"Jazz at Jaki" – Interview Mareike Wiening

Mareike Wiening „Ich möchte den Fokus auf Frauen im Jazz erhöhen“

Mareike Wiening (Photo: Lukas Diller)

Mareike, du übernimmst zum Jahresbeginn 2022 die Kuration der Reihe „Jazz at JAKI“ von Denis Gäbel. Wie intensiv hast du dessen Arbeit verfolgt? Was war dein Eindruck von seiner Programmierung?

Für mich war „Jazz at Jaki“ immer ein fester Bestandteil der Kölner Jazzszene – ein Club mit super Bands im Programm, vielseitig, mit bekannten sowie unbekannten Musiker*innen und stilistisch ganz nach meinem Geschmack. Ich habe selbst ein paar Mal im Club und bei der Sommerversion “Jazz at Green Room” mit verschiedenen Formationen spielen dürfen und es war jedes mal ein tolles Erlebnis.
Denis hat sich mit dieser Reihe immer am amerikanischen Jazz und vor allem den New Yorker Jazzclubs orientiert. Da ich selbst über sechs Jahre in Brooklyn, New York gelebt und gearbeitet habe, ist die Fortführung dieser Orientierung auch in meinem Sinne.

Die Reihe findet jeden Samstag statt, was bedeutet diese doch sehr hohe Frequenz für deine Programmierung? Wird es Konstanten im Programm geben?
Mein Anspruch ist es das Programm genauso vielseitig und abwechslungsreich zu gestalten wie es vorher war. Für meine Kuration bei „Jazz at JAKI“ ist mir wichtig, dass der Schwerpunkt auf der Kölner Szene bleibt, aber trotzdem auch regelmäßig internationale Musiker*innen eingeladen werden. Außerdem möchte ich den Fokus auf Frauen im Jazz erhöhen.

Würdest du sagen, dass sich die Tatsache, dass du selbst Musikerin bist (Schlagzeugerin und Komponistin) auf die Art und Weise auswirkt, wie du kuratierst?
Ich denke schon, dass es sich irgendwie auswirkt, da ich natürlich Musik ganz anders höre und auf andere Parameter Wert lege.

Gibt es weltweit Clubs / Programmreihen, die dich inspirieren und die dir als Leitmotiv dienen?
In New York beziehungsweise Brooklyn gibt es ein paar Reihen von Kollegen und Freunden, die mich sehr inspirieren. Zum Beispiel Jerome Sabbagh`s Reihe in der Bar Bayeux oder auch das ehemalige Programm meines Lieblingsclubs Cornelia Street Café, welches leider kurz vor Corona schließen musste. Diese Clubs sind/waren immer auch ein beliebter Treffpunkt für die Szene. Man wusste ganz genau, dass man dort immer hingehen konnte, um gute Musik zu hören, egal ob man die Bands kannte oder nicht. Es war auch eine wunderbare Networking Möglichkeit und sehr inspirierend für die eigene Musik – so etwas wünsche ich mir auch für das JAKI.

Du lebst teilweise in Brooklyn und teilweise in Köln – wie unterschiedlich hast du die Pandemie und die kulturellen Auswirkungen auf beiden Seiten des Atlantiks wahrgenommen?
Auf Grund der Grenzschließung war ich die meiste Zeit während Corona in Deutschland. Auch gab es hier deutlich mehr Auftrittsmöglichkeiten im Sommer und Herbst letzten Jahres. Ich habe mich in Deutschland bislang einfach sicherer gefühlt. Die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen, die erhöhte Kriminalität und die sehr fragwürdige Krankenversicherungspolitik in den USA haben mich davon abgehalten, mein bislang regelmäßiges Pendeln fortzuführen. Jetzt freue ich mich aber umso mehr auf eine anstehende Reise: im Februar werde ich für eine sechswöchige Tournee quer durch die USA unterwegs sein.

Welche Musikveröffentlichung hat dich in 2021 am meisten begeistert – und warum? (Und gerne mit Link)
Daniel Santiago “open world”
Seine Musik ist immer frisch und lebendig mit ganz unterschiedlichen Kollaborationen. Musik die mich inspiriert und alles andere vergessen lässt.

Auf was freust du dich 2022 am meisten?
Das ist in Zeiten ständiger Konzertabsagen sehr schwer zu sagen ….
Ich freue mich aber sehr meine Kontakte mit New York wieder aufleben zu lassen, auf die eben erwähnte Tour in den Staaten und darauf meine amerikanische Band aus New York im Herbst (hoffentlich) wieder nach Deutschland zu holen.

Der erste von dir kuratierte Abend wird am 15.1. mit Rebecca Trescher statt finden. Was gab den Aufschlag mit ihr anzufangen?
Mein Ziel war es mit einer starken weiblichen Bandleaderin anzufangen. Rebecca ist nicht nur eine wunderbare Komponistin und Arrangeurin, sondern auch eine exzellente Klarinettistin. Mit ihrer Musik gewann sie bereits zahlreiche Preise (zum Beispiel den Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg). Sie leitet selbst eine Konzertreihe in der Tafelhalle Nürnberg und ist sehr engagiert in der Szene. Außerdem lebt sie in Nürnberg, wo ich her komme. In der Band spielen sowohl Kölner als auch Nürnberger Musiker*innen, die Band schlägt somit eine Brücke zwischen den beiden Szenen.

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