Jorja Smith „What Are The Odds.“

Jorja Smith
„What Are The Odds.“
(Because / Universal)
Erster Eindruck: „What Are The Odds.“ ist ein Übergangsalbum. Nur in welche Richtung es künftig gehen soll, ist anscheinend noch nicht ganz geklärt – muss ja auch nicht, trotzdem drängt sich der Gedanke auf, dass Jorja Smith eigentlich noch sehr viel cooler und prägnanter klingen könnte als auf ihrem dritten Longplayer. Dem vierten, wenn man die EP „Be Right Back“ von 2021 mitzählt.
Formal ist alles topp: Mit ihrer so lässigen wie gefühlvollen, immer ein bisschen schläfrig wirkenden Stimme gleitet die britische Sängerin durch ihre Songs, die verschiedene UK-Dance-Styles streifen wie Grime und Two-Step-Garage, und gerne große Hallräume eröffnen wie zum Beispiel im Titeltrack oder in „This City“, wo mit Rapper Devlin Jorjas zweiter Feature-Act neben WizKid zu hören ist.
Vielleicht ist das eine Erkenntnis: Jorja Smith hat wenig Interesse, sich an US-amerikanischem R’n’B auszurichten, ihr Herz schlägt in Großbritannien und für westafrikanische Vibes. Eine vage nächtliche Stimmung durchzieht das Album, jedoch weniger hedonistisch-euphorisch als tendenziell zögerlich. Anders als ihre Schwestern in Soul & Sound Kelela und fka twigs wagt sich Jorja Smith nie wirklich auf unbekanntes Gelände, sondern folgt gut ausgeschilderten Wegen.
Auch wenn es hibbeliger, nervöser und dezidiert Dancefloor-orientiert zugeht wie bei „Dancing“, „The Way It Was“ oder die sachte Reggaeton-inspirierten „Young Heart“ und „What’s Done Is Done“ scheint Smith nie so richtig loszulegen. Kann reizvoll sein, aber diesen Eindruck bekam man schon bei ihren älteren Aufnahmen. Gleichzeitig hat „What Are The Odds.“ eine beflügelnde, letztlich befreiende Wirkung, weil Smith zeigt, dass man nicht Avantgarde sein muss, um gute Songs zu veröffentlichen.






