Kapute Szene »Kaiwa no 2/3«

Vor einigen Wochen haben wir Euch bereits an anderer Stelle die „Kapute Szene“ vorgestellt, den nicht- kommerziellen Ausstellungs- und Performanceraum, den wir in der der Kyfhäusserstr. 31 (Hinterhof) gegründet haben. Es soll ein transdisziplinärer Knotenpunkt in Köln werden, der offen ist für Stimmen, die sonst selten gemeinsam in Erscheinung treten, ein experimentierfreudiger Ort, an dem neue Dialogformen zwischen Bildender Kunst, Sound, Theorie und Performance ausgelotet werden.
Die erste Manifestieren, unsere achteilige Musik-Konstellationsreihe-Reihe »Der Klang von Kaiwa« I–VIII ging am 11. April mit einem unvergesslichen Abend mit Miki Yui und Asmus Tietchens los –und wir sind noch immer überwältigt vom Andrang, sold out fühlte sich noch nie so schön eng an. Die weiteren Konzerte finden größtenteils im Kontext unserer am 2. Juli startenden Ausstellung »Kaiwa no 2/3« stattfinden.
Für 2026 haben Sarah Szczesny und ich zudem ein umfangreiches Ausstellungsprogramm namens »Kaiwa no 2/3« (japanisch für „im Dialog“) kuratiert, eine Versuchsanordnung, in der je zwei bis drei Künstler:innen zeitgleich aufeinandertreffen und so eine mehrstimmige, konzentrierte Arbeitspräsentation entsteht; wobei die Ausstellungen ineinander übergehen und sich so eine große Jahresausstellung ergeben.
„Kapute Szene“ ist als Bühne für Musik, Sound und Performance konzipiert, die zwischen Improvisation, Komposition, elektronischer Avantgarde angesiedelt sind. Die Konzerte finden immer tagsüber und bevorzugt an den Wochenenden statt.
Doch bei diesen Reihen soll es nicht bleiben. Wir verstehen „Kapute Szene“ als offenen Ort, an dem unregelmäßig-regelmäßig Konzerte, Lesungen, Talks, Filmscreenings von uns aber auch anderen stattfinden können.

»Kaiwa no 2/3« wird von der Kunststiftung NRW geförder
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»Kaiwa no 2/3« / I: Sarah Szczesny, Ani Schulze & Pui Tiffany Chow
Eröffnung: 2. Juli 2026, 17 Uhr / Die Teilausstellung hängt bis zum 3. September 2026
Sarah Szczesny arbeitet medienübergreifend mit Malerei, Collage, Fotografie, Video und Performance. Die Kölner Künstlerin zerteilt in ihren Bildern Bildmaterialien wie Cartoon-Elemente, um durch Verzerrung, Schleifen (Loops) oder Soundeffekte die materiellen Grenzen der Malerei zu dehnen. Sie verbindet in ihren Arbeiten formale Studien mit Zitaten aus Popkultur und Kunstgeschichte und schafft so eine mehrdimensionale Ästhetik, die Bewegung, hybride Bildräume und performative Elemente einschließt.
Die Arbeiten der in Köln und Porto lebenden Künstlerin Ani Schulze bewegen sich zwischen Video, Skulptur und multimedialen Rauminstallationen. Sie lotet die Beziehungen zwischen Körper und Umwelt aus, untersucht Konstruktionen von Weiblichkeit sowie historische, soziale und kulturelle Machtverhältnisse – Mythologie, Rituale, Natur und Digitalisierung verschmelzen in ihren Bildern zu traumhaften, oft fragmentarischen Erzählungen.
Pui Tiffany Chow durchforscht in ihren Gemälden und Zeichnungen die Spannung zwischen Figuration und Abstraktio, insbesondere über die Darstellung des weiblichen Körpers, in dem sie klassische Maltraditionen mit zeitgenössischen Einflüssen verschränkt. Sie verbindet visuelle Codes aus Ost und West – Renaissance-Malerei, Animation und Popkultur – und nutzt Formen, Farben und Formenabweichungen, um Identität, Raum und Wahrnehmung neu zu befragen.
»Kaiwa no 2/3« / II: Olivia Mole & John Russell
Eröffnung: 3. September 2026, 17 Uhr / Die Teilausstellung hängt bis zum 5. November 2026
Olivia Mole und John Russell verkörpern beide eine Lust an der Negation fester Kategorien, eine Qualität, die sie zur idealen Besetzung für die erste »Kaiwa no 2/3«-Ausstellung macht.
Olivia Mole entwickelt Animationsfilme und immersive Installationen, die eine eigene Bildsprache aus queer-feministischen und popkulturellen Codes formen. Die Arbeiten der in Los Angeles lebenden Künstlerin bewegen sich zwischen ironischer Überzeichnung und poetischer Atmosphäre und schaffen zugleich neue Räume für Identität und Narration. Durch diese Mischung entstehen visuelle Welten, die gesellschaftliche Normen spielerisch hinterfragen und transformieren.
John Russell ist eine Schlüsselfigur der post-Young-British-Artist-Szene in London und bekannt für seine Verbindung von konzeptueller Strenge mit anarchischem Humor. Seine Arbeiten reichen von Bild- und Textcollagen über digitale Interventionen bis hin zu raumgreifenden Installationen. Dabei entwickelt er eine kritische wie zugleich subversiv-überbordende Bildsprache, die sich an den Schnittstellen von Kunst, Theorie und Pop bewegt.
»Kaiwa no 2/3« / III: Merve Denizci & Doğancan Yılmaz
Eröffnung: 5. November 2026, 17 Uhr / Die Teilausstellung hängt bis zum 19. Dezember 2026
Merve Denizci & Doğancan Yılmaz betreiben in Istanbul den Kunstraum Non.Sight und widmen sich in ihrer künstlerischen Praxis dem Zusammenspiel von Architektur, Alltag und gesellschaftlichen Spuren. Sie untersuchen – und im Fall von Non.Sight gestalten sie diesen auch selbst – Orte, an denen Menschen zusammenkommen, und eröffnen so einen Dialog zwischen gebauter Umgebung und gelebter Erfahrung.
Merve Denizci arbeitet vor allem mit räumlichen Interventionen und performativen Handlungen, die die Nutzung alltäglicher Architektur hinterfragen. Ihre Arbeiten reflektieren, wie Menschen Räume erleben, interpretieren und durch ihre Präsenz transformieren. Dabei entstehen Projekte, die sowohl dokumentarisch als auch poetisch sind und gesellschaftliche Spuren sichtbar machen.
https://mervedenizci.com/stray-eye
Doğancan Yılmaz fokussiert sich auf die Analyse von urbanen Strukturen und deren sozialen Dynamiken. In seinen Projekten entstehen visuelle und räumliche Experimente, die Architektur als lebendige, veränderbare Umgebung begreifen. Durch diese Praxis werden Machtstrukturen, Bewegungsmuster und kulturelle Narrative innerhalb städtischer Räume erfahrbar und reflektierbar.








