Thank Me Later – Playlist Darjeeling

Thank Me Later w/ Darjeeling

 

Darjeeling


Wo die Ungeduld des Künstlers auf die Strukturen des Marktes trifft entspringt ein wahrscheinlich nie versiegender Quell für zahllose Kämpfe im Musikgeschäft. Manchmal können die Dinge einfach nicht warten und dann sind wahlweise das Internet oder ein mutiges Label ein wahrer Segen. Im Falle von Darjeeling hört das eilige Kind auf den Namen Maguna und sollte ebenso zügig in die Welt entlassen werden wie es entstand. Album Nummer 3 ist so sehr Resultat seiner Zeit, dass man sich nicht den branchenüblichen Vorlaufzeiten aussetzen wollte und sich stattdessen für den ungewöhnlichen Weg einer Vorab-Version entschied, noch dazu auf Vinyl. Das Ergebnis gab dem Tatendrang aller Beteiligten Recht, die Erstauflage ist vergriffen. Nun folgt der Rest der Welt.

 

Standard ist Darjeeling seit jeher erfreulich zuwider und dankenswerterweise erschöpft sich diese Haltung nicht im Marketing. Der kauzige Nerd-Pop der Wuppertaler weiß sich zwar mit luftigen Hooks durchaus einzuschmeicheln, schlägt aber immer wieder so überraschende Kapriolen, dass man ihn auch „Avantgarde-Kraut-Rock“ nennen könnte, klänge das nicht so gewollt verkopft. Denn genau das sind Darjeeling nie; wie schon die beiden Vorgänger glänzt auch Maguna mit einer durchweg entspannten Attitüde. Dass man sich konsequent jeder Anbiederung verweigert, ist kein Kalkül sondern ganz natürlicher Spieltrieb: Unendlich viele Ideen müssen auf knapp 40 Minuten schließlich irgendwie untergebracht werden und das geht eben nicht mit radiotauglicher Beliebigkeit. Maguna ist im Vergleich mit dem geschmeidigen „Hokus Pokus“ von 2019 noch einmal deutlich experimenteller geraten. Besonders bei Songs wie „Bisous“ und „Got Away“, mit seinen Post Punk Drums und dem nervös fiependen Keyboard einer der stärksten Momente des Albums, zeigen Darjeeling ihr Vergnügen an exzentrischem Songwriting. Großartig! Besonders spannend ist da natürlich die Frage nach den Einflüssen und genau die haben wir gestellt. Zurück kam eine Playlist die aufzeigt, was zu erwarten war: Auch die Inspirationen sind alles andere als Standard.

„Wir haben uns überlegt eine Playlist ohne englischsprachige Musik zu kuratieren, weil es ziemlich nervig und auch ignorant ist, so viel Zeit in diesem anglizistisch dominierten Popkosmos herumzulungern. Letzteres bildet, so ähnlich wie ein großer Teil der Tagesmedien, eine ziemlich großflächig neglektische Sicht auf die Welt ab, mal wieder eine viel zu “westliche Perspektive”, vor allem wenn mensch die Wurzeln der heutigen Popmusik bedenkt, das kann im black history month und auch sonst wohl nicht oft genug betont werden.
Textlich bedienen wir als Darjeeling uns der englischen Sprache vielleicht auch, damit es viele Menschen verstehen können, naja klassische Interviewfrage, nicht wahr? Und welches Medium kann Sprachbarrieren besser überwinden als Musik? Es sind aber auch einige deutschsprachige und westlich geprägte oder zumindest reflektierte Perlen dabei: Ob obskurer Straßen-Thai-Psych, Japanische 80s-Synth-Scheiben, die klingen wie aus dem Jahr 2024, südamerikanischer Jazz-Funk oder Deutschsprachiges, das uns prägt und geprägt hat: Wir kratzen hiermit nur an der Oberfläche dessen, was da alles existiert in den Weiten der Musikwelt. Warum hat niemand Bescheid gesagt? Wir sagen Bescheid: Grabt, was das Zeug hält! Wir sind gerade beseelt von Polyrhythmen, dem Verschwimmen von globalen Soundwelten, Vorzeitigem, Musik aus dem Fahrstuhl des Lebens!“

Amen! Eine gute Playlist ist immer der Auftakt für eigene Expeditionen und diese hier könnte uns diesbezüglich kaum besser gefallen und sollte für die nächsten Tage ausreichend Beschäftigung bieten. Für zwischendurch empfehlen wir euch sowohl den Insta-Kanal der Band, wo der offizielle Albumrelease am 26.2. um 20 Uhr gebührend gefeiert wird, als auch das Releasekonzert zusammen mit Label-Kollegin Maria Basel, live im Stream am 13.3. um 20 Uhr.

 

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