Sonntag, 16.12.2018
Record of the Week

Alexandra Atnif “Rhythmic Brutalism 1 & 2”

Rhythmic BrutalismAlexandra Atnif
“Rhythmic Brutalism 1 & 2”
(EM Records)

Es bedarf nur der Tracktitel und man hat schon einen sehr genauen Eindruck vom diesem beachtlichen Debütalbum der rumänischen Produzentin Alexandra Atnif: “Pillars Of Insanity”, “Ephemeral Moments Of Mental Clarity”, “Adore & Detest”, “Acute Anxiety Neurosis”, “Abandon Your Cities”, “Anthems Of The Deaf & Blind”, “Degenerating Human Livestock”, “Void Aesthetik”…. Die Liste ließe sich noch lange so fortsetzen, denn Atnif legt gleich eine Doppel-Cd beziehungsweise zwei Doppel-Vinyl-Formate vor.

Es ist eine triste Freude, mitzuerleben, wie kompromisslos Atnif auf “Rhythmic Brutalism 1 & 2” ihr Soundmaterial angeht. Hier wird keine Schonung geduldet. Immer wieder muss man beim Hören kurz nachschauen, ob vielleicht doch noch eine zweite Soundquelle mitläuft, so vehement und gegen das aktuell gültige Soundparadigma elektronischer Musik drescht der Sound auf einen ein. Wobei sie auch anders kann: Ein Track wie “Undeciphered Distress Signal” beispielsweise schwingt geradezu entspannt dubbig.


Die handlungsleitende Architektur des Brutalismus, sie ist in ihrer den Menschen kleinhaltenden Gnadenlosigkeit ein guter Referenzpunkt. Musikalisch lässt Atnif an Platten denken, die in den 1990er Jahren auf den Labels Mille Plateaux, Force Inc. und Force Tracks in Frankfurt erschienen, jedoch selten puristisch dem einen Label zuordenbar, ihre Tracks muten eher wie eine seltsame Kreuzung dieser drei Einflusslinien an. Sie selbst gibt als Einflüsse übrigens Throbbing Gristle, Esplendor Geometrico, Muslimgauze, Pan Sonic, Autechre, Winterkälte, Prurient und Scorn an.

Eine Recherche über die Künstlerin in den subkulturellen Kreisen ihrer Hauptstadt Bukarest blieb erfolgslos. Was daran liegt, dass Atnif sich abseits von Szenekontexten bewegt und hauptberuflich als Ärztin in einer Klinik tätig ist. Und so musste ihre Musik den Umweg über Japan zurück nach Europa, um hier wahrgenommen zu werden. Der Betreiber des in Osaka ansässigen Labels EM Records Koki Emura (siehe Kaput-Feature) hat sie entdeckt und ist gewillt, ihre Vision einer grau-schwarzen Welt angemessen umzusetzen. Koste es, was es wolle.

 

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