Record of the Week Spezial

Mourn „Self Worth”
 / Stella Sommer „Northern Dancer”


Mourn
„Self Worth”
(Captured Tracks/Cargo)

Mourn

„This Feeling Is Disgusting“, „it Sucks”, singen die phantastischen Mourn aus Katalonien. Obwohl Jazz Rodriguez und Carla Pérez Vas noch wirklich jung sind (beide Jahrgang 1996), veröffentlichen sie nun bereits ihr viertes Album. Auch auf „Self Worth” verbinden sie Post Punk, Post Grunge und Garage mit feinstem Pop Appeal, sie selbst nennen etwa PJ Harvey und Sleater Kinney als Einflüsse.

Wir reden hier also von einem krachigen Gemisch im weiten Sinn. Es wird zwar auch mal geschrammelt, wobei weniger als bisher. Dann wieder landen wir in elegischen Phasen beinahe im Dream Pop oder Shoegaze wie auf „Call You Back“. Die große Konstante aller Alben bleibt ihre wahnsinnige, pure Energie. Das wirbelt. Mourn bleiben dabei stets kompakt und auf den Punkt, auch wenn sie ‚in trouble‘ zu sein scheinen. Denn so jung sie noch sind, sie haben trotzdem schon viele Schrammen abbekommen: Label-Probleme, der Abgang des Drummers… Die Welt von Mourn ist auch nicht immer in Ordnung, das ist unüberhörbar.
Jazz Rodriguez spricht von der Schwierigkeit, in Spanien ihre Gitarren- und Rock-Vorliebe professionell auszuleben und irgendwie ja auch Geld verdienen zu können – und Gitarren plus Effekte sind hier wichtig in einem anti-stadionrockistischen Verständnis –, obwohl sie dort ja Geld verdienen würden. Diese Laune, diese auch irgendwie schimpfende Haltung hat für mich auch viel vom sonnendurchfluteten Protest-Indie von Hüsker Dü, Veronica Falls, Alvvays oder Detroit Cobras.

Stella Sommer
„Northern Dancer”

(Northern Dancer Records/Membran)

Was für Mourn die Gitarren sind bei  Stella Sommer Piano und Keyboard. Wobei sich das zweite Soloalbum der Hamburgerin von der doch eher bandgeprägten Konstellation ihrer Hauptband Die Heiterkeit unterscheidet. 

Stella Sommer (Photo: Gloria de Oliveira)

„Northern Dancer“, das von Max Rieger produziert wurde, ist ein ganz klares Sommer-Album. Ich-fixiert, ohne narzisstisch zu sein. Nur soviel, wie es genau und stilistisch passend als und für die Geste notwendig ist – inklusive leichter Schwermut und glamouröser Distanzierung durch das Englischsprachige („A Lover Alone“, „We Only Part“, „Lights On The Water“). Spektakulärer Bombast in absolut zurückhaltendem Gewand oder umgekehrt, das habe ich noch nicht endgültig rausgefunden. Vielleicht ist es ja genau die Schwebe, die auch die neuen Solo-Stücke so bezaubernd macht. Eskapistische Romantik über zehn croonende, diamantene Lieder hinweg. Ohne zu verdrängen, sondern im vollen Bewusstsein um diese seltsamen Zeiten und suchend, zwischen dynamischem Selbst und komplexen Welten.

Mit Mourn und Stella Sommer in Ohren, Kopf und Herz kann Dir nichts passieren. Es wird in Ordnung sein – Reprise.

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