Record of the Week

Drunk At Your Wedding „I Have To Go Home“ (bohemian strawberry)

Drunk At Your Wedding
„I Have To Go Home“
(bohemian strawberry)

„I Have To Go Home“: Wie oft man diesen Satz wohl schon gesagt hat? Im Morgengrauen nach durchfeierten Nächten zum Beispiel, oder wenn man sich in der Wohnung einer Person wiederfindet, bei der man lieber doch nicht bleiben möchte… oder oder. Drunk At Your Wedding, nach einem Smog-Stück benanntes (derzeitiges) One-Woman-Projekt der Berliner Singer-/Songwriterin Nina Töllner gelingt auf ihrem zweiten Album das Kunststück, Lieder voller Andeutungen und doch ganz konkreter Bilder zu schaffen. So handelt „You & Me & Sufjan“ vom Abschied einer geliebten Person, der in der Erinnerung für immer mit Sufjan Stevens‘ Album „Carrie & Lowell“ verknüpft sein wird, weil in der betreffenden Situation diese Platte lief.

Nina Töllner ist eine hingebungsvolle Erzählerin, in deren Songs das Reisen eine wichtige Rolle spielt. In „The Kindness of Strangers“ beispielsweise zählt sie auf, an welchen entlegenen Orten der Welt ihr fremde Menschen schon geholfen haben – ob autobiographisch oder nicht, man folgt ihr fasziniert und denkt gleichzeitig an eigene Erlebnisse, angestiftet von ihren Beobachtungen. Doch nicht nur die große weite Welt ist Töllners Spielfeld, manchmal schrumpft der Fokus auf einen bedrohlichen weißen Fleck, über dessen Gut- oder Bösartigkeit technische Geräte urteilen („which is like listening to experimental techno“), worüber sie recht unsentimental in „Pollen“ singt.

 

 

Drunk At Your Wedding schafft nicht nur selbst poetische Kleinode, sie zelebriert auch ihre Vorbilder: Das Booklet zur CD ist neben eigenen Textzeilen mit Zitaten von Emily Dickinson und Aldous Harding gespickt, mit „Horizon“ ist außerdem die minimalistische, emotionale Coverversion eines Harding-Songs vertreten. Töllners Hauptinstrument ist die Gitarre, der sie Mandoline, Banjo, Kalimba und Glockenspiel an die Seite stellt und auch selbst spielt. Bass und Schlagzeug überlässt sie Torsten Hempelt und Farivar Gorjian – aus diesen Bestandteilen entsteht ein teilweise harscher, teils feierlich-sakraler Sound, der nie überladen wirkt, aber auch nicht karg. Drunk At Your Wedding schafft ihre eigene Definition von Folkpop, der in Berlin-Neukölln genauso zu Hause ist wie in Neuseeland.

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