Record of the Week

SUNN O))) „S/T”

SUNN O)))
„S/T”
(Sub Pop/Cargo)

Diese Band begleitet mich nun schon seit Langem. Die Geschichten rund um SUNN O))) faszinieren, die regelmäßigen Anspielungen von Autoren wie Jens Balzer und Diedrichs Diederichsen machen auch nach Jahren noch neugierig auf Neues. Musikjournalismus kann durchaus ja weiterhin einfach erstmal eine Spur legen.

Trotzdem hatte ich lange keine Musik von SUNN O)) zu Hause – egal, ob digital oder analog. Dann erschien 2014 das monolithische Album mit Scott Walker. Puh. Einige Jahre davor erlebte ich 2010 auch mal Stephen O’Malley mit Peter Rehberg live auf dem wundervollen „Madeiradig-Festival als KTL. Heimlicher Star waren Wolken voller Trockeneis und schwere Schichten dunklen Klangs. O’Malley absolut unsympathisch, auch bei der After Show Party, aber das muss ja nichts Schlimmes bedeuten.

SUNN O)))  (Photo: Charles Peterson)

Nun, nochmal über 15 Jahre später, sind O’Malley und Greg Anderson auf Sub Pop gelandet, wo einst Earth den Drone-Weg neben all dem Grunge wiesen. Diese ebenfalls seltsame Band, die ich nie richtig begriff und die SUNN O))) auch bekannt ist. Ein flackernd-grollender Kreis schließt sich um mich herum. Schluck. Post Metal, Drone Music, sie schweben wieder mit zentnerschwer beladenen Schultern und umhüllt von Kutten.

Das zehnte Album des seit 30 Jahren bestehenden Duos wurde von Brad Wood produziert und dieses Mal eben nicht mehr durch den  leider verstorbene Steve Albini. Neu ist auch der Ansatz, dass wirklich nur die beiden Herren für alles verantwortlich sind, keine Kollaborationen, selbst betitelt und bis aufs eigentliche SUNN O)))-Gerippe reduziert. Was dennoch bombastisch anmutet. Abgesehen vom Mark Rothko-Cover und den Liner Notes des Schriftsellers Robert Macfarlane. Zudem gibt es Entwicklungen hin zu kleinen Verspieltheiten und für SUNN O))) ungewöhnlichen Details wie Wassertropfen, die unter der Decke von „XXANN“ hervor plätschern oder Field Recordings auf „Mindrolling“.

Aber keine Sorge, Purist:innen werden hier wieder mit 40-Tonner-Ladungen voller Feedback, Bulldozer-Verzerrungen und tiefer Töne, superlangsamen Verzweigungen und sehr viel luzidem Krach versorgt. Man höre etwa die beiden erwähnten Stücke. Zwischen siebeneinhalb und über 18 Minuten sind diese im positiven Sinn ultra-zähen Biester. Zeit dehnt sich, Zeit nehmen ist erforderlich, dann fällst Du rein in diese Wogen, schwimmst durch den dickflüssigen, gallertartigen Klang. Irgendwas zwischen Hypnose, Stillstand, Entrücktsein, Zeitlupe und Wegfliegen unter die Erde. Manchmal braucht es drei Jahrzehnte, um anzukommen bei einer Band.

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