollte, nahm sich die befreundete Band Botschaft dem quirligen Haufen an Charakteren an und schleppte sie kurzerhand mit auf Tour. Das mag auch daran gelegen haben, dass Benzin durch acht billiger ist als durch vier und Heerdt auch in dieser Band tätig war und die anderen Scharpings es als Genugtuung empfanden, dass Heerdt quasi 2x zahlt.

Nach einem erfolgreichen Konzert in Berlin, welches in einem gemeinsamen Kickerspiel mit Jochen Distelmeyer endete bei dem der beliebte Blumfeld-Barde haushoch verlor und aus Wut „Otis“ schrieb, wussten alle: hier kann man abräumen.
Also machten die lieben Dullimänner noch ein paar Jahre weiter das, was sie sonst so gemacht haben, wie aufstehen und wieder hinlegen, bis es sie mit dem Flixi nach Hamburg verschlug, um dort nur in einer Woche das nächste Meisterwerk nach der gefeierten EP „Powerplay“ aufzunehmen. Wie “Unser Charping” geworden ist, habe ich mit einem guten Freund besprechen dürfen.
Da wir beide große Fans von Struktur sind, haben wir das Album einfach nach Strich und Faden durchgehört und unsere Eindrücke Song für Song gesammelt. Viel Vergnügen!

INTRO

SASKIA Hallo liebe KAPUT-Leser:innen! Willkommen auf dem Raumschiff Scharping auf einer Reise ins Ungewisse.
GUTER FREUND X: Ja, Hallo! Ich habe keine Idee, was jetzt passiert, aber wir haben paar Bier, das ist ja nie verkehrt.
S: Ist das die Deutsche Nationalhymne? Ich hör die so selten.
X: Weiß ich nicht, schau ja auch kein Fußball.

ALTERNATIVE ZUR UMWELT

X: Fühle den Song wegen der Sache mit Wochenende.
S: Ich fühle die Sache mit dem Warenkorb.
X: Aber geht das jetzt meta so um FFF oder was?
S: Meta. Klar. Hätten nicht alle Dreadlocks in der Band wären die heute auch vorm Brandenburger Tor.
X: Ah! Gut für die.
S: Finde extrem schmissiger, nicer Ohrwurm.
X: Achtung! Breakdown!
S: Flott! Bleibt voll hängen. Zackig aber nicht zu doll zackig. Das Video ist auch witzig. Möchte ich an dieser Stelle auch noch mal erwähnt wissen, dass alle Scharping-Videos generell super sind, liebe YouTube-Kids. 

DURCH DIE BACKEN

S: Sind das Achtel? Ejaal, mich juckts inne Beene.
X: Fuck, an wen erinnert mich das? Dings hier aus HH.
S: Stimmt, Bürgermeister der Nacht bisschen so stylemäßig. Glaube sowieso die beiden Gruppen sollten mal zusammen touren, das wäre richtig supersüß.
X: Deutschland gute 80er. Mag’s!

DIE DINOSAURIER, BITTE!

S: Jetzt wird’s sexy wie bei Bee-Gees. Aber irgendwie auch traurige Bee-Gees.
X: Bester Songtitel, denn ich liebe Dinosaurier. Oh, toller Break jetzt auch.
S: Huch? OK, also jetzt ist’s der gefühlt dritte Song in einem Song. Tool können einpacken. Die sind eh viel zu ernst mit ihrem Muckerscheiß.
X: Hier wird aber auch ordentlich gemuckt. Möchtest du noch ein Schluck Bier?
S: Gerne! 

KOKOSNUSSMANN

X: Gute Länge, sollten sich mehr Bands mal ein Beispiel dran nehmen.
S: Ja, man könnte mal wieder Klingelton. 

ALLES GUT

S: Find’s schön! Vielleicht das erste unironische Lied? Indie-Pop wie er gut ist und sein soll.
X: Traue dem Frieden nicht. Die verarschen einen doch gleich wieder und es kommt ein Trompetensolo.
S: Haha, 3 Sekunden Grind, nicht ganz Trompete aber auch gut. Manchmal glaube ich Scharping haben Angst zu ‘real’ zu werden. Ich glaube ich möchte 1 Obstler, du auch?
X: Es ist 16h!? 

SCHAU DIR DABEI ZU

S: Ärzte! Ärzte, Ärzte! Und dieses eine Lied von Rod Stewart. Und voll Berlin, so.
X: Häh? Ah! Jetzt weiss ich was du meinst!
S: Also würde mir das jemand schicken, den ich mag, würde ich den oder die noch lieber mögen. Ein Lovesong? Der Text ist toll! 

