Montag, 25.03.2019
Waltraud Blischke – Interview

female:pressure als Vertrauensökonomie

Am Freitag, den 14. Dezember gastieren female:pressure im Kölner Studio 672. Neben Liveauftritten von Loraine James und Donna Maya und einem DJ-Set von Monibi wird auch Waltraud Blischke auflegen. Wir haben der Kölnerin im Vorfeld ein paar Fragen gestellt.

 

Waltraud, erstmal ganz allgemein gefragt: was verbindet dich mit female:pressure?

Eine engere Verbundenheit entstand konkret durch die Zusammenarbeit mit der Kölner Musikproduzentin Sonae. Allerdings habe ich schon seit dem Entstehen von female:pressure die Entwicklung und das Agenda Setting aufmerksam mitverfolgt. Das Problem, dass Produzentinnen und DJs auch aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt wurden, war ja nicht von der Hand zu weisen und insofern stand für mich der solidarische Gedanke dahinter im Vordergrund.

Kannst du dich noch an deinen ersten persönlichen Berührungspunkt erinnern?
Bezogen auf Köln gab es hier doch einen regen Austausch unter den „DJ-Frauen“, selbsttätig und ohne einen female:pressure Kontext. Über die Jahre haben wir uns immer wieder inhaltlich über Musikthemen ausgetauscht, darüber hinaus führte dann eine gegenseitige Wertschätzung, in dem was die andere „so macht“ zu einer Einladung, bei entsprechenden Veranstaltungen mitzuwirken.

Eine der großen Leistungen von female:pressure liegt ja darin, den Diskurs über die mangelhafte Repräsentation von Frauen in der (elektronischen) Musikszene in den Alltag geholt zu haben. Was erstmal eine positive Diagnostik ist. Aber leider begegnen einem ja doch immer noch extrem viel krasse Fälle, wo Frauen unter- oder gar nicht repräsentiert werden – Stichwort aktuell die erste Ankündigungswelle des Hurricane Festivals. Oder auch Fälle, wo Künstlerinnen von Männern beim Auflegen / bei Auftritten nicht für voll genommen werden – Stichwort: die unendliche Liste an Technikergeschichten, zu der quasi jede Künstlerin eine Episode beitragen kann.
Wie bewertest du denn die Entwicklungen der letzten Jahre und den aktuellen Status?
Das lässt sich schwer in Kürze und allgemeingültig benennen. Die Problematik liegt ja oftmals in den Netzwerken und ihren Machthebeln, an den Progatonist_innen, auch wie sich Frauen und Männer wechselseitig fördern oder hemmen. Mit Sicherheit haben sich bestimmte Bereiche gebessert, indem gewisse Selbstverständlichkeiten auch für Frauen gelten. Nach wie vor sind meines Erachtens Role Models wichtig, die eine Normalität manifestieren. Ich sehe noch ein großes Entwicklungspotential in einem Verständnis voneinander – wie funktionieren (Männer-) Clubs und wie (selbst-)reflektiv sind wir im Austausch und in unseren Forderungen.

Neben dem Diskurs geht es female:pressure auch ganz konkret um den Zugang zu Wissen via Ableton-Workshops und Produktionscamps. Einer der Gäste des Abends, Donna Maya, war ja bereits als Ableton-Dozentin in der Vergangenheit in Köln. Inwieweit ist denn die Kontinuität der Protagonistinnen wichtig?
Nun gut, Kontinuität kann wichtig sein, muss aber nicht. Ich denke, wir haben es auch hier mit einer Art „Vertrauensökonomie“ zu tun und dieses Mindset zeichnet ja auch andere Veranstaltungsreihen aus.

Kommen wir zur konkreten Party – in wie weit spielt es denn eine Rolle, dass auch hier das Signet drüber steht, die Veranstaltung selbst ist ja auch für Männer zugänglich. Hast du das Gefühl, dass eine Party, die mit female:pressure gebrandet ist ein anderes Publikum zieht, das der Vibe anders ist?
In der Tat zieht (auch) ein solcher Abend mehr Frauen an, was sich sehr angenehm auf die Publikumszusammensetzung auswirkt. Die Atmosphäre ist entspannter und ich hatte oft den Eindruck, dass viele nicht nur aus spontaner Neugierde kommen. Ein solcher Abend vermittelt letztlich das gute Gefühl, dass die Welt da draußen allen gehört, auch nach fünf Uhr morgens.

 

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