Freitag, 6.12.2019
Daso Franke – "Daso" Releaseparty

#dasoforever – „Es war, als würde man Larry David zum ersten Mal sehen”

Photo: Roland Kaiser Wilhelm

Am 2. April vergangenen Jahres ist unser Freund Daso Franke viel zu früh verstorben. In den Monaten vor seinem Tod produzierte er weiterhin an einen Album, das nun genau ein Jahr nach seinem Tod auf Connaisseur Recordings erscheinen wird.

Wir haben “Daso” zum Anlass genommen, einige Freund_innen nach ihrem persönlichen Lieblingsstück von Daso zu fragen. 

Am 4.4. wird es ein kleines Get-together im Latitude Plattenladen der Grießmühle in Berlin geben. Wir freuen uns über alle, die ab 17 Uhr vorbeischauen, um gemeinsam Dasos Musik zu hören.

 

Pawas Gupta
Daso & Pawas „Det”
(Spectral Sound)

“Ich war die ganze Nacht wach und habe an einem Track gearbeitet – ich war mit dem Ergebnis richtig zufrieden. Am nächsten Tag kam Daso zum Mittagessen vorbei. Ich wollte ihm den Entwurf unbedingt vorspielen. Er hörte es sich an, hat nicht viel gesagt, setzte sich aber auf meinen Computer und hat 90% der Kanäle auf Ableton stumm geschaltet und dann gesagt: „Jetzt ist es perfekt!” Genau genommen waren es nur noch die Melodie und dazu die Kickdrum. Er fing an zu tanzen, warf seine Hände in die Luft, sein Lieblings-Tanz-Move. Dann setzten wir uns hin und haben daran gearbeitet, nach ein paar Stunden war „Det” fertig.”


Jin Choi

Daso & Jin Choi “Teer”
(Systematic Recordings)

„Ich habe Daso im Sommer 2004 vor dem Kölner Six Pack kennengelernt. Seit dieser Nacht gab es vermutlich kaum einen Tag, an dem wir uns in unserer Kölner Zeit bis 2009 nicht gesehen haben. Er war damals gerade nach Köln gekommen mit paar Plastiktüten und Reisetaschen, weil es in Hannover keine richtige Musikszene für ihn gab und er über Adam Kroll einen Kontakt zu Traum Schallplatten bekommen hatte. Im Reisegepäck hatte er einen sehr bescheidenen Medion-Rechner, auf dem Fruity-Loops lief.
In seiner unnachahmlich-impulsiven Art verwickelte er mich an diesem Abend vor dem Six Pack in ein enthusiastisches Gespräch übers Musikmachen. Ich war ganz baff von seiner Euphorie, wusste allerdings überhaupt nicht, was ich von einem Typen halten sollte, der über große musikalische Visionen spricht und mit Fruity-Loops auf einem Aldi-Rechner produziert. Der Abend endete damit, dass wir nach einer lahmen Party früh morgens in mein Studio fuhren, weil er mir “seinen Track” vorspielen wollte, an dem Traum / My best Friend Interesse hatte. Er legte ein Demo von “Daybreak” auf, das schon nah an der Release-Version dran war – und ich konnte kaum glauben, was für einen Monster-Song dieser schräge Typ mit Fruity Loops und Maus gezaubert hatte (Daso hatte kein Keyboard damals, er zeichnete die Melodien mit Maus).
Wow. Ich war ziemlich baff, aber nicht sicher, ob es ein lucky shot war. Aber meine Neugier an Daso war geweckt. Ein paar Tage darauf kam er mit zahlreichen Skizzen um die Ecke sowie einem ersten Entwurf von “T. Anders”, der B-Seite seines ersten MBF-Releases – und damit war alles klar: Hier war massiv Talent und musikalische Empathie am Start!
Kurze Zeit später begannen wir auch gemeinsam Musik zu machen. Von Track zu Track entwickelte sich Daso gewaltig, er lebte und fühlte Musik wie kaum ein anderer Producer, den ich kenne. Und so produzierte er auch: Daso war im Studio kaum im Stuhl zu halten, ständig sprang er auf und ab, tanzte, editierte, wechselte Programme und Plug-Ins im Sekundentakt, bouncte wirre Effektspuren zusammen, hackte Funktionen entgegen ihrer Einsatzidee… Er performte die Songs geradezu in den Rechner rein. Ein Wahnsinn an Eigenständigkeit und Identität – und zu jeder Sekunde voll brennender Leidenschaft.
Durch Daso bekam ich einen neuen Zugang zur Musik. Von all den Songs, die wir zusammenproduziert haben, mag ich vor allem “Teer” (auf Systematic Recordings), wo wir, wie ich denke, eine feine gemeinsame Handschrift für dubbigen House entwickelt hatten.
Brother, I miss you. Thanks for the time we had and the inspiration you gave.“


