JAKI – Cluberöffnung – Interview mit Sören Siebel und Magnus von Welck

„Ich kann schon seit Wochen nicht mehr richtig schlafen“

Man muss nur mal eben den Blick nach links richten und schon hat man eine Ahnung davon, dass sie es ernst meinen im Kölner Stadtgarten, wenn von einer neuen Ära für den Club im Haus die Rede ist. Statt Studio 672 heißt er ab Oktober JAKI  – und dabei handelt es sich keineswegs nur um eine kosmetische Namensänderung, das Studio wurde im wahrsten Sinne des Wortes abgetragen, um Platz für das JAKI und seine tiefergelegte Tanzfläche zu machen.

Thomas Venker hat Magnus von Welck (aka Magi) und Sören Siebel zum JAKI befragt.

 

Das Studio 672 hat sich in den Nullerjahren weltweit einen legendären Ruf erspielt, in etwa so wie zuletzt der Salon Des Amateurs in Düsseldorf. Deswegen gefragt: Wie leicht fiel es euch denn, den dringend notwendigen Umbau auch mit einem Namenswechsel zu verbinden?

Magnus von Welck aka Magi aka Dj Money

Magi: Wir haben natürlich lange hin und her überlegt, da besonders die Kurzform „Studio“ sich großer Beliebtheit erfreute und sich längst über die Stadtgrenzen hinaus etabliert hatte. Nachdem dann aber nach jahrelanger Ideensammlung endlich das finale Konzept zur vollständigen Neugestaltung des Clubs auf dem Tisch lang, war klar: hier bricht eine neue Ära an und diese braucht auch einen neuen Namen. Auf einmal fiel es uns wie Schuppen von den Augen und der Name JAKI war beschlossen. JAKI  – natürlich eine Reminiszenz an den großen Jaki Liebezeit – erforscht den Klang der Zukunft zwischen den Genres Pop, Jazz und aktueller Clubkultur. Mit einer klaren Programmatik zwischen spannenden Konzertabenden und rauschenden Clubnächten wollen wir eine Plattform für die Komplexität zeitgenössischer Musik bieten.

Sören Siebel

Ich erwähnte es, das Gefühl, dass der Laden dringend eine Runderneuerung benötigt, gab es schon länger. Was gab den Ausschlag für euch diesen Schritt nun gerade jetzt zu gehen, was waren die wichtigsten Punkte dabei, und wie kam es zu der Konstellation mit euch beiden?
Sören: Wie Magi schon erwähnt hat, gab es ja schon seit langer Zeit viele Ideen von vielen Menschen die auf unterschiedlichste Art und Weise mit dem Stadtgarten beziehungsweise Studio verbunden sind. An dieser Stelle sei diesen Leuten auch nochmal ein Dank ausgesprochen, da sie wichtige Impulse für den gesamten Prozess geliefert haben. Ursprünglich war „nur“ eine Renovierung in kleinerem Maße geplant. Als unser Architekt Wolfgang Zeh dann aber in seiner Präsentation einfach mal all unsere Vorgaben ignoriert und den Raum komplett neu gedacht hat, waren wir sofort davon überzeugt, doch den Schritt hin zur kompletten Renovierung zu wagen. Im Prinzip war das der Impuls für alle weiteren Vorgehen und Erneuerungen. Magi und ich haben uns dann sehr viel über das inhaltliche Konzept ausgetauscht, viel wertvollen Input von allen Seiten bekommen und gemeinsam mit dem Stadtgarten-Team das JAKI entwickelt. So ist das mit uns beiden auch einfach organisch entstanden und die Grenzen zwischen unseren Aufgaben mit ihm als „Booker“ und mir als „Clubleitung“ verlaufen fließend.

Bei einer Begehung konnte ich mir bereits ein kleines Bild dessen machen, was ab Oktober die Besucher_innen erwarten wird. In diesem Rohzustand war auf jeden Fall schon mal ersichtlich, dass die Abhängecke nicht mehr existiert und dafür der Dancefloor viel zentraler in der Clubarchitektur verankert ist.
Ein sehr schönes Signal: Shut Up And Dance, um einen Dj Hype Klassiker zu zitieren. Denkt ihr, dass das Kölner Publikum dafür bereit ist?
Magi:  Wir sind uns da absolut sicher! Unserer Meinung nach braucht es in Köln und NRW allgemein, dringend einen neuen Treffpunkt für die lokale und internationale Szene, um den Austausch zwischen Genres, Kulturen und Kontexten im Club auszuleben und zu etablieren.
Søren: Ja genau. Und diese „Shut Up And Dance“ Attitüde trifft es eigentlich ganz gut. Es soll auch darum gehen einen Ort zu schaffen an dem sich jeder wohlfühlt, ein Safe Space, ein Ort zum Lauschen, zum sich fallen lassen, sich verlieren und nicht zuletzt auch zum Austausch. Das findet sich eben auch in unseren klaren Bereichen Bar, Dancefloor, Bühne wieder.

