Record of the Week

Carla dal Forno „Confessions”

Carla dal Forno
„Confessions”
(Kallista/Cargo)

Das vierte Solo-Album. Vier Jahre nach dem dritten, „Come Around“ . Ich bleibe Fan. Und verliebt. Was in vielerlei Hinsicht unterschiedlich und sich doch auch ähnlich scheint. Immer wieder. Neu. Entdecken. Melbourne. Berlin. London. Castlemaine. Orte. Menschen. Klänge. Imaginationen.

Und nun also „Confessions“. Wieder auf dal Fornos eigenem Label veröffentlicht. „Going Out“ kommt von ganz innen und ist das wohl traurigste Losgehlied seit Thick Pigeons „Subway“. Beide Stücke haben etwas Wolkenverhangenes, Verkatertes an einem sonnigen Tag. Wie schon beim wunderbaren letzten Album „Come Around“, sind auch auf „Confessions“ vor allem in den Stimmungen im weiten Sinn zahlreiche sehr angenehme Ähnlichkeiten zu eben Stanton Miranda Dali (Thick Pigeon), Anna Domino, Lucrecia Dalt, Winston Tong (Tuxedomoon), Colin Newman/Malka Spigel, Lisa Germano oder die wahrscheinlich fast vergessenen Vermooste Vloeten oder Marine Girls festzustellen. Tust du das, kannst du dich von Carla dal Forno ähnlich doppelbödig verzaubern lassen. Niemals komplett (ver-)trauen. Immer aufmerksam bleiben. (Er)kennst du die Anleihen nicht, bleib auf der Hut und lass dich fallen, so zwiespältig das erscheinen mag.

Carla dal Forno (Photo: Sanjay Fernandes)

Klare oder gar einfache Schlüsse können hier nicht gezogen werden. Verwaschene Klarheit, verwunschene Wirklichkeit, Carla dal Forno entspinnt ihren Art Pop, No/New Wave, Post Irgendwas und webt uns mit Sprengseln von Dub (z.B. auf dem verschroben-blubbernden „On the Ward“), Funk, Soul oder Folk ein. Lässt uns eintreten. Über einige Jahre hin in einem verlassenen, ehemaligen Kleinstadtkrankenhaus aufgenommen, thematisiert del Fornos neues Album Gegensätze, Paradoxien, Dialektiken. Durchaus schmerzhafte Selbsterkenntnis mischt sich mit Anflügen von träumerischer Erleichterung. Das erzeugt Reibung und Nähe. Daraus entfaltet sich eine seltsame Form von bombastischem Minimalismus oder minimalistischem Prunk. Mit merkwürdigen, fast filmmusikalischen Space Pop-Momenten wie auf „Drip Drop“ oder Songwriter-Psychedelia wie auf „Under The Covers“. Die intimen Augenblicke („Gave You Up“) paaren sich mit verwehten Ekstasen („Nighttime“ oder der Mini-Hit „Blue Skies“), wenn dal Forno mal retroesk, mal futuristisch, immer aber ganz bei sich, ihre liebevollen Songs entwickelt. Voller Liebe, das und die und der hier. Und Melancholie. Ein leuchtendes, funkelndes Mosaik.

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