Record of the Week

Bill Callahan „Gold Record”

Bill Callahan
„Gold Record”
(Drag City/Indigo)

„Hello, I’m Johnny Cash“, begrüßt uns Bill Callahan auf dem ersten Song „Pigeons“ seines neuen Albums “Gold Record”. Sein letztes Album „Shepherd in a Sheepskin Vest“ ist gerade mal ein gutes Jahr auf dem Markt, da legt der Schafshirte im Fell in seinem goldenen Zeitalter gleich die nächste Collection von popmusikalischen Kurzgeschichten nach.
Auf „Shepherd…” fragte er nach der Ungewisstheit des Erwachsen- und Saturiertseins, nach Identitätskrisen, Leben im Momentum des Älterwerden und dauerhaften Übergangszuständen und beschrieb seine zunehmende Lebensdauer nicht nur als Erleichterung oder Weisheit, sondern auch als Herausforderung und eher ambivalent.

Bill Callahan (Photo: Hanly Banks Callahan)

Im Grunde tut Callahan das ja nunmehr seit 30 Jahren: Schon mit Smog wirkte er erzählend, wenn auch scheppernd, absolut LoFi und irgendwie auch immer ein bisschen aus der Garage des Post Noise Rock zwischen Guided By Voices auf Seiten des charmanten Krachs und Will Oldham (seinerzeit aka Palace Brothers) auf Seiten des Neo Country.
Nicht zuletzt wegen seiner einmalig sonoren und meistens eher sprechenden Stimme ist es geradezu hypnotisierend dem ‚Callahanian Sound‘ und seinen Gedanken zuzuhören.  Wobei das – trotz phantastischer Anti-Hymnen wie „A Hit“, „I Break Horses“ oder zuletzt das tolle, selbstreflexive „Writing“ – schon immer und so auch weiterhin etwas sympathisch schelmenhaft wirkt. Callahan ist allerdings kein Lausbub, eher ein Typ in Transformation mit Narben und dennoch manchmal leicht zwinkernden Augen.

Auf den zehn neuen  Songs verheiratet mit der ganzen weiten Welt und ein Stückweit sich selbst berichtet der Storyteller von Bücherratten, Umherstreifenden, Kleidermachern, Ry Cooder-Fans und Fahrern von Limousinen sowie Schrottautos – ich musste des Öfteren an die schrägen USA der Serie „American Gods“ denken. Frei nach „Another Song“: Komm nach Hause zum Mittagessen und bleib. Callahan beendet „Pigeons“ in den Lyrics als L. Cohen und berichtet im „Protest Song“-Blues von spukigen Auftritten. Und zitiert doch auch sich selbst mit einer aktualisierten Version von Smogs „Let’s Move to the Country“. Auch das mehrdeutig: Wer spricht? Über wen?

Kaskaden von Erzählungen umschwirren einen auf “Gold Record”, musikalisch oft federleicht, textlich durchaus zentnerschwer. Wippende Widersprüche im Klangkleid dieses großen unspektakulären Songstorywriters, Callahan bekommt das – mit kleiner Band um Matt Kinsey und Jaime Zurverza – einmalig hin. Inklusive feierlicher wüstenhafter Trompete und Slide Guitar und kurzen multiinstrumentalen Überraschungen hier und dort. Schon wieder ein großes Album. Unheimlich.

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