4fakultät #17 – Konzertreihe für stilübergreifende Improvisationen mit Sky Walking, Ale Hop, Spill, Jasmine Guffond

4fakultät #17: Total offen

Am 14. März findet ab 19 Uhr im Resonanzraum in Hamburg die siebzehnte Auflage der 4fakultät statt. Die von Konstantin Bessonov, Mark Matthes und  Simon Roessler initiierte Konzertreihe für stilübergreifende Improvisationen – unter anderem mit den Co-Kurator:innen Svetlana Maraš,  Nina Plazonja und  Mélodie Melak–, bringt Künstler:innen zusammen, die am Dialog mit anderen interessiert sind, um die eigene Musik neu zu positionieren. Das Konzept ist formal sehr klar gehalten – „Alle vier Gruppen spielen nacheinander ihre eigenen Kurz-Konzerte und improvisieren zu zweit in wechselnder Reihenfolge; die einzelnen Sets sind verbunden durch Improvisation“ – und gerade deswegen ein idealer Ausgangspunkt für musikalische Trips auf unbekanntes Terrain.

Dieses Mal mit dabei: Sky Walking (Christian Naujoks, Peter ‘Lawrence’Kersten, Richard von der Schulenburg), Ale Hop (Alejandra Luciana Cárdenas), Spill: Magda Mayas & Tony Buck und Jasmine Guffond – sowie für die Live Visuals elektropastete.

Der Stream wird am 14. März über die Website, Facebook und Youtube gezeigt. 

Wir haben alle Beteiligten gebeten, zu beschreiben, was sie an den (anderen) Künstler:innen besonders reizt. 

Konstantin Bessonov, Mark Matthes, Simon Roessler

Konstantin Bessonov 

Spill / Magda Mayas, Tony Buck
Buck kenne ich vom australischen Avantgarde-Trio ‘The Necks’, das ich schon seit langer Zeit live erleben möchte. Sein Schlagzeugspiel ist einzigartig. Es schwebt zwischen Rhythmus und Atmosphäre, arbeitet sehr detailliert und flächig. Zusammen mit Mayas‘ melodischem Spiel am präparierten Flügel ist das ein ganz besonderes Duo.

Sky Walking
Sky Walking ist ein spannendes Experiment dreier Hamburger Freunde. Akustische Instrumente, fein modulierte Elektronik, schroff, und mit viel musikalischem Raum live komponiert. Ein ganz ähnlicher Ansatz, den ich auch in meiner eigenen Musik verfolge. Pete, Richard und Christian arbeiten zu dritt irgendwo zwischen elektronischem Jazz und instrumantalem Ambient, ohne sich an ein Genre zu binden.

Ale Hop
Alejandra Luciana Cárdenas alias Ale Hop arbeite mit E-Gitarre und Samples und hat eine beeindruckende Spannweite an Spieltechniken und Sounds. Sie macht Noise, aber nie nur der Lautstärke, der Aggressivität oder der bloßen Geste wegen – etwas, das mich zum Beispiel an männlicher Rockmusik häufig irritiert –, sondern sie bearbeitet ihr Instrument auf ihre ganz eigene, konzentrierte und unkonventionelle Weise. Sie sucht nach ungewohnten Klängen und ist eine tolle Live-Performerin.

Jasmine Guffond
Auf ihren Auftritt bin ich sehr gespannt. Jasmine Guffond setzt mit ihrem radikalen Minimalismus den Kontrapunkt des Abends. Ihr Ansatz ist reduziert, aber nie eindimensional, sondern immer bis aufs Äußerste geladen. Ganz wenige Elemente werden auf subtile Art moduliert und bleiben dadurch permanent im Spiel miteinander. Ihre digitalen Sphären wirken live besonders stark. Es mag so aussehen, als ob sie fast gar nichts macht an ihrem Laptop – und dieser Kontrast macht es für mich zu einer spannenden Performance.

SPILL (Photo: Niklas-Kammermeier & Alexander Gumz)

SPILL – Magda Mayas, Tony Buck (Statement von Tony für beide):

Ich denk, was für uns als Improvisator*innen interessant und aufregend an der Idee ist, zum ersten Mal auf einer Bühne mit neuen Mitstreiter*innen zusammen zu spielen, ist das spontane Erleben … wie wir alle im selben Moment interagieren, interpretieren und unsere verschiedenen künstlerischen Impulse verhandeln, in diesem einen Moment, in dem sich alles entfaltet. Für uns ist dieser Prozess genauso oder sogar wichtiger als das Endprodukt. Die Möglichkeit das mit neuen, kreativen Partner*innen und deren ganz eigenen Herangehensweisen zu erleben, finden wir ungemein faszinierend.

 

 

SIMON ROESSLER

Spill / Magda Mayas, Tony Buck
An Spill interessiert mich sehr, dass sie die Klang-Funktionen im Klavier-Schlagzeug-Duo neu denken: Magda Mayas verwandelt den Flügel in eine Klangmaschine für rhythmische und texturierte Sound-Archipele, und Tony Buck spielt weniger konkrete Beats und Pattern, als dass er auf Becken und Rims feinste Klangfarben-Melodien herausarbeitet, also vielmehr „das Lyrische“ in diesem Dialog erzählt.

Ale Hop
Ale Hop haut ‚rein im besten Sinne des Wortes, ohne auch nur irgendwie doof-breitbeinig zu sein. Sie macht da weiter, wo andere vorher die Gitarren-Trümmer liegen gelassen haben, oder eben diese ganzen OP-Gitarren-Spielweisen ins grade-noch-Hörbare entführt haben. Bei ihr hat das alles trotz der Spontanität eine Strukturiertheit in der Geste, eine Konsequenz, und auch einen Humor, eine Lust, das macht unglaublich viel Spass beim Zu-Hören- und -Schauen.

Sky Walking
Sky Walking wollten wir schon ganz lange mal dabei haben, und die leeren (traurigen) Terminkalender und diese Entschleunigung bringen uns jetzt also endlich zusammen. Diese Mischung aus Perkussion, Keyboards und mechanischen Klang-Experimenten spielt niemand sonst mit so einer kammermusikalischen Qualität. Das klingt zuerst zwar alles ganz locker und befreit, ist aber eben handgemacht und unglaublich schlau und gekonnt.

Jasmine Guffond
Die Musik von Jasmine Guffond erklingt für mich in einem hermetischen, inneren Raum und ist erst einmal reiner Klang, obwohl sehr viel Konzept und Bezüge im Hintergrund stehen. Aber grade hier bin ich sehr gespannt, was in der Kommunikation mit den anderen Musiker:innen passiert, wie sich deren Musik verändert, wenn sie mit Jasmine´s musikalischen Monolithen zusammentrifft, wenn sie auf oder durch diese Membran aus Schraffuren und der Leere zwischen abgründigen Impacts hindurch diffundiert.

Sky Walking: Richard von der Schulenburg, Christian Naujoks, Peter ‘Lawrence’ Kersten

SKY WALKING – Christian Naujoks, Peter ‘Lawrence’ Kersten, Richard von der Schulenburg (Statement von Christian für alle drei):

Ich finde die Ausgangsposition, so wenig wie möglich über die anderen Acts zu wissen, Luxus und umarme das auch total und versuche da so offen und spontan in die Situation reinzugehen und so das Improvisatorische daran sehr zu schätzen. Gar keine konkrete Erwartung zu haben an die anderen oder mich da eventuell danach zu richten, was ich für Vorstellungen habe, sondern total offen und spontan in die Situation reinzugehen. Das ist ja das tolle an dem Gesamtkonzept von 4fakultät. Wenn ich mir von den anderen Acts ein umfassendes Bild mache, dann formuliere ich gedanklich unmittelbar auch schon eine musikalische und sonische Idee als Reaktion darauf und genau in diesen Prozess möchte ich aber so „offen“ wie möglich gehen. Die 4er Konstellation von abstrakter Elektronik, melodischer Piano-/Percussion-Symbiose, Guitar Noise und unserem Experimental-Trio zeichnet aber schon ein sehr, sehr vielversprechendes Koordinatensystem vor.

Mark Matthes

Spill
Angefragt hatten wir vorerst Magda Mayas. Ihr Spiel mit dem präparierten Flügel empfinde ich als sehr offen, spielerisch und intuitiv. Es ist weder zu konzeptionell atonal, noch vorhersehbar oder zu vorsichtig. Fragile Details werden in Ruhe herausgearbeitet und intensive Steigerungen, vor allem im Zusammenspiel mit Tony Buck, können in dichten Noise übergehen.

Ale Hop
Sie kann bestens den exzessiven, lauten, noisigen Part im Lineup übernehmen und ruht sich doch nicht auf einem Sound aus, sondern experimentiert mit verschiedensten Klangbearbeitungen der Gitarre und ergänzenden Elementen um einen vielschichtiges, abwechlungsreiches Programm zu schaffen. Das wird ihr hoffentlich auch mehrere Möglichkeiten geben auf die anderen Positionen einzugehen.

Sky Walking
Die drei Musiker aus Hamburg kenne ich ebenfalls einzeln aus verschiedenen Kontexten und nachdem wir sie schon länger vorhatten einzuladen, freue ich mich, dass die Kombination diesmal perfekt passt. Eine tendenziell ruhige Position, die aber durch mehrere Musiker ungemein Detailreich wird und durch den improvisatorischen Ansatz auch live besonders gut erfahrbar ist.

Jasmine Guffond
Ich finde ihr Konzept, mittels Datenvertonung zu eigenständigen Musikstücken zu finden sehr spannend, auch aufgrund der zusätzlichen Information, die die Daten implizieren. Ich arbeite mit Sonification gerade ebenso in anderen Projekten, wodurch mich Ihre Arbeit besonders interessiert und ich schätze ihre musikalische Umsetzung sehr, auch im Vergleich zu Ergebnissen vergleichbarer Projekte.

Alejandra Luciana Cárdenas

ALE HOP – Alejandra Luciana Cárdenas

Jasmine Guffond
I found Jasmin Guffond’s sense of texture and ambience, dark and deeply sensuous. I felt an urgent willingness to embark on a dystopian journey.

Spill
Spill’s raving and uncontrollably and eloquent freedom is an exchange that is thrilling to hear and to take part in.

Sky Walking
I think Sky Walking’s drive for sonic abstraction is intriguing.

 

Alle Informationen zu 4fakultät #17 

4fakultät BANDCAMP

4fakultät SOUNDCLOUD

Der Stream ist kostenfrei zu erleben, man kann aber Spenden, um die Beteiligten zu unterstützen – denn sie haben durch Corona hohe finanzielle Ausfälle und gar keine Ticket-Einnahmen.

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