Kruder & Dorfmeister

Kruder & Dorfmeister “1995” –  G wie Grundstein

Die Katalognummer für “1995” kursiert in einschlägigen Kreisen seit Ende 1994: No.4! Aber die (offensichtlich lästige) Frage “wann endlich kommt das dazugehörige Album” existiert schon deutlich länger – und wird nun, ein gutes Vierteljahrhundert später, milde lächelnd beantwortet: es kommt jetzt!

George Boskamp hat eine Laudatio auf das Gesamtkunstwerk und seine Erbauer Peter Kruder und Richard Dorfmeister verfasst. So rein als Fan.

Wer schon Mitte der Neunziger locker wie 2059 und 1973 gleichzeitig klingen konnte, braucht sich anno 2020 vor allem um Zeitlosigkeit keine ernsthaften Gedanken zu machen. “1995” klingt wie: 1995. Aber eben auch wie 2059 und 1973 gleichzeitig. Insofern ist alles beim Alten.

Warum sollte es auch anders sein? Never change a winning team – or a trademark sound. Von dem es bis heute in der Tat kein eigenes Album gab: die “G-Stoned” EP (1993) bestand aus gerade mal 4 Tracks, die DJ Kicks (1996) versammelte Lieblingstracks von anderen. Und die heiß geliebten (und gleichzeitig oft geschmähten) “K&D Sessions” (1998) waren auf eine feine Schnur gezogene, geschickt vereinnahmte Remix-Perlen, mit ein paar Sprengseln ambientem Eigenmaterial zur Zierde. Allerdings mit soviel Schmäh und Soulpower wie mindestens zehn Original-Alben. Der Sound: ein Triumph… in dub. Bis heute.

Die davon ausgelöste Zeitgeist-Welle, die Hater, die Legionen von Copycats, die abgelehnten Remixes für Grace Jones oder die Stones, das Ausschlagen des angeblichen Sony-Millionendeals, die Touren, die Meinungsverschiedenheiten, die totale Verweigerung und der ganze Wahnsinn drumrum: Geschichte. Politics.

25 Jahre später ist die Erinnerung verblichen oder besser: total vernebelt. Coffeeshops, Lounge und TripHop kamen und gingen, K&D waren schon vorher da – und sind es natürlich immer noch. Die essenzielle Knowledge-Melange aus der Raffinerie des slick heruntergekochten Spirits von Jazz, Funk, Dub, Soul, Blues und Bossa natürlich auch. Kann man nicht kopieren, muss man schon können. Hören können, fühlen können, sehen können. Apropos Vision. Die muss man schon haben.

Warum dann nicht mal in die Kiste mit den alten DATs gucken ob das Album von damals noch da ist. Jetzt, ohne all den Hype, kann man halt die Zeitqualitaet wesentlich besser erfassen. In der Tat: ein smarter Move.

Nicht nur, aber auch weil man jetzt die ganzen Samples natürlich leichter gecleared bekommt. Robert Johnson und Jobim – das sagt viel mehr als nur die Namen. Das ist eine Stylebeschreibung, eine Visitenkarte, eine Verneigung, ein GPS-Standort, ein politisches Statement und ein Augenzwinkern für all die Nerds da draußen. Genau so wie die Ambient D’n’B-Verweise, das High five an Hiphop oder der hat tip an Psychedelic Rock und ambient listening. Plus natürlich: Dub. Alles geht… muss aber nich. Bloss keinen Stress. Hauptsache leiwand & classy, der gute alte AKAI-Sampler wird’s schon irgendwie gemerged kriegen. Erstmal einen eindrehen. So viel Zeit muss sein.

Am Ende macht genau das den Unterschied: die ultimative Gelassenheit, der Wille zur Entschleunigung, die Reduktion auf das absolut Wesentliche. Denn das ist kein Skill den man lernen kann – das ist eine Lebenseinstellung. Insofern ist “1995” natürlich kein TripHop-Revival, sondern viel eher so was wie hörbar gemachte politische Architektur. Soulful Produkt-Design. Fine art. Und erscheint, ebenso natürlich, auf dem wiederbelebten, eigenen Label G-Stone Recordings. Für dessen Namen übrigens die Adresse des ersten Büros von damals in der Wiener Grundsteingasse Inspiration war. Weil sich’s halt am Ende doch irgendwie immer ausgeht, wie man in Wien sagt. The big wheel keeps on turning. No regrets.

G wie Grandezza. Ich freu mich schon auf 2045.

Kruder & Dorfmeister im Interview mit ego fm

Heute Abend wird es eine virtuelle Release-Party geben.

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