Record of the Week

Lonely Guest „Lonely Guest”

Lonely Guest
„Lonely Guest”
(False Idols/!K7/Indigo)

Zwei Assoziationen flackern gleich schon beim Namen von Trickys neustem Projekt auf: Zum einen erinnere ich mich, neulich nochmals die drei seltsamen Borowski-Tatorte um den stillen Gast mit Lars Eidinger angeschaut zu haben; zum anderen suchte ich tatsächlich vor einiger Zeit dieses abgefahrene Nearly God-Album in meiner Plattensammlung und merkte, dass ich ja gar nicht zu suchen brauche, sondern einfach im Netz nachhören kann.

Tricky, vor vielen Jahren – in der Attitüde durchaus post-punkig – aus dem hochglänzenden Bristoler TripHop-Nest namens Massive Attack gefallen, war der düsterere Typ der Clique. Mit Nearly God fand er schließlich jenseits der Figur Tricky seinen musikalischen Apokalypse-Tiefpunkt, im positiven Sinn. Angekränkelter, wackeliger, mäandernder noch und fieser als alle bekifften Tricky-Alben, zäh und dennoch luzide mit berühmten Gaststimmen garniert von unter anderen Terry Hall, Björk, Alison Moyet, und Neneh Cherry. Das war 1996.

25 Jahre später nun der Lonely Guest als schon irgendwie Nachfolger des Nearly God. Auf zehn zwei- bis dreiminütigen Songs findet sich kein Tricky und doch viel Tricky. Das Album ist wieder geprägt von ausdrucksstarken Gast-Stimmen, die andere Genre-Welten in Trickys Kosmos ziehen oder eben diesen auf die Personen hinter den Stimmen ausweiten. Dieses Mal lud er unter anderen den jüngst verstorbenen Lee ‚Scratch‘ Perry, Kway, Paul Smith und Breanna Barbara ein.
Schon im Titelsong (featuring Marta) ist sie wieder da, reduziert, auf den Punkt und dennoch spektakulär: Diese seltsam gleichzeitig kristallklare und dennoch vernebelte Musikwelt des 1968 geborenen Adrian Thaws. Der Idles Sänger Joe Talbot (mit wundervoll-prolligen, walisisch-britischem Akzent), Marta (die das Erbe von Martina Topley-Birds antritt) und Tricky selbst führen das dann auf „War“ rappend fort und treiben es auf die Spitze – Maximo Park Länder Paul Smith schließt später more sophisticated an.
Der arty-farty und zugleich arbeiterklassemäßig popmusikalische, stets ein Stückweit minimale Gestus gelingt auf Lonely Guest bestens. Moll bleibt dabei die Königin. Ein Glück. Erschöpfung kann funkeln, aber die Steuern müssen bezahlt werden, höre „Pay My Taxes“ featuring Murkage Dave oder auch das sanftere, von Oh Land gesungene „Under“.

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