Ich spreche bis dato zwar immer von Dancefloor, das JAKI ist ja aber nicht nur als Dance-Club konzipiert, sondern auch als Konzertort. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, dass ihr mal ein bisschen über die programmatischen Pläne erzählt.
Magi: Das neue JAKI wird als Konzertraum und als Nachtklub bespielbar sein. Mit ausgewählten Konzerten in der Woche, Singer/Songwriting am Freitag, Jazz am Samstag und Late-Nite-Partys am Wochenende. Zu den festen Partyreihen mit internationalem Programm am Freitag zählen unter anderem „Cologne Sessions“, „Club Heart Broken“, „D:FRNT“ und „Sounds Wrong Feels Right“. Die Samstagnacht gehört ab jetzt jedes Wochenende den Local Heroes, die unter dem Namen „Tom-Tom-Club“ ihr Können unter Beweis stellen – und: der Eintritt ist frei!
Søren: Bei unseren Veranstaltungen geht es uns vor allem darum, die entsprechende Atmosphäre für das jeweilige Konzert/Party zu kreieren, deswegen haben wir alles auch ziemlich flexibel gestaltet. Und gerade bei den von Magi angesprochenen Tom-Tom Club Nächten sind wir sehr gespannt, wie die Stadt das annimmt. Wir haben uns gefragt, ob große Headliner-Bookings das ganze Wochenende über überhaupt noch zeitgemäß sind, wo es doch auch in der lokalen Szene genügend sehr gute DJ’s gibt. Der Tom-Tom Club zeichnet sich durch interessante, talentierte DJs aus Köln und dem internationalen Umfeld, wie Benelux & Co aus, die auch mal gerne etwas wagen ohne dabei das Gefühl für den Dancefloor zu verlieren.
Deswegen auch das mit dem freiem Eintritt, wir wollen die Menschen zum Entdecken einladen um einen Treffpunkt für alle aufgeschlossenen Geister schaffen, musikalisch und ideologisch. Zudem möchten wir den vielleicht utopischen Gedanken weiterverfolgen, dass sich unterschiedliche Stile und Genres durchaus befruchten können. Deswegen wird es auch in Zukunft einen Übergang zwischen Konzerten und Partys geben, so dass die Gäste nach dem Konzert nicht mehr rausgekehrt, sondern zum Verweilen eingeladen werden.

Wie sehen denn die ersten Bookings konkret aus? 
Magi: Wir beginnen mit einem Eröffnungsprogramm vom 02. Oktober bis 05. Oktober 2019, das zwei Programmteile des dreitägigen Mini-Festivals „In Between Spaces: Indie Idiosyncracies“ von Thomas Gläßer beinhaltet. Mit dabei sind Deena Abdelwahed, Muqata ́a, Zuli und Peter Graf York.
Am 3. Oktober wird es Konzerte von Nadah el Shazly, Matthias Mainz, Gregory Dargent, Anteil Eraslan & Lekhf geben.
Am 4. Oktober  wird die bereits etablierte Reihe „Lagerfeuer Deluxe“ für einen entspannten frühen Abend sorgen, während das Techno-Kollektiv Cologne Sesssions  später mit Mama Snake, Aroma Pitch und MK Braun durch die Nacht tanzt.
Am Samstag, den 5. Oktober, gipfeln die Eröffnungstage in einem besonderen Highlight: Die neue Serie „Tom-Tom-Club bringt Jan Schulte aka Wolf Müller und die Phaser Boys an die Decks. Weitere Highlights im Oktober Programm sind dann: Night of Surpries (11. Oktober) und die Cologne Music Week  inklusive Club Heart Broken.

Zum Schluss noch die Frage an jeden von euch: Was war denn Eure schönste Nacht im Club formerly know as Studio 672 – was gilt es zu toppen?
Magi: Für mich waren besondere Highlights – neben meinem 16. Geburtstag (LOL) und 18. Geburtstag inklusive erstem Aroma Pitch Gig ever (2009) – natürlich unsere unzähligen und unvergesslichen Cologne Sessions Momente. Ebenso herausragend für mich die Alaaf and Kickin‘ mit Helena Hauff und die letzte Night Of Surprise. Zum Glück werden genau diese Reihen weiterhin ein fester Bestandteil des neuen Programms sein. So sehr wie auf die Eröffnungswoche habe ich mich aber schon lange nicht mehr gefreut – ich kann ehrlich gesagt schon seit Wochen nicht mehr richtig schlafen! 🙂
Søren: Ich glaube das mit den schlaflosen Nächten liegt eher an Deinem Jetsetter-DJ-Booker-Kulturmacher Leben. Just kiddin´ – wir sind wohl alle ziemlich aufgeregt und gespannt was alles aus dem JAKI entstehen kann. Eine meiner schönsten Nächte war sicher meine erste „Nacht Eins“ Party, die mit ihrem völlig bescheuerten Konzept „nur auf Einladung“ unglaublich gut ankam. Gleichzeitig erinnere ich mich an einen Cologne Sessions Geburtstag, ich weiß nicht mehr genau welcher, ich glaube Gilb`r hat gespielt, an dem ich wirklich ununterbrochen auf der Tanzfläche war. Darauf freue ich mich jetzt auch neben spannenden Konzertabenden besonders: auf rauschige Nächte, durch die man von der Musik und dem Vibe der Menschen untereinander durch die Nacht getragen wird.

JAKI-Musik

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