SAELIC

X: OK, hol doch mal den Obstler bitte.
S: Sweet baby Jesus.
X: Ist das noch die Platte oder sind wir jetzt bei Feuerschwanz oder wie alle heissen gelandet? Ich bin verstört.
S: Ich bin auch verstört, aber auch fasziniert. Minnegesang bei Glitterhouse. Wette, Rembert steckt Lutz noch nachträglich zu seinem Abschied eine alte Ratte in den Briefkasten als „Dankeschön“.
X: Schön ist es dennoch und mit schön meine ich, ich möchte jetzt was mit Samt anziehen.

EMILY

S: Boston und Yacht-Rock innerhalb von 60 Sekunden. Hier drückt aber jemand auf die Tube.
X: Rick McPhail würde dieses Lied lieben, der alte AOR-Racker.
S: Geil Gitarrensolo! Gib nochmal Obstler.
X: Guter 80er Haare-Metal im Abgang! Singt das Kevin? Ich finde ja es sollten grundsätzlich wieder mehr Keyboards eingesetzt werden in der Rockmusik. Dann ist das nicht alles immer so penismäßig. 

I SMOKE ME FAT

S: Ich sag’s ungern, aber ich LIEBE dieses Lied aufrichtig.
X: Thomas D. dreht sich im Grab um.
S: Das ist ein echter Disco-Burner, glaube mit dem richtigen Pegel ist das ein totaler FEGER!
X: Der Text ist dermaßen bescheuert, ich kann nicht mehr. Aber ich muss schon sagen, find’s vom Sprechgesang besser als alles nach 1995, plus der Beat groovt wie Sau, wie wir Boomer sagen.

LARS EIDINGER HAT KEINE FREUNDE (NUR BEKANNTE)

S: Tocos 1997.
X: Quatsch. Nur wegen dem Titel?
S: Hear me out.
X: Ah, jetzt doch, ein wenig verstehe ich, was du meinst.
S: Lars Eidinger tut mir irgendwie leid. Es muss echt wahnsinnig anstrengend sein, er zu sein. Off topic: ich hatte mal ‘ne Zeitlang merkwürdige Sexträume von dem gehabt, bitte nicht erschießen. Hallo Lars, falls du das hier liest und Lust hast mal ’n Kaffee trinken zu gehen: schreib doch einfach der Band oder mir. Wir können über alles reden, auch Einsamkeit.
X: ? 

THE POWER OF LOVE

S: Stichwort Sex – das ist schon hot jetzt oder? Möchte direkt halbnackt irgendwo die Faust in die Luft strecken, aber ganz sanft.
X: Ich komme der Band nicht mehr hinterher. Jetzt so Vampire Weekend, vorher dieser Sexgesang. Jetzt fang ich auch schon an von Sex zu reden.
S: Das ist der Obstler der aus dir spricht.

NACHTZUG NACH NEAPEL

X: Liest der Sänger traurig die DB-Stecke vor?
S: Du hast gut reden, wir sind ja zu doof außer von HH nach B zu kommen und anders rum. Ich glaube, das ist deeper.
X: OK, die 80er Dinger haben mich mehr geflasht. Aber eine schöne Schnulze im besten Sinne Text ist wieder sehr gut!

S: Und was ist so dein Fazit jetzt nach diesen aufwühlenden 40 Minuten?
X: Ich habe ein wenig Gehirnschmelze und bin beduselt, passt also alles sehr gut zusammen. Macht echt Spaß zu hören und ist dann doch trotz des Quatsches weniger quatschig als man annehmen mag. Man merkt: hier sind Music-Lover am Start mit nicht zu knapp einem an der Murmel und ausgezeichnetem Geschmack. Würde jetzt nicht sagen, dass ich ad hoc größter Fan bin, aber wer weiß, wie das ist wenn wir noch 2 Bier trinken und die Platte noch 1-2x mehr hören.
S: Das ist doch eine Aussage. Ich muss auch immer ein bisschen an Helge Schneider denken. Also nicht das musikalische, sondern die Attitüde. Dieses nach draußen offensichtlich Gaga-Dada-mäßige, hinter der Fassade aber verbirgt sich eine große Liebe und auch eine gewisse Melancholie. Und vielleicht doch ein Stück Ernsthaftigkeit. Weißt, was ich meine?
X: Dem hab ich nix hinzuzufügen.
S: Danke für das Gespräch und danke Scharping.

Scharping sind: Angelo Fonfara, Christian Heerdt, Jermain Herold und Kevin Kuhn.

Scharping – Unser Charping / VÖ: 01.04.2022 auf Glitterhouse Records

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