Mittwoch, 19.12.2018
Record of the Week

We Are Muffy “The Charcoal Pool”

We-Are-Muffy-'The-Charcoal-Pool'We Are Muffy
The Charcoal Pool
(Tapete)

Angela Morrison und Nick Duffy haben sich zusammengetan, und das Ergebnis sind We Are Muffy. Sie leben in Cornwall, wo es einen Ort gibt, der Land’s End genannt wird, weil dahinter nur noch der Atlantik kommt. Bei „Charcoal Pool“, dem Debutalbum der Band, handelt es sich allerdings nicht um eine Momentaufnahme touristischer Idylle. Gleichwohl spielt geographische Peripherie in den Texten eine große Rolle. In „Outskirts“ geht es, wie der Titel schon andeutet, um die Beschreibung des Lebens „14 stops from town“. Die Musik dazu ruft in ihrer einnehmend folkigen Arglosigkeit zwischen Tunng und Incredible String Band Bilder ländlicher, kaum erschlossener Infrastruktur hervor, die einen dazu zwingt, weite Strecken zu Fuß zurückzulegen: „Get your dufflecoat, we’ll see if the milk bar’s open on a Wedneday / Walk all the way and then walk back home“ (aus „Milk Bar“).

We Are Muffy imaginieren sich in eine Welt roter Telefonzellen und archaischer Kinderfotos in schwarz/weiß hinein (vergleich die Albumcover-Motivik), wo die Vergangenheit konserviert wird. Tatsächlich wird natürlich gar nichts konserviert, weil die Fotos immer schon Dopplungen von Subjekt und Objekt herstellen, die eine vollkommene Kongruenz zwischen den Personen auf den Fotos (= Objekt) und We Are Muffy (= Subjekt) unmöglich macht. Daraus erwächst der schöne Gedanke, dass alles auch anders sein könnte; dass die Fotos eine Art Gegenwirklichkeit etablieren.

In einigen Momenten strahlen die Songs eine Kargheit aus, die mit der friedlichen Stille einer Winternacht abseits der lärmigen Zentren zu korrespondieren scheint. Ihren psychedelischen Höhepunkt erreicht diese Tendenz im fast schon gestaltlosen Titelstück, in dem sich die Musik in der freien Verlaufsform traumähnlicher Zustände verliert. Dem entgegen stehen beschwingte, gut gelaunte Songs wie „Frosted Candy“ oder „Reggae“, die nichts anderes wollen als für sich selbst zu stehen. Was das Material hier angeht, gilt die Regel, dass die Songs stets zugänglich bleiben. Dazu trägt auch der weiche Klang der Stimmen bei, in deren Interaktion sich das Prinzip der Dopplung wiederholt. Ganz unabhängig von vielleicht etwas spitzfindigen theoretischen Überlegungen ist dies auch aus dem Grund ein tolles Album, dass die sparsame Instrumentierung eine willkommene Klarheit produziert, die den Blick schärft: „All there is to see / nothing else to see“ (aus „Coloured Pencils“).

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