Thank Me Later – Playlist

Thank Me Later w/ PABST

PABST (Photo: Constantin Timm)

Indie-Rock ist zweifellos der Zombie des Musikzirkus. Tausendmal zu Grabe getragen und tausendmal auferstanden. Allen „Diesmal aber wirklich!“-Beschwörungen zum Trotz steht das Genre noch immer wie eine Eins, nicht zuletzt durch regelmäßige Frischzellen-Kuren – wie jüngst durch das Berliner Trio Pabst.

Sänger und Gitarrist Erik Heise, Bassist Tilman Kettner und Drummer Tore Knipping konnten bereits mit ihrem Debüt international punkten, der Nachfolger „Deuce Ex Machina“ bringt sie nochmal einen großen Schritt nach vorne. Ihr geradliniger Mix aus Garage, Indie und Noise macht nur wenig Umwege. Ein paar Handclaps hier, eine Cowbell dort, Ausflüge zum Grunge und immer wieder auch ein kurzer, augenzwinkernder Flirt mit dem Pop – die Band und ihr Produzent Moses Schneider (Tocotronic, Turbostaat, Beatsteaks) haben ganze Arbeit geleistet, „Deuce Ex Machina“ macht von vorn bis hinten Spaß.

Um die Tour im Herbst / Winter muss man wohl weiterhin bangen, auf den kommenden Clip zu „Fugitive“ darf man sich aber getrost ebenso freuen wie auf das angekündigte Cover eines echten Klassikers aus der Abteilung „Guilty Pleasures“ : Der romantische Soundtrack-Hit „Kiss Me“ (Sixpence None The Richer, 1998) dürfte im Pabst-Rework ein amtlicher Zungenkuss werden.

Apropos – wann man es mit leidenschaftlichen Menschen zu tun hat, merkt man unter anderem an Zeit und Begeisterungsfähigkeit mit der sie sich den Dingen widmen. Im Falle von Pabst zeigt sich beides in einer Besprechung jedes einzelnen Songs der Playlist, die wir uns von ihnen gewünscht haben:

Tonstartssbandht – Hymn Eola
Tilman: Ich finde es krass, wie einzigartig der Song ist. So etwas habe ich noch nie gehört, komplett frei und scheiß-drauf. Ich weiß gar nicht so richtig wie man das einordnen sollte – am ehesten klingt das noch nach Enya, stammt aber von einer Psych-Rock-Band mit dem unaussprechlichsten Namen ever …

Pretty Sick – Dumb
Erik: Man kann von Streaming oder Spotify im Speziellen halten was man will aber man bekommt zum Teil echt gute Vorschläge, so wie ich diesen hier. Die Band hat echt ein paar verdammte Hits! Die Songs Dumb und Telephone haben mich süchtig gemacht … und trotzdem habe ich weder je vorher von denen gehört, noch lässt sich viel über sie herausfinden. Aber das ist ja auch mal ganz schön im Zeitalter des gläsernen Menschen^^ und geht eigentlich völlig konträr mit dem Streaming-Gedanken, wo sich Künstler*innen mehr denn je präsentieren können.

The Cure – Push
Tore: Den Song hab ich sehr viel vor einem Jahr in Mexiko gehört. Ist für mich einer der geheimen besten songs, den The Cure geschrieben haben. Wie so oft bei The Cure kommt der Gesang erst ab der Hälfte des Songs und man merkt es kaum.

Dilly Dally – Know Yourself
Tilman: Wenn ich bei Rockmusik seit jeher etwas hasse, dann wenn rumgeschrien wird. Eine Ausnahme gibt es aber: Dilly Dally. Wenn Katie Monks richtig loslegt, dann bekomme ich Gänsehaut und Tränen in den Augen. Besonders bei dem wirklich eigenen Cover von Drakes „Know Yourself“.

Dogleg – Prom Hell
Erik: Auch so eine Spotify-Entdeckung und der Beweis, dass der Algorithmus manchmal sogar funktioniert^^. Dogleg verbinden so ziemlich alles was ich in der Zeit, in der wir Pabst gegründet haben, gehört habe. So ein bisschen Old-school Screamo à la Cap’n Jazz, ein bisschen was aus der neueren Schule (PBtT), viel Ami-Indie (Dinosaur Jr. et. al) und diesen Post-Pop-Core, wie ihn irgendwann Title Fight gespielt haben. Ich glaube, insgeheim habe ich mir damals gewünscht, so zu klingen. Das kam dann etwas anders aber ist ja auch nicht verkehrt, haha.

Refused – Worms Of The Senses / Faculties Of the Skull
Tore: Für mich war Musik mit Geschrei ein sehr wichtiger Einfluss. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das Album zum ersten mal bei meinem Cousin gehört habe. Sowas hab ich davor einfach noch nicht gehört gehabt. Es hat mich regelrecht umgehauen wie anders und frisch es klang. Hardcore Punk mit Techno und Drum & Bass klingt für mich erstmal scheisse und so ziemlich nach dem Gemisch, der uns in unserem Proberaum aus allen Türen immer um die Ohren fliegt. Hier natürlich was anderes. Diese ganzen Details und Breaks. Das habe ich sofort auf dem Schlagzeug gelernt.

Times New Viking – Half Day in Hell
Tilman: Warum müssen Songs eigentlich immer so in etwa 2-3 Minuten lang sein? Viel geiler ist doch, wenn man alles in 1:25 gesagt hat. So konsequent wie die wollte ich immer klingen.

Lovvers – Teenage Shutdown
Erik: Das war damals mal cool, mit diesen zwei “V”s im Bandnamen. Weiß man auch sofort, was für Musik das ist, so krachiger lo-fi-Garagepunk. Dieser Song hier hat jedoch für mich immer so etwas Besonderes an sich gehabt. Ich hatte immer das Gefühl, hinter all dem Matsch steckt hier irgendwie mehr als man im ersten Moment vermutet. Die Komposition ist echt interessant und hat mich total nachhaltig beeinflusst. Naja und der Sound ist schon auch irgendwie geil.

Chain And The Gang – You Better Find Something To Do
Tore: [in Bezug auf den Aphex Twin Song am Ende der Liste] Wobei, manchmal ist auch dieser mein Corona Song
.

JPEGMAFIA – Real Nega
Tilman: Der Song ist inhaltlich super emblematisch für die heutige Zeit und dann auch noch ein richtig abgefahrener Banger. Den würde ich gerne mal bei einem DJ-Set auf einer saulauten Anlage pumpen.

Lil Ugly Mane – Serious Shit
Erik: Ich hab mal vor Kurzem meine ganzen Platten bei Discogs eingegeben, so halb aus langer Weile, halb aus Neugier, ob mittlerweile ein paar kleine Schätze dabei sind. Die Mista Thug Isolation hat mir ein Freund damals für nen Zwanni gegeben und sich total schnell drüber geärgert, da die mittlerweile einiges Wert ist. Die Musik ist natürlich auch gut, und dieser Track hier einfach ein krasser Hit.

Kylie Minogue – Can’t Get You Out Of My Head
Tore: Ich finde es immer super geil, wenn Strophen mindestens so gut sind wie der Refrain – und das ist hier so. Hier ist jeder Part und jeder Einsatz so passend. Auch die Erinnerung an die Zeit, nichtmal was Bestimmtes, einfach die Nostalgie an sich lassen Songs ja auch so wachsen.

Sophie – Immaterial
Erik: Das Album Oil of Every Pear’s Un-Insides halte ich sowieso für eins der besten Releases jemals. Mit diesem Song hier hat Sophie DIE Hymne für alle Unsichtbaren geschrieben, die sich in den Banalitäten der Welt, wie sie ist, nicht wiederfinden und über die Grenzen ihrer Körperlichkeit hinauswachsen müssen. Natürlich geht es hier um Transgender aber selbst für mich als Cis-Mann hat der Song so etwas total Spirituelles und Euphorisches. Es ist einfach der perfekte Popsong und hat diesen Vibe, dass wenn man ihn hört, er sich wie der einzige Song anfühlt, der etwas bedeutet.

Roberto Carlos – Amada Amante
Tilman: Ich hab ja so ein Faible für 70er-Schnulzen aus anderen Ländern. Insbesondere wenn die Instrumente so wunderschön wabernd ineinandergreifen wie bei diesem Liebeslied von Roberto Carlos.

Deeper – Lake Song
Tilman: Einer der Songs aus dem Jahr 2020 die mich bisher am meisten gecatcht haben. Ich finde es super, wie lange er sich aufbaut und der Gesang erst nach einer Minute einsteigt. Alles wirkt trotz der düsteren Stimmung so verspielt, weil immer wieder kleine Melodien auftauchen und dann in dieser perfekten Abwärtsspirale einer Melodie kulminieren.

SS Say – Care
Tilman: Darker Synthie-Pop aus den 80ern lockt mich auf jeden Fall gerne mal hinter dem Ofen hervor. Ich liebe es ja, wenn ein Song im Prinzip nur aus einer guten Idee besteht und die bis zum Erbrechen durchgezogen wird – wie das stoische Arpeggio hier mit den halligen Drums und Vocals.

Nexus – Stand Up
Tore: Ich hab definitiv eine Schwäche für Disco und da gibt es oft diesen Grad ziwschen voll panne und geil für mich. Der Song ist ein gutes Beispiel dafür. Hab ich mal bei einem Freund gehört und hat mich sofort gekriegt.

The Body & Thou – Her Strongholds Unvanquishable
Erik: Auch so eine Scheibe, die ich beim Platten Durchsuchen wiederentdeckt habe. Ich finde so ziemlich alles was The Body machen super aber bin eigentlich nicht so verliebt in Thou. Zu zweit haben sie allerdings eins meiner liebsten “Heavy” Alben ever zusammengerührt. Ich liebe den Sound und wie abnormal böse der Song bei 1:19 los macht. Da geht einfach alles in mir auf.

Aphex Twin – #3
Tore: Ein Album, welches mich seit einem Jahr regelmäßig beschäftigt hat. Hier ist irgendwas magisches, weil der Song es schafft mich immer auf die fast gleiche Weise zu berühren. Wäre auch ein guter „Corona-Song” Kandidat für mich.

Dass Refused und Kylie sich mal in einer gemeinsamen Playlist wiederfinden hätten wahrscheinlich alle fünf Bandmitglieder nicht erwartet – uns macht es nur noch ein bisschen verliebter in Pabst.
Schönes Wochenende! Dreht die Musik auf!

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