Dienstag, 19.11.2019
Record of the Week

Martin Rev „Cheyenne“ / „Clouds Of Glory“ (bureau b)

Martin Rev
„Cheyenne“ / „Clouds Of Glory“
(bureau b)

Man kennt Martin Rev vor allem als die eine Hälfte des New Yorker Duos Suicide, das mit seinen nervös aufgeladen New Wave die Blaupause für gleich eine ganze Reihe an Genres und Epigonen war zwischen Techno, Electro, Synth-Pop und Post Punk. Seit dem Tod seines Partner Alan Vega vor drei Jahren gibt Martin Rev zwar ab und an noch immer Suicide Songs zum besten, zumeist auf Festivals oder in speziellen Tributekontexten, bringt aber vor allem auch sein schon immer spannendes Solowerk in Erinnerung.
Was nun dazu führt, dass auf dem Hamburger Label bureau b mit “Clouds Of Glory” (von 1985) und “Cheyenne” (1991) das zweite und dritte Album von Martin Rev wiederveröffentlicht werden.

Wobei „Clouds Of Glory“ nicht nur zeitlich gesehen merklich näher an Suicide dran ist. Das Album, dessen Cover nicht ohne Grund die Skyline von New York ziert, zieht einen förmlich runter auf die Straßen und hinein in die Nervosität der New Yorker Nächte. Unweigerlich muss man beim Hören von Songs wie „Rocking Horse“, „Rodeo“, „Metatron“ oder dem Titelstück an die dunkelrot-romantisch aufgeladenen Großstadtepen von Abel Ferrara („King of New York“, „Bad Lieutenant“) denken. Einzig „Whisper“ versprüht kurz eine Leichtigkeit, aber eine, bei der man letztlich auch sofort weiß, dass sie nicht lange anhalten kann, denn das Böse lauert hier bekanntlich überall.

„Cheyenne” hingegen ist viel weniger hermetisch-düster angelegt. Bis auf das Eröffnungsstück „Whings of the Wind“, „Little Rock“ und „Coyote“, deren Ambient- und Dronewallungen an zeitgemäße Sounds zwischen PAL Records, Atonal Festival und Nächte im Berghain erinnern, kultiviert Martin Rev auf dem Album leider zu oft eine elektronische Verspieltheit, die nicht selten ins belangslose abdriftet.
Oder um es anders zu sagen: Rev ist dann am besten, wenn er weder lieb sein will, noch es ihm nach Gemütlichkeit steht.
Thomas Venker

Die Besprechung ist in leicht modifizierter Version bereits in der Printausgabe der Kölner Stadtrevue erschienen.

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