Dienstag, 16.07.2019
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Jede Woche ein Rant. Heute… Altlinke Macker

Wer in Bezug auf Internet-Humor nicht aufpasst, bleibt irgendwann vielleicht doch bei Willy Nachdenklich, oder Tattoofrei oder – WLAN, bewahre – bei dem moralischen Postkarten-Opa Barbara hängen. Um möglichst vielen dieses Schicksal zu ersparen, haben wir bei kaput keine Mühen gescheut und das Autorinnen-Kollektiv des geilsten Facebook-Portal überzeugt, uns regelmäßig Content zu überweisen. Konkret dreht es sich hierbei um Feelgood-Hass unter dem Banner “Jeden Tag ein Rant”. Bei uns läuft die Nummer allerdings nur einmal die Woche, für mehr sind wir zu alt. Heutiges Thema, wer kennt sie nicht? Altlinke Macker.


Bei einem Essen von linken Buchmenschen im Zuge der Leipziger Buchmesse saß ich neben dem Herausgeber eines recht bekannten linken Leipziger Stadtmagazins. Ich dachte mir wenig, bis er sagte: “Du magst bestimmt eher Mädchenbier oder?” Als ich ihn fragte, was denn Mädchenbier sei, erklärte er ruhig, dass er damit Bier meint, welches nicht so herb ist, weil Frauen das lieber mögen.

Der altlinke Macker ist sich über sein Mackertum genauso wenig bewusst wie der antideutsche Macker (siehe Rant 10). Der altlinke Macker bezeichnet sich selbst hingegen nicht als Feminist, das Wort queerfeminismus buchstabiert er wahrscheinlich falsch. Männer und Frauen, das sind für ihn einfach unterschiedliche Dinge. Er vom Mars und sie von der Venus eben, man kennts. Der altlinke Macker mag Marx, Lenin, Andreas Baader, Hackbraten und einen guten Grappa.

Früher hat er gerne lange in diversen ASTA und DKP Plena diskutiert, also selber geredet, heute hat er sich zurückgezogen und eine Eigentumswohnung. Früher war eben alles besser, auch die Frauen. Wenn der altlinke Macker heute vor seinen Studenten (damit meint er auch Studentinnen, aber gendern findet er eher nicht so) doziert (denn der altlinke Macker hatte es unverschämt leicht in Bezug auf seine universitäre Laufbahn) denkt er mit Wehmut an die guten alten Zeiten und wünscht sich, zwei barbusige Studentinnen würden auch seine Vorlesung stürmen und sich an ihn schmiegen, wie damals an Adorno.
Adorno findet der altlinke Macker übrigens ganz nett, aber zu theoretisch, er selbst hat ’68 gelebt und auch verstanden. Auch wenn er ’68 erst 5 Jahre alt war.

Stellt man ihm im Seminar eine Frage redet er lange, ohne sie zu beantworten – methodische Hilfestellungen gibt er generell nicht, das ist unter seinem Niveau. Haus-/Abschlussarbeiten bewertet er mit 1,0, 2,0, oder 3,0, alle anderen Noten schreien zu sehr nach Kompromiss = GroKo = keine Oppositionspartei = pfui bäh.

Spricht der altlinke Macker von DER Partei, meint er nicht Die PARTEI sondern halt DIE Partei. Mitglied ist er nicht mehr, da sind die Altlinken ja wirklich zu mackerhaft, findet er. Seine Lebensgefährtin findet das auch und die ist auch wirklich ganz toll und er widmet ihr seine Bücher (“Gretel hat auch ganz toll geholfen”) und seinen zwei Affären widmet ers dann persönlich.
Neben dem universitären altlinken Macker gibt es dann auch noch den gescheiterten altlinken Macker, der mit seinem Walkman vor der Unibibliothek sitzt, alte Kassetten hört und einen angegrauten gelblichen Bart hat. Hat man mit ihm irgendwie noch ein bisschen Mitleid, verdient der erfolgreiche altlinke Macker höchstens Ekel. Wer ein gutes Praxisbeispiel möchte, kann sich gerne die „Kulturmann“ Debatte um Knausgård mal näher anschauen. (der ist 1968 übrigens geboren also Zeichen Leute, Zeichen).

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