Jennifer Cardini

Daso „Meine”
(Spectral)

“Nur wenige Künstler können sagen, dass sie einen „instant classic” geschaffen haben. Daso war einer von ihnen. In „Meine” steckt sehr viel Ehrlichkeit, es ist eine Hymne, die positiv und voller Liebe ist!”


Jens Friebe

Daso „Cotton David“ feat. Anouk Visée
(Connaisseur Recordings) 

„Als ich Daso das letzte Mal im Krankenhaus besuchte, war er nicht mehr ansprechbar. Seine Freundin ließ die noch vor wenigen Wochen fertig produzierte Platte für ihn laufen. Ich erinnere mich besonders an dieses Lied. Laut Annouk, die ihn gesungen und auch mitgeschrieben hat, sollte es so ein bisschen eine gagsige Craig David-Pastiche sein. Für mich passte der Song zu den Erinnerungen an die früheren Besuche. Einerseits diese etwas traurig-verstrahlte Hospitalstimmung, aber auch diese gechillte, tiefe Heiterkeit, die Daso auch in den krassesten Phasen seiner Krankheit, auch als er gewusst haben muss, wie die Chancen für ihn stehen, nie verloren hat. Und es ist einfach ein sehr schöner Song.“

Sam Valenti IV
Daso “Beneath A Steel Sky”
(Connaisseur Recordings)

“Es gibt zwar ikonischere Daso-Songs, aber mein Favorit ist „Beneath A Steel Sky”. Der Track macht genau das, was Daso am besten kann, großartige Percussions und fesselnde Melodien. Es hat mehr Leidenschaft als 1000 Songs und der Tanz zwischen Bassline und Melodie wird Bestand haben. Generationen werden Dasos Musik und ihre Unverwechselbarkeit in der elektronischen Welt entdecken. Ich fühle mich sehr geehrt, dass wir mit ihm zusammenarbeiten konnten und ich werde seinen Geist und sein musikalisches Können sehr vermissen.”

Irakli Kiziria
Daso „Daybreak“
(MBF)

“Es war ein heißer Sommertag in Köln. Ich saß mit einem Freund zusammen draußen an unserem Lieblingsladen damals, kurz darauf kam Daso zu uns. Er war ein Freund eines Freundes und das war das erste Mal, dass ich ihn traf.
Was soll ich sagen: Ich war schockiert von Dasos Humor, er war viel zu ehrlich – viel ehrlicher als ich gewohnt war. Es war, als würde man Larry David zum ersten Mal sehen. Er machte Witze und brachte uns zum Lachen, und man wusste einfach nicht, ob es in Ordnung war zu lachen oder ob es zu krass war. Ich erinnere mich noch, dass ich nach dieser Begegnung am späten Nachmittag nach Hause gegangen bin, um seine Musik auszuchecken. Da war es, „Daybreak”, gerade erst auf dem Kölner My Best Friend Label erschienen.
Es verging viel Zeit, wir wurden sehr gute Freunde und er hat viele Sachen veröffentlicht, aber für mich ist dieser Song etwas Besonderes. Es wird mich immer an diesen Nachmittag voller Lachen und Freude erinnern.”

Sebastian Ingenhoff
Daso „Daybreak“
(MBF)

„Daybreak“ hörte ich das erste Mal beim Vorglühen in der Wohnung eines Freundes. Der Künstler war anwesend. Daso war gerade von Hannover nach Köln gezogen und hatte die letzten Jahre damit verbracht, mit simpelstem Equipment Tracks für den Dancefloor zu produzieren, die eigentlich eher Songs waren. Zu dem Zeitpunkt war bereits klar, dass „Daybreak“ auf MBF erscheinen würde. Ebenso war uns anderen klar, dass „Daybreak“ mindestens ein kleiner Clubhit werden würde. Die verhuschten Vocals, der pulsierende angezerrte Bass, die trancigen Flächen und die Melodie fügten sich perfekt zwischen New Wave, Italo und Kompakt-Sound ein.
Daso kam eigentlich vom Pop, seine Lieblingsband war New Order. Von Techno hatte er eigentlich nicht viel Ahnung, wie er selbst sagte. Das Wissen schaffte er sich kurzerhand drauf und schon ein knappes Jahr später spielte er eines seiner ersten Livesets in der relativ frisch eröffneten Panorama Bar. Zugleich Daybreak eines der talentiertesten Produzenten, schrägsten Vögel und herzensbesten Menschen, die ich in diesem Zirkus bislang kennenlernen durfte. You are missed, old friend.“

Roland „Kaiser“ Wilhelm
Daso „Daybreak“
(MBF)

„Meine Geschichte hat nicht direkt mit „Daybreak“ zu tun –– dazu hat Sebastian schon alles geschrieben. Aber ich weiß noch genau, wie Daso mir mal ein Paar Schuhe abgekauft hat, die mir zu groß waren, ihm aber eigentlich viel zu klein. Aber es half nichts, er MUSSTE diese Schuhe haben, also hat er sich mühsam hineingequetscht und ich bin mir sicher, dass ihm noch auf dem Nachhauseweg die Nähte geplatzt sind. So war Daso nunmal, ein liebenswerter Dickschädel.“

Arno Raffeiner
Daso „Daybreak“
(MBF)
“Ich erinnere mich an ein zufälliges Treffen mit Daso im Kölner Stadtgarten, unweit vom Kompakt-Plattenladen und dem damaligen Sitz der Intro-Redaktion. Es war ein lichter Nachmittag, er komme gerade von einer Kickdrum-Lektion bei Riley Reinhold, sagte Daso, auf dessen Label My Best Friend sein Debüt erschien, die „Daybreak“-EP. Er hätte von Riley ein paar Tricks gelernt, um seinen Tracks untenrum noch mehr Wumms zu verpassen, erklärte Daso. Ich kannte einige seiner Tracks schon und konnte mir nicht vorstellen, was man an ihnen noch technisch aufbrezeln sollte. Ob „Daybreak“ zu dem Zeitpunkt schon erschienen war, weiß ich jetzt leider nicht mehr. Aber das Stück wirkt für mich immer noch wie eine Essenz von Dasos Musik und seiner Persönlichkeit. Da ist diese überrumpelnd ehrliche Art, mit der Tür ins Haus zu fallen, da ist diese gewisse Partyprolligkeit, die in harmonischer Schwärmerei und Morgenlicht-Sehnsucht eben gerade nicht aufgelöst wird. Das eine tänzelt spielerisch um das andere – geradeaus und melodieselig, breitbeinig und zart und gerade deswegen so umwerfend und so sehr Daso, wie es manche seiner späteren Tracks für mich nicht mehr werden konnten, wie ich es in all seiner Musik aber auch heute noch höre.”

Lee Burridge
Daso „James Fake“

„James Fake” sorgte zunächst für allerlei Verwirrung. Fans und Beatport, die es bei der Veröffentlichung falsch verstanden hatten, haben gefragt, wer dieser neue Künstler, James Fake, ist?! Ich habe nie herausgefunden, warum er sich entschieden hat, einen Track nach einer (erfundenen) Person zu benennen. Der Song erhellte jedoch die Gesichter und Herzen der Menschen auf staubigen Wüsten-Tanzflächen sowie in den Clubs. Mädchen liebten ihn (Mädchen lieben Dasos Tracks immer) und auch Jungs. Seine Fähigkeit, Tracks sexy zu machen, war unübertroffen. In seinen Produktionen war immer so viel Liebe. Ich bin überzeugt, dass er auch weiterhin irgendwo im Kosmos oder anderen Dimensionen Musik macht.”

Oliver Koletzki
„Since You Are Gone“ [Daso Remix]

„Daso war ein wunderbarer Mensch. Selbstlos, ehrlich und sehr liebevoll. Sein Song „Daybreak“ hat mich damals verzaubert und nachhaltig beeinflusst. Er wusste, wie sehr ich dieses Lied liebte und hat sehr wahrscheinlich deswegen seinen Remix für mich an „Daybreak“ angelehnt. Wir sehen uns auf der anderen Seite, Daso.“

Alex Flitsch
Daso „La Fée Verte”
(Connaisseur Recordings)

“Daso war ein wunderbar vielseitiger Produzent, der sowohl knallharte Tracks für die Stoßzeit auf der Tanzfläche, als auch ausgesprochen zärtliche Tracks abliefern konnte, die unmittelbar eine Gänsehaut erzeugen – er prägte einen Stil, den wir gerne unter unserem selbst erfundenen Genre Livingroom Techno einordneten. Er hatte. Das Meisterwerk unter seinen sanfteren Produktionen ist zweifellos „La Fée Verte”, von seiner „Absinthe EP” von 2007. Ein klassischer B2-Track mit allem, was es nötig ist, um der zeitlose, versteckte Juwel einer EP zu sein. Rückblickend war es der meist lizenzierte Track von Daso auf Connaisseur, der eine universelle Energie transportierte, über die sich alle einig waren. Ein echter Ibiza-Sundowner mit einer verführerischen Melodie, die so eindringlich ist, dass man sie nie wieder vergessen kann.”

Alex Flitsch
Daso „Numb”
(Supérieur)

“Es gibt tatsächlich eine Geschichte zu dieser Single-Veröffentlichung. „Numb” erschien 2008 als einseitiges Vinyl auf dem Connaisseur Sublabel Supérieur und war zweifellos einer der Höhepunkte jeder Live-Performance von Daso. Die Melodie ist eine echter Knaller, wobei der Moment nach der Pause jeden Club explodieren lässt. Das Problem war jedoch, dass „Numb” eigentlich aus zwei Spuren besteht: Einem Drittel von einer Spur und zwei Dritteln von einer anderen, um genau zu sein. Der erste Teil bis zur Pause war ursprünglich ein Remix für Mud Max von Daso und Jin Chois Projekt Maderfotor, der auf Mathias Schaffhäusers Ware Records veröffentlicht wurde. Nach dem Bass Drop kommt jedoch ein neuer, unveröffentlichter Track hinzu, den Daso bis dahin nur in seinen Live-Sets gespielt hatte. Ich liebte diesen besonderen Live-Set-Moment so sehr, dass ich ihn genau so und auf keine andere Weise veröffentlichen wollte. Am Ende haben wir im Wesentlichen das Drittel des Maderfotor Remix von Ware lizenziert und die zusammengesetzte Version als neuen Track unter dem Namen „Numb” veröffentlicht. Da der Track wirklich rockte, wollten wir ihn mit einem ebenso rockigen Artwork ergänzen. Das Ergebnis war ein superfantastisches Heavy-Metal-ähnliches Daso-Siegel, das dann mit einem Daso-Pressbild kombiniert wurde. Max von EMPP/Frischvergiftung, der für mehr als die Hälfte unserer Artworks verantwortlich ist, inklusive aller Daso-Artworks, aber auch für unser Monokel-Logo, hat diesen absoluten Gewinner entworfen. Wir sind immer noch von ganzem Herzen verliebt in das was dabei herausgekommen ist.”

Thomas Venker
Jens Friebe „Gespenster (DASO Remix)“
(Scheinselbständig) 

„Für Jens Friebe hat Daso für das von mir und Markus Tomsche betriebene Label Scheinselbständig mal einen Remix von „Gespenster“ produziert. Ich mochte den Mix immer sehr, da in ihm – noch deutlicher als bei der gemeinsamen Albumproduktion für „In Hypnose“ – Jens wunderbare Art mit Worten umzugehen und zu singen mit Dasos Gespür für Melodie und Rhythmus zur Geltung kam. Für mich klingt das Stück wie aus dem Soundtrack zu einem Film von Rainer Werner Fassbinder Film. Irgendwo in der Tiefe einer Bar, in der schon lange kein Glück mehr präsent ist, spielen zwei gegen den Weltuntergang an.“

Franklin De Costa
Daso“Why Try”
(Nsyde)

Übersetzungen: Denise Oemcke 

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