Record of the Week

Metz „Atlas Vending”

Metz
„Atlas Vending”
(Sub Pop/Cargo)

Immer nach vorne. Schlingern. Zweifeln. Brüllen. Oder doch eher singen?
‚Abgebrüll‘, nein danke, ‚Aufgesang‘, ja bitte. Denn in all dem gesellschaftlichen Schutt gibt es viel zu entdecken und bauen die kanadischen Metz aus Ottawa/Toronto luzide Anti-Paläste aus Ruinen. Schneidende Gitarren (Alex Edkins), mal deutlich wummernder, mal eher zurückhaltender Bass (Chris Slorach) und treibend-getriebene Drums (Hayden Menzies). Dazu noch das erwähnte Singschreien von Edkins. Wenn Lawinen bei all ihrer eventuellen Tödlichkeit nicht so langsam wären, würde ich Metz als Sound-Lawine beschreiben. Dafür ist diese Band allerdings viel zu zappelig und positiv unstet im Klang. „Atlas Vending“ ist ihr viertes reguläre Album und ihr viertes zentnerschweres Statement zur Zeit: Nennt mir mal bitte jemanden, für die oder den 2020 ein gutes Jahr war! Für Metz offenbar auch nicht, denn kathartisch wird hier Frust, Euphorie, Wut, Isoliertsein, Angst, Sorge und Paranoia fast atemlos rausgehauen. Unter all diesen Schichten deuten sich dann sogar des öfteren beinahe-süßliche Melodien an. Wenn man/frau nur tief genug offenohrig wühlt, belohnen einen etwa das flirrende „The Mirror“ oder das gehetzte „No Ceiling“ derart. Dazu gibt es übrigens erneut einen tollen Musikclip (der mir sofort Karel Zemans Trickfilm-Klassiker „Reise in die Urzeit“ in den Kopf schießen ließ), wie schon zu den ersten Singles „A Boat To Drown In“ (mehr Kurzfilm als Musikclip), „Blind Youth Industrial Park“ und „Hail Taxi“. Letzterer Song gehört auf jeden Festakt zur Lebenswerk-Preisverleihung für ehemalige Noise-Größen wie Sonic Youth, Scratch Acid, Tar oder Live Skull. Metz holen sich diese Auszeichnung im Grunde schon während des Anhörens ihres wuchtigen neuen Albums ab. „Framed By The Comets Tail“ erinnert in der Wirkung sogar an beste, weil nicht doof- , sondern krach-wavige, feedbacklastige Post Punk-Acts der Achtziger wie Wire oder Red Lorry Yellow Lorry. Aber zurück in die Zukunft: Metz sind eine absolute Live-Band und daher besonders gepeinigt vom Coronavirus: Deshalb führen sie ihr „Atlas Vending“ am 17.10. im Opernhaus Toronto als Stream für uns alle auf. Die Kraft dieses Trios wird manchmal verstaubte Jahrhunderte durchbrechen.

Ich möchte mich nicht wiederholen, aber wenn ich es schon an andere Stelle hier (vgl. mein Kaput-Review zu Idles/Wax Chattels/A Certain Ratio) und woanders schrieb (in den Teilen 4 und 6 meiner Kolumne bei „Die Aufhebung“), soll die Vernetzung nicht ausgelassen werden: Metz sind für mich eine der effektivsten, weil im unharmonischen Sinn nervigsten Noise Rock Bands der Gegenwart. Wo Idles bollern und Wax Chattels klackern, knallen und schrillen Metz einfach ‚nur‘ noch. Immer weiter, nach vorne in ihrer bombastischen Reduktion.

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