Der Weg zur Gewalt – Ein zwischenzuständliches Gespräch über Dumpfbacken, Depressionen und Druckwellen

Patrick Wagner „Allerdings muss ich festhalten, dass einem diese spätkapitalistische Welt auch sehr viel Anlass zur Erregung, ja Verzweiflung gibt“

Gewalt (Photo: Frank Egel)


„[…] das Brausen des Geistes… ach brüllhaftes Leben.“
(Friederike Mayröcker)

Absurd eigentlich, ein ausführliches Gespräch mit Patrick Wagner und Helen Henfling via Email oder Zoom zu führen. Scheint doch reale Präsenz für ihn und Knappheit mit Punkt für sie unerlässlich. Und doch besser als pure Imagination. Also los: Vor 21 Jahren schrieb ich in einer Rezension des Surrogat-Albums „Rock“ in der 2014 aufgelösten „De:Bug – Zeitschrift für elektronische Lebensaspekte“: „Fuck Retro. Vergiss Post. Und übrigens: Platte des Jahres. Hit it!“ Und da, „Als wir Könige waren“, so die Kurzgeschichte im zum Doppel-Album „Paradies“ erscheinenden Buch, kannte ich Patrick Wagner schon einige Zeit oberflächlich, wie es Vorbeigehen, Musikbusiness und die Berliner Postrocky-Posse erlaubten, und doch auch etwas tiefer.

Das Aufbruchsberlin der späten Neunziger. Großmaulstadt-Flash. Die hippen Anti-Hipster. Kopflastige Party People zwischen Torstraße, Volksbühne und WMF, zwischen Institutionen cooler (Club-)Musik wie Wagners Label Kitty-Yo. und dem minimalen Dub-Techno von „Basic Channel“, zwischen Acts wie Couch, Raz Ohara, Gonzales, Rechenzentrum und Peaches. Post rock’n‘rave on. Gleichzeitig da schon immer auch Zweifel und Dystopie. Beziehung kaputt. Techno-Druffi-Idiot:innen, ältere, sterbende Rock’n’Roller, verbrennende Affären. Wo will ich hin, ich ewig Suchender? „Und übrigens“ bleibt mein Allzeit-Trennungsbewältigungssong fürs Leben. Niemals 4/4. Oder doch? Gegen die Verdrängung. Leichen im Keller werden zu Zombies, kommen wieder hoch und sind dann meistens nicht besonders freundlich.

Break.

20 Jahre später, ein Freund nimmt mich mit zu ‚Patricks neuer Band‘. Da ist er wieder. Sprachrohr seiner selbst. Und Gewalt weit mehr als das und Patrick. Diese Intensität, selbst ohne PA. Drei Menschen, eine Drum Machine. Voll und ganz im Live-Erlebnis dieser kleinen Scheiße-Schachtel in Köln. Gewalt kommt vor Karies. Dann die spärlichen Singles. Rarmachen erzeugt eben doch Begehren. Danach die unbedingte Sonder-Erwähnung in meiner Rezensionskolumne bei „Die Aufhebung“, ohne Gewalt im engeren Sinn zu rezensieren. Und dann, nach den kleinen Formaten, den immer wieder bei unterschiedlichen Labels erscheinenden Singles, der schnell vergriffenen Kompilation auf Cassette und den Konzerten zwischen Jazz-Festival, linksautonomen Zentren und Jack White-Support jetzt, am selben Tag erscheinend wie das überreizte Comeback von ABBA, das ganz dicke, opulente Gewalt-Brett: Eine neue LP mit zehn Songs plus zusammengestellte Singles auf zweiter LP plus Buch mit Lyrics, teilweise ausführlichen Kommentaren voller Alltagsbeobachtungen und persönlichen, unwitzigen Anekdoten. Dazu die bereits erwähnte Kurzgeschichte plus Fotos und lose herum hängende Collagen als Artwork (Fehmi Baumbach), vorab und ‚als eigene Vorband‘ „Wagner liest Wagner“ bei Youtube: „Das also bleibt übrig von mir, ohne die Lautstärke, ohne mein Gebrüll“. Gib mir alles.

Ist das der Wagner-Super-GAU nach dem ostentativen Understatement?
Der Gewalt-Overload?
Der Größenwahn?
„Unterwerfung“?
„Folge mir“!
Der Abtritt?
Das Selbstmordattentat?
Paradies oder Hölle?

Doch mal nachfragen bei Helen und Patrick. Eigentlich steht ja schon alles in den Texten und Kontexten dieser gnadenlos mitteilungsbedürftigen Band. Wie davon befreien? Einfach nochmal von vorne anfangen. Ein Performer, ein Entblößer und eine gewaltige Band, die ihn festhält und fest hält.

Der Weg zur Gewalt?

P.: Mir ging es zu der Zeit nicht so gut. Helen meinte, ich solle doch wieder Musik machen. Ich sagte, wahrscheinlich hast du Recht, aber nur mit dir. Die Idee war, in fünf Proben fünf Lieder zu schreiben und dann aufzutreten. Also quasi wie in den Achtzigern – auf der Bühne zu proben. Wir haben dann doch zehn Proben gebraucht und spielten ein Konzert im „Antje Öklesund“ in Berlin.

H.: Schnappsidee nach dem Knutschen in der 8MM Bar.

Was kommt nach der Gewalt? Und nur an Helen: Wie siehst du den Weg der Gewalt?

H.: Ich mache mir keine Gedanken über die Zukunft. Und zum Weg der Gewalt: Don´t look back in anger.

P.: Eventuell Versöhnung. Nein, niemals, ich/wir werden unseren Frieden nicht machen, auch nicht nach der Gewalt.

Was war vor der Gewalt?

P.: Für mich lag vor der Gewalt eine seltsame Periode von Fragmentierung. Zwischen Schulden, Apathie, Selbstfindungsversuchen, Sorgerechtsstreit und einer undefinierten Zeit vornehmlich in den eigenen vier Wänden. Als würde ich nicht anspringen und verwittern. Ich kann nicht eingrenzen, wie lange diese klebrige Zeit andauerte. Ich würde sie aber auch nicht als unglücklich bezeichnen. Ich glaube, ich habe das gebraucht, dieses in Vergessenheit geraten. Ich glaube, viele Menschen könnten das gebrauchen.

H.: Weiß ich nicht mehr.

Break.
Erfahrung, Haltung, Artikulation, Schonungslosigkeit, kein Wunder, denke ich, dass Patrick erzählt, dass sie sich mit den ähnlich, wie er es nennt, betrügerischen Sleaford Mods angefreundet haben. Die zeigen auch, wer sie sind und dass die Bühne kein Raum für Helden ist. Der Sprechende bestimmt das Geschehen. Und dreht das Interview um, möchte wissen.

P.: Meine erste und schwierigste Frage an dich: Welche Rolle spielt Gewalt im Allgemeinen in deinem Leben? Kannst du etwas davon in Gewalt (die Band) wiederfinden?

C.: Wow. Ich kann das jetzt schwer von dir als fragender Person, die ich schon sehr lange ‚kenne‘ und schätze, trennen. Als ich von einem Freund zu meinem ersten Gewalt-Konzert in Köln mitgenommen wurde, spielte der Name der Band zunächst keine Rolle. Dann wurde ich von eurer Präsenz und dem Wiedersehen derart überwältigt, von eurem gewaltigen Wums und dieser schonungslosen Ehrlichkeit und Wuchtigkeit. Noch anders als bei deiner mich begeisternden Band Surrogat vor langer Zeit. Für mich sind Gewalt noch direkter, vielleicht auch, weil wir alle so viele Narben bekommen haben und die nicht immer verbergen wollen, sie zu uns gehören. Nackt baden im Stahlbad ‚Fun‘. Eine gute 
Freundin erzählte neulich offen, sie habe nach einem Gewalt-Konzert und dem Grande Finale „Wir sind sicher“ weinen müssen, du hättest sie dann in den Arm genommen und gesagt, ihr müsstet auch immer weinen. Diese starken, durchaus reinigenden Effekte verbinde ich mit Gewalt als Band. Allgemein kommt Gewalt in meinem Leben aber eher negativ vor, Gewalt an Schwächeren, psychische und physische Gewalt im Alltag, Durchbrüche des guten Miteinanders, „Squid Game“ etc.
Erwartungsgemäß würde ich die Frageposition jetzt gerne umdrehen und dich zurückfragen, zumal das eine sehr charmante Art sein könnte, die wohl doofste musikjournalistische Frage nach dem Namen einer Band zu stellen?

P.: Gewalt hilft uns dabei, bei uns selbst und anders als mittelmäßig zu sein. Es ist wie ein Koan [chinesische oder japanische Meditationssentenz, Anm. C.J.], eine Art Lebensrätsel, an dem man sich abarbeitet, ein Gelübde. In uns wirken sehr starke Kräfte, stete immerwährende Gewalt.

Was heißt und bedeutet Erfolg und Scheitern für dich und euch?

P.: Bis jetzt war die Band ein reiner Erfolg, alles, was uns passiert ist, war gut, die Leute bei den Konzerten, die Reaktionen, die unfassbar vielen Singles, die Reaktionen, die Intensität. Ohne Erwartung gibt es nur Erfolg. Jetzt scheitern wir. Mit „Paradies“ haben wir uns eine eigene Hölle geschaffen. Irgendwie erwarten wir, dass was gehört und wahrgenommen wird, was naturgemäß nicht passiert. Wird es wahrgenommen, ist es uns zu viel.

Wie fühlt sich für dich Erfolg genauer an? Und wie Scheitern?  Erfolg ist, wenn die anderen klatschen? Und Scheitern auch? Was meinst du hier mit der eigenen Hölle?

P.: Erfolg scheint etwas Erstrebenswertes, es fühlt sich gut an, wohlig. Für uns gilt das erst einmal mit dem Prozess der Entstehung der Songs, der Aufnahmen, des Covers, des Videos, der Lesungen, der Begleittexte, der Interviews – wenn all das sich intensiver anfühlt, als zum Beispiel Netflix, können wir von einem Erfolg sprechen. Wenn daraus aber (wie im Fall von „Paradies“) Erwartungen an die Welt entstehen, entwickelt sich dieser eigentliche Erfolg zur eigenen Hölle, da dieser Narzissmus nie zu befriedigen ist. Gleichzeitig erwächst die innere Scham, dass es einen interessiert, ob man relevant ist. Dabei wissen wir von Robert Walser (frei zitiert) „Es interessieren sich Leute für mich, entweder ich bin tot, böse oder mittelmäßig“. Also kurz oder größer gedacht: Erfolg oder Misserfolg sind absolut irrelevant (stehen auch in keinem Zusammenhang mit Glück – siehe Jeff Bezos). Auf uns wartet nichts als der Tod. „wir klammern uns an einen Funken Glück und unser Leid“ („Stirb es gleich“). Leider wohnt uns diese kranke Gier inne. Es scheint einer meiner inneren Kämpfe zu sein, diese wieder und wieder überwinden zu müssen.

Im Kommentar zu „Stirb es gleich“ im zum (Doppel-)Album „Paradies“ erscheinendem Buch „Paradies: Gewalt“ beschreibst du meines Eindrucks nach, wie deine Bezugnahme auf den Tod dich eher befreit hat als bedrückt: „Weil ich weiß, dass ich nur einen Wimpernschlag vor meiner Auslöschung stehe, kann ich einfach das tun, was ich will. Ich kann schreiben, ich kann Musik machen, ich kann für meine Freundin kochen und sie lieben. Ich kann all das auch sein lassen. Kein Gut, kein Schlecht.“ Wird der selbst ernannte ehemalige Glücksjäger in dir irgendwie dann doch gelassener oder schweigsamer (was auch nicht ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ bedeutet und doch arg absieht von deiner ungemein intensiven Textproduktion)?

P.: Sagen wir es so: Ich ringe um Gelassenheit. Allein ich bin aus nicht viel gemacht und verfalle immer wieder in diese wütende Erregung. Allerdings muss ich festhalten, dass einem diese spätkapitalistische Welt auch sehr viel Anlass zur Erregung, ja Verzweiflung gibt… Und klar im Verhältnis zur dumpfen Mittelmäßigkeit vor allem deutscher Musik, wirken wir wohl immer noch wie Berserker. Das ist gut.
Kennst du gegenwärtige Musik, die vergleichbare emotionale Wucht entwickelt oder entwickeln will?

Sehr viele, auch deutschsprachige. Ganz unterschiedliche Arten von Wucht, mal sperriger wie bei Friends of Gas, Candelilla oder immer noch und weiter bei den Goldenen Zitronen, mal sleazy wie sogar vor Jahren für mich überraschend berührend beim Live-Update von Blumfeld zu „L’Etat et moi“ oder bei Messer, mal ziemlich geradeaus wie bei Alte Sau oder Karies, mal zerbrechlich und stark gleichzeitig wie bei der Heiterkeit, Bersarin Quartett, Barbara Morgenstern, Tocotronic oder Vaovao. Die Dumpfen sind demgegenüber für mich diejenigen, die ihr Wuchtigseinwollen bewusst mit ausstellen. Über die komplett Bescheuerten reden wir erst gar nicht.
Das besonders Wuchtige an Gewalt, das Gewaltige und niemals Gewalttätige, das Zärtliche an Gewalt ist für mich das Herausbrüllen der Schwäche, der Ängste, der Sorgen. Da ist so eine ganz, ganz starke, vor Schmerz gebückte Haltung, die einen hält. Krach im Klang, ruppige Zartheit im Text, Komplexität in der Band. Ihr geht voran. Nach unten. Der Grad der Wuchtigkeit hat ja auch mit Resonanz im Sinne meiner Sehnsucht nach Wuchtigkeit zu tun. Gewalt gemeinsam mit Freunden anzuhören, die diese Musik verstehen, ist für mich sehr wuchtig. Wobei mir die schreiende Zappeligkeit von „Kein Mensch“, „Stirb es gleich“ oder die zähe Doppelbödigkeit von „Wir sind sicher“, „Wand“ mehr schenkt als die vermeintlich klar marschierende in „Es funktioniert“, „Gier“, „Deutsch“ oder dann ganz extrem auf „Paradies“. Das heißt nicht, dass diese, für mich an Industrial und Electronic Body Music oder sogar manchmal Suicide erinnernden Stücke nicht knallen. Ich mag es nur lieber trockener, zappeliger und sperriger wie auf „Manchmal wage ich mich unter Leute“, da werden die Texte inklusive des zerbrechlich-mechanischen Untergangs-Chors von Helen und Jasmin – wie auch auf „Stumpfer werden“ – auch noch stärker gemacht.

Gewalt (Photo: Frank Egel)

P.: Danke Christoph für diese salomonische Antwort. All diese Künstler, die du aufzählst, scheinen aus einer verblichenen Welt zu stammen, die es so nicht mehr zu geben scheint. Die Realität sind ja irgendwelche Schleimbarden oder dumpf bellende HipHop-er sowie als Indie und Punk getarnte Schlagermusik. Aber schön, dass du die Gewalt‘sche Verletzung und Verletzlichkeit als das Ausmachende empfindest. Auch für uns ist „Manchmal wage ich mich unter Leute“ das wichtigste Stück des Albums, gerade auch mit der Kraft, die von Helen und Jasmin ausgeht.

Meine nächste Frage: Die zehn neuen „Paradies“-Lieder. Ist das Musik (abgesehen davon, dass wir das behaupten)? Gibt es einen Ort dafür? Nicht im Sinne von Markt oder Nische, eher im Sinne, ob und wo dockt das bei dir an?

Was auch immer es ist, Ihr seid, ob das Musik ist, scheint mir vollkommen unerheblich. Es ist relevant für mich. Persönlich. Kultürlich ist das Musik, sind das Klänge und Songtexte. Aber letztlich sind das drei Menschen plus Instrumente inklusive der Drum Machine, die ja, wie vor allem bei den frühen, spannenden Sisters of Mercy, auch personifiziert wird und einen immensen dramaturgischen Einfluss hat: „Die Maschine schleift uns durch“, sagtest du in unserem Hintergrundgespräch. Überhaupt höre ich quer durch die Dekaden neben Pre-Techno (D.A.F., Suicide, Nitzer Ebb), Ill Hop (The Bug), Industrial (Throbbing Gristle, Pharmakon, Laibach), Noise Rock (Big Black, Shellac, Bastro, frühe Helmet), Post Punk (The Birthday Party, Gang of Four), ‚Genialen Dilletanten‘ (Max Müller, Die Einstürzenden Neubauten, Westbam), NdW (Trio, Nichts, Grauzone), Surrogat auch viel New/No Wave (Killing Joke, Lydia Lunch, Sonic Youth) und sogar ein bisschen Gothic, wie bei den schon genannten frühen Sisters, bei Bauhaus, Malaria! oder Red Lorry Yellow Lorry. Alles minus abgegriffener Posen, eher mit Anti-Posen. Genau, Gewalt sind für mich die Anti-Rockband mit Anti-Rockmusik. Nicht meta, sondern anti. Ihr schließt also ständig und überall aus und damit für mich an, der Ort sind meine Sinne.

P.: Auf unserer Single „Es funktioniert“ versuchen wir, die Auswirkung einer digitalisierten Welt auf den oder die Einzelne/n zusammen zu fassen. In unseren Augen erzeugen diese Fluten in erster Linie kommerziellen Interessen dienenden Informationen Lähmung, Depression und Apathie. Kannst du noch Informationen filtern, woher bekommst du sie, wie gehst du damit um?

C.: Das ist eine große, berechtigte und passende Frage. Ich kenne diese narkotisierten Momente, wenn Körper und Geist sich quasi gegenüber dem ganzen übergriffigen Geballer abschalten, um mich zu schützen, ohne „Stumpfer werden“. Ich möchte entscheiden, wann und wie ich Gewalt höre. Und nicht ständig auf meinem Smartphone unaufgefordert angespielt bekommen. Als Privatmensch ziehe ich mich zurück und versuche, die sinnvollen Seiten zu nutzen, als Journalist digge und suche ich, habe ich meine Netzwerke und schätze ich wiederum die positiven Aspekte wie zum Beispiel die Möglichkeit, mich mit dir und euch einfacher auszutauschen. Als Wissenschaftler fällt es mir zunehmend schwerer, diese Fluten zu bewältigen. Ich denke, Daten- und Kommunikations-Unterstützung wird das neue Prekariat und mit hoffentlich mehr als Pfand bezahlt, um euren Song „So geht die Geschichte“ aufzugreifen. Eine gewisse Befreiung, Widerständigkeit und gutartige Gleichgültigkeit habe ich an mir auch schon beobachtet – weniger den Kurzschluss. Resilienz ist hier keine Selbstoptimierungskompetenz im neoliberalen Sinn, Resilienz ist genau das Arrangieren mit sich selbst und seinen Umwelten, wie du es bezogen auf den Tod beschreibst. Und alles D.I.Y., das ist schon der Wahnsinn, da hat die gesellschaftliche Medienkompetenzausbildung komplett versagt, die eben nicht nur Technik-, sondern vor allem Sozial-, Kommunikations- und Kulturkompetenz, kurz gleichzeitige Miteinanderseins- und Alleinseins-Fähigkeit bedeutet, woraus erst Vertrauen in sich und andere entstehen kann. Es funktioniert eben nicht. Was uns nicht aufgeben lassen sollte. Ganz klar. Diese aus der Verzweiflung geborene utopische Energie, dieses produktiv Widersprüchliche aus Abscheu, totaler Verausgabung (es gibt keine kleine Gewalt), Beinahe-Kontrollverlust und Versöhnung spüre ich bei Gewalt.

Break.
„Ist das Gewalt?“ (Patrick) Ja. Total. In der fulminanten, brachial-zärtlichen Wirkung dieser „Fusion-Band“ (Patrick) geht es um pure Authentizität, nicht im Sinne von langweiliger elitistischer Originalität oder blöder rockistischer Handgemachtheit, sondern als Glaubwürdigkeit und Passung der Charaktere Patrick, Helen, Jasmin und LMMS in Bezug auf Gewalt. Die Band als kongeniale Kollaboration. Auf dem Weg ins Armageddon oder den Himmel. Oder die Welt. Dahinter keimen Trost und Hoffnung. Das ist sehr viel. Das ist verdammt groß und umfassend, immer kurz vorm erschöpften Umfallen mitten im Gefühl des allgemeinen Weltschmerzes. „6:35 Uhr, der Nacht getrotzt“ („3:35 Uhr“). Ich allein. Implosion. Ich bin mit euch. Explosion. Verkriechen. Raus hier. „Wir sind mechanisch, wir sind zerbrechlich.“ Fuck Retro. Vergiss Post. Und übrigens: Platte des Jahres. Hit it!

„die anpassung des schreibers, durch die art seiner aussprache neben die bedeutung seiner sätze treten zu wollen, die wahrheit und ihr diener unzertrennlich. Bestechung in jeder originalität zweck.“ (Oswald Wiener